Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags
Titel des Wettbewerbsbeitrags
Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags
Der Landkreis Bad Dürkheim liegt im Süden von Rheinland Pfalz zwischen Ludwigshafen am Rhein im Osten und Kaiserslautern im Westen. Im Jahr 2007 hatte der Landkreis Bad Dürkheim ca. 134500 Einwohner in 48 Städten und Gemeinden auf einer Gesamtfläche von rund 600 Quadratkilometer. Diese sind in sechs Verwaltungsgemeinschaften, die Verbandsgemeinden, zusammengefasst; dazu kommen die Städte Bad Dürkheim und Grünstadt sowie die verbandsfreie Großgemeinde Hassloch.
Typisch für den Landkreis Bad Dürkheim ist der Weinanbau auf rund 7200 Hektar Rebfläche. Wein wird in der Region nicht nur hergestellt, sondern in über 100 Festen und Straußwirtschaften auch "gelebt".
Die Suchtprävention für Kinder und Jugendliche im Landkreis Bad Dürkheim beinhaltet verschiedene "Bausteine", die sich gegenseitig vernetzen, ergänzen und unterstützen und so ein Netzwerk der Prävention bilden. Von diesem Netzwerk werden verschiedene Präventionsangebote im Landkreis Bad Dürkheim in altersadäquater Form für Kinder, Jugendliche, Multiplikatoren aus Jugendhilfe und Schule sowie Eltern entwickelt, organisiert und durchgeführt. Dabei werden nicht nur aktuelle Themen der Suchtprävention aufgegriffen bzw. kontinuierlich bestimmte Themen bearbeitet sondern die Maßnahmen und Projekte unter Berücksichtigung des Prinzips der Nachhaltigkeit angelegt.
Die Bausteine sind nicht hierarchisch angelegt sondern stehen gleichberechtigt nebeneinander und sind für eine gelingende Suchtprävention unabdingbar.
Der erste "Baustein" bildet die Fachstelle Sucht mit der darin integrierten Präventionsfachstelle mit Büro in der Stadt Bad Dürkheim und verschiedenen Außenstellen im Landkreis Bad Dürkheim. Die Beratungsstelle ist für den gesamten Landkreis zuständig.
Die Suchtgefährdung und Suchtabhängigkeit von Kindern und Jugendlichen im Landkreis Bad Dürkheim veranlasste die Kreisverwaltung bereits im Jahr 1988 dazu, im Zusammenwirken mit dem Diakonischen Werk als Träger der freien Wohlfahrtspflege eine Suchtberatungsstelle zu errichten.
Durch eine vertragliche Vereinbarung zwischen dem Landkreis und dem Diakonischen Werk, der sowohl der Jugendhilfeausschuss als auch der Kreisausschuss und der Kreistag zugestimmt haben, wurde für die Arbeit der Beratungsstelle eine solide Grundlage geschaffen.
In der Vereinbarung wird neben der Finanzierung auch die enge Zusammenarbeit der Beratungsstelle mit dem Jugendamt und die Abstimmung der Konzeption mit dem Kreisverwaltung geregelt.
Die Fachstelle Sucht entwickelte sich von einer Ein-Mann-Beratungsstelle mit Zuständigkeit ausschließlich für illegale Drogen nach mehreren personellen Aufstockungen zu einer Beratungsstelle mit den Bereichen illegale und legale Drogen, frauenspezifische Suchtproblematik und Fachstelle Suchtprävention mit derzeit vier Vollzeitstellen.
Die stetige personelle Erweiterung macht die Wichtigkeit und Notwendigkeit der Fachstelle Sucht für den Landkreis Bad Dürkheim deutlich. Da der Fachstelle Prävention eine besondere Rolle zukommt, möchten wir deren Arbeit beispielhaft vorstellen.
Die Mitarbeiter der Fachstelle Suchtprävention kooperieren neben den Mitarbeitern des Kreisjugendamtes mit vielen weiteren Institutionen und Personen wie z.B.: Kindertagesstätten, Schulen, außerschulische Jugendarbeit, Beratungsstellen, Gesundheitsamt, Gleichstellungsbeauftragten, Jugendhilfeeinrichtungen und Schulsozialarbeiter um geeignete Projekte und Angebote für Kinder und Jugendliche aber auch Eltern und Multiplikatoren zu planen und zu realisieren.
So wurden unter anderem in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten mädchenspezifische Präventionsprojekte zur Lebenskompetenzförderung an einer Realschule in Grünstadt angeboten. An einer Förderschule in Bad Dürkheim wurde ein Projekt mit sowohl substanzspezifischen als auch geschlechtsspezifischen Inhalten zur Förderung der Lebenskompetenz durchgeführt. An der Hauptschule und Förderschule in Grünstadt wurde in Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsbeauftragten, der Offenen Jugendarbeit, der Schulsozialarbeiterin und ehrenamtlichen Helferinnen je ein Aktionstag mit Gesundheitsparcour veranstaltet. Zum Thema "Essstörungen" wurde an zwei Nachmittagen ein Workshop für Mädchen in einem Jugendzentrum angeboten. An der Berufsbildenden Schule in Bad Dürkheim wurde ein suchtpräventives Projekt für Jungen angeboten. Für die Zielgruppe Eltern pubertierender Jugendlicher wurde ein Seminar "Wie umarme ich einen Igel" durchgeführt. Eine Multiplikatorenschulung zum Thema "Grundzüge der motivierenden Gesprächsführung - mit Widerstand umgehen" als Hilfe im Umgang mit Suchtmittel konsumierenden Jugendlichen in Jugendhäusern wurde im Jahr 2007 ebenfalls angeboten. Viele weitere Aktionen in Schulen, Jugendzentren u.a wurden und werden im Rahmen der Suchtprävention mit verschiedenen Akteuren durchgeführt.
Weiterhin hat die Fachstelle die Federführung beim Regionalen Arbeitskreis Suchtprävention, welcher den zweiten "Baustein" darstellt.
Der Arbeitskreis Suchtprävention im Landkreis Bad Dürkheim gründete sich 1995 und trifft sich regelmäßig. Hier arbeiten Fachkräfte aus der Suchtberatungsstelle, dem Jugendamt, aus Kinder- und Jugendeinrichtungen, dem Adipositasnetzwerk, dem Gesundheitsamt, dem Ausländerbeirat, die Gleichstellungsbeauftragte und andere interessierte Personen und Einrichtungen zusammen um gemeinsam Sucht vorbeugende Maßnahmen für die Region zu entwickeln, Projekte aufeinander abzustimmen und trägerübergreifende Kooperationsnetzwerke zu installieren. Neben dem fachlichen und persönlichen Austausch dienen die Arbeitstreffen der theoretischen und praktischen Auseinandersetzung mit suchtspezifischen Themen in Form von Jahresthemen. Daneben werden Einzelveranstaltungen und Projekte für unterschiedliche Zielgruppen organisiert und durchgeführt und so eine flächendeckende Versorgung im Bereich der Prävention angestrebt.
Ein weiteres Aufgabenfeld des Arbeitskreises Suchtprävention ist die Zusammenarbeit und der Austausch mit den Schulen im Landkreis. In regelmäßig stattfindenden Fachgesprächen der Suchtberatungslehrerinnen mit den Mitgliedern des Arbeitskreises werden Fragen zur Suchtprävention erörtert, verschiedene Methoden in der Lebenskompetenzförderung vorgestellt und suchtpräventive Maßnahmen für die Schulen angeregt. Weiterhin beteiligt sich der Arbeitskreis regelmäßig an dem von der Landeszentrale für Gesundheit ausgeschriebenen Aktionstag zur Suchtprävention mit verschiedenen Aktionen. So wurde 2007 zum Schwerpunktthema "Deine Verantwortung für Deine Gesundheit" ein Gesundheitsparcour gemeinsam entwickelt und durchgeführt. Dieser Parcour fand im Foyer der Kreisverwaltung Bad Dürkheim statt und fand regen Zulauf von Schulklassen und andere interessierte Personen. Zusätzlich fand in Lambrecht ein großes Actionspektakel statt. Weiterhin wurde das Thema in unterschiedlichen Aktionen in den verschiedenen Einrichtungen vor Ort bearbeitet und vertieft.
Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Präventionsarbeit der außerschulischen Jugendarbeit. Im Landkreis Bad Dürkheim sind ca. 20 hauptamtliche Jugendarbeiterinnen (Jugendpflegerinnen) in Jugendtreffs und Jugendhäuser beschäftigt zu deren Aufgaben neben der Jugendförderung und Jugendsozialarbeit auch der Bereich des Jugendschutzes gehört. Hinzu kommt die verbandliche Jugendarbeit, die vor allem durch ehrenamtliches Engagement getragen wird.
Durch die Mitarbeit der Jugendarbeiterinnen im Regionalen Arbeitskreis Suchtprävention werden Präventionsthemen besprochen und angeregt und in den verschiedenen Einrichtungen auf verschiedene Weise umgesetzt wie z.B. Alkoholfreie Cocktails des Jugendtreffs beim örtlichen Weinfest.
Ein weiterer Ansatzpunkt sind erlebnisorientierte Angebote und Aktionen der örtlichen Jugendarbeit, die Alternativen zum Konsum von Drogen bieten: zum Beispiel Kletterkurse, Kanutouren und andere "Abenteuer", die Jugendlichen körperlich, geistig und kameradschaftlich herausfordern. Dahinter steht der Gedanke, Jugendlichen andere Experimentierfelder und "Kicks" als den Konsum von Drogen zur Verfügung zu stellen.
Weiterhin stehen die Jugendarbeiterinnen als Ansprechpartner und Beraterinnen für die Jugendlichen zu den unterschiedlichsten Themen zur Verfügung.
Der letzte zu nennende Baustein im Netzwerk der Suchtprävention ist das Kreisjugendamt Bad Dürkheim. In den vorher beschriebenen Abschnitten/Bausteinen wurde es als Kooperationspartner bei verschiedenen Präventionsprojekten schon mehrfach erwähnt. Neben der engen Zusammenarbeit mit der Suchtpräventionsfachstelle gestaltet das Jugendamt auch eigene Angebote.
Im Bereich des Medienschutzes hat das Kreisjugendamt bereits im Jahr 2000 verschiedene Einrichtungen der offenen Jugendarbeit mit so genannten Medienschutzkoffern ausgestattet, um den Kindern und Jugendlichen einen bewussten Umgang mit diesen Medien näher zu bringen. In verschiedenen Veranstaltungen setzten sich die Jugendlichen mit den neuen Medien auseinander .Die Koffer beinhalten verschiedene Spielkonsolen mit passenden Spielen und Fachliteratur und Informationsbroschüren. In Multiplikatorenschulungen wurde das Fachpersonal geschult. Auch für die Eltern wurden und werden Elterninformationsabende zum Thema Medienkompetenz angeboten.
Für die Koffer wird jährlich ein Etat zur Aktualisierung eingeplant. Die Koffer werden sowohl in der täglichen Arbeit der Jugendtreffs genutzt als auch bei Informationsveranstaltungen für Eltern, Lehrer und Multiplikatoren eingesetzt.
Eine weitere Aufgabe ist der gesetzliche Kinder- und Jugendschutz, auch kontrollierend-ordnender Jugendschutz genannt. Er beinhaltet solche Maßnahmen, die auf die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen hinwirken. Auf der Kreisebene führt das Jugendamt in Zusammenarbeit mit den Ordnungsämtern und der Polizei Jugendschutzkontrollen auf diversen Weinfesten und öffentlichen Jugendveranstaltungen durch.
Daneben berät und informiert es interessierte Personen von Vereinen, Gaststätten, sowie Veranstalter aller Art über die Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes und eine jugendgerechte Durchführung von Veranstaltungen.
Die verschiedenen Bausteine der Suchtprävention im Landkreis Bad Dürkheim zeigen, dass die Prävention ganzheitlich angelegt ist und verschiedene Süchte/Suchtstoffe, Altersgruppen und Settings berücksichtigt. Ein wichtiger Aspekt stellen dabei auch die Eltern als Adressat von Suchtprävention dar.
Da die Suchtprävention auf kommunalpolitischer Ebene schon seit 1998 fest verankert und unterstützt wird, konnte ein verbindliches Kooperationsnetz von verschiedenen Akteuren gebildet werden, das landkreisweit Aktionen im Rahmen der Suchtprävention anbietet.