Landkreis Mainz-Bingen

Typ: 
Landkreis
Name der Stadt, der Gemeinde, des Landkreises: 
Landkreis Mainz-Bingen
Bundesland: 
Rheinland-Pfalz
Einreichende Dienststelle: 
Kreisverwaltung Mainz-Bingen
Name des Ansprechpartners: 
Wolfgang Hoffmann
Funktion des Ansprechpartners: 
Jugendschutzbeauftragter
Straße/Postfach: 
Georg Rückert Str. 11
Postleitzahl: 
55218
Ort: 
Ingelheim
Telefon des Ansprechpartners: 
06132/7873322
Telefax des Ansprechpartners: 
06132/7873399
E-Mail des Ansprechpartners: 
E-Mail der Kommune: 
Internetadresse der Kommune: 

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Suchtprävention im Landkreis Mainz-Bingen

Zum Landkreis Mainz-Bingen, der sich durch seine exponierte Lage am Rande des Rhein-Main-Gebietes auszeichnet, gehören die acht Verbandsgemeinden Bodenheim, Gau-Algesheim, Guntersblum, Heidesheim, Nieder-Olm, Nierstein-Oppenheim, Rhein-Nahe und Sprendlingen-Gensingen sowie die beiden großen kreisangehörigen Städte Bingen und Ingelheim und die verbandsfreie Gemeinde Budenheim. In den insgesamt 66 Städten und Gemeinden leben 209.665 Einwohner auf einer Gesamtfläche von über 600 Quadratkilometern.

Drei weltbekannte Weinanbaugebiete (Mittelrhein, Nahe und Rheinhessen) prägen den Landkreis. Wein wird in der Region nicht nur produziert, sondern auf den traditionellen Weinfesten und in vielen Straußwirtschaften auch "gelebt". Vor allem in den letzten Jahren ist auf Weinfesten, Faschings- und Kerbeveranstaltungen verstärkt Alkoholmissbrauch durch Kinder und Jugendliche festzustellen. Auf diesem Hintergrund hat die Alkoholprävention einen besonders hohen Stellenwert für das Kreisjugendamt

Suchtberatung und –prävention haben im Landkreis Mainz-Bingen eine lange Tradition. Schon im Jahr 1982 entstand in Ingelheim die erste Suchtberatungsstelle, es folgten im Jahr 1984 die Beratungsstelle in Bingen und 1991 in Nieder-Olm. 1999 gelang es, in Oppenheim eine weitere Beratungsstelle anzusiedeln und durch vertragliche Vereinbarungen zwischen dem Kreis, den Trägern der Beratungsstellen und den Städten und Verbandsgemeinden eine lückenlose und flächendeckende Versorgungsstruktur zu errichten. Gleichzeitig wurden die Konzepte der Beratungsstellen mit dem Kreis abgestimmt und in die Jugendhilfeplanung des Kreises einbezogen. Durch den Aufbau von fünf Regionalen Arbeitskreisen Suchtprävention (RAK), die durch die Beratungsstellen betreut werden, ist es gelungen, trägerübergreifende Kooperationsnetze zu knüpfen. Durch diese Regionalisierung können Veranstaltungen und Angebote durch örtliche Institutionen mit personalkommunikativen Maßnahmen auf überschaubarer Ebene den jeweiligen Zielgruppen zugeführt werden.

Eine weitere Säule der Präventionsarbeit ist die außerschulische Jugendbildung. Durch die kollegiale Zusammenarbeit des Jugendschutzbeauftragten mit dem Kreisjugendpfleger werden Präventions- und Jugendschutzthemen mit den Trägern der außerschulischen Jugendbildung in Arbeitsgemeinschaften, dem Kreisjugendring und der Arbeitsgruppe "Jugendarbeit" des Landkreises kommuniziert. Im Landkreis Mainz-Bingen sind ca. 30 hauptamtliche kommunale und verbandliche Jugendpfleger beschäftigt zu deren originären Aufgaben die Jugendförderung und der Jugendschutz gehören. Über diese Multiplikatoren werden ehrenamtliche Mitarbeiter/innen sowie Kinder und Jugendliche unmittelbar erreicht.

Eine enge Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe und Schule im Bereich der Prävention ist durch die Bildung von Arbeitskreisen für Suchtberatungslehrer gewährleistet. Diese werden von den Beratungsstellen betreut. Auch durch die Gewährung von Kreiszuschüssen für schulische Maßnahmen der Suchtprävention und einem monatlich herausgegebenen Informationsbrief für die Suchtberatungslehrer/innen wird der Kontakt zu den Schulen gepflegt.

Im Bereich der Primärprävention werden durch die Fachberatung des Kreises für Erzieherinnen Fortbildungen bzw. Informationsveranstaltungen zu Themen der "Frühprophylaxe" und "Kinder aus suchtbelasteten Familien" angeboten.
Elternarbeit wird durch die Beratungsstellen, Kreisvolkshochschule, Schulen und Kindertagesstätten durch Informationsveranstaltungen zu den Komplexen Sucht und Prävention geleistet.

Das Netzwerk Prävention entwickelt und organisiert Präventionsmaßnahmen und platziert unter Beachtung des Prinzips der Nachhaltigkeit die vielfältigen Angebote in altersgerechter und geeigneter Form für Kinder, Jugendliche, Multiplikatoren und Eltern.

Kampagne "Jugendschutz geht alle an"

Als im Jahr 2003 bekannt wurde, dass der Konsum von sogenannten Alcopops rasant angestiegen ist, startete der Kreis in Kooperation mit den zuständigen Ordnungsämtern eine Informationskampagne. Supermärkte, Tankstellen und sonstige Verkaufsstellen wurden mittels Aushangtafeln und Flyer über die Rechtslage informiert. Gleichzeitig wurde über die örtlichen Medien das Thema in die Öffentlichkeit transportiert . Auf politischer Ebene wurde das Thema am 17. 12. 04 im Kreistag behandelt, mit dem Ziel, ein Verkaufs- und Abgabeverbot von Alcopops auf öffentlichen Plätzen, in öffentlichen Gebäuden und bei Veranstaltungen der Kommunen zu beschließen. Da für die Umsetzung dieses Zieles die jeweiligen Bürgermeister der 66 kreisangehörigen Städte und Gemeinden zuständig sind wurde das Thema an die Bürgermeisterdienstversammlung am 21. 7. 05 verwiesen. Ein Mitarbeiter des Gesundheitsamtes informierte die Bürgermeister aus ärztlicher Sicht über die Problematik und somit wird das Thema in den einzelnen Kommunen in eigener Zuständigkeit weiter verfolgt.

Prävention und Information bei öffentlichen Veranstaltungen und Weinfesten wird im Landkreis seit 1991 durch den Einsatz eines kreiseigenen mobilen Saftstandes geleistet. Der Saftstand wird regelmäßig bei den Weinfesten in Bingen und Ingelheim, dem Binger open-air-Festival und bei weiteren Anlässen eingesetzt und durch Fachkräfte, Ehrenamtliche, Selbsthilfegruppen und Schüler.betreut.

Auf diesem Erfahrungshintergrund wurde 2005 für das Ingelheimer Rotweinfest die Kampagne "Jugendschutz geht alle an" und der "greenroom" als Angebot für Jugendliche entwickelt.

Das Ingelheimer Rotweinfest wird geprägt durch zahlreiche Weinstände, die geöffneten Weinhöfe der Ingelheimer Winzer und den integrierten Jahrmarkt, der besonders viele Kinder und Jugendliche anzieht. Bei dem jungen Publikum ist der zu dieser Jahreszeit erhältliche Federweiße sehr beliebt und das Jugendschutzgesetz wird von vielen Winzern oft nicht beachtet. Der Flyer "Jugendschutz geht alle an" und die Aushangtafel "Stopp – Kein Verkauf von Alkohol an Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren" wurde speziell für diese Aktion entwickelt und in großer Anzahl gedruckt. Für Eltern wurde der Flyer "Jugendschutz – ich informier’ mich" eingesetzt.

Der Bürgermeister übergab diese Materialen persönlich an die Winzer und das Ordnungsamt setzte das Material im gesamten Stadtgebiet ein. Polizei und Ordnungsamt zeigten Präsenz auf dem Weinfest, machten Alterskontrollen und beschlagnahmten alkoholische Getränke bei nichtberechtigten jungen Menschen.

Begleitend zu diesen administrativen Maßnahmen wurde mit dem greenroom ein pädagogisches Angebot geschaffen, um den Kindern und Jugendlichen eine attraktive Alternative zu bieten. Der greenroom befand sich in einer optisch auffallenden Zeltkombination am Rande des Festplatzes und war in der Zeit vom 24. 9. – 3. 10. 05 täglich von 17 bis 22 Uhr, am Wochenende bis 24 Uhr geöffnet. Spielangebote wie Game Cube, Kickern, Kartenspiele etc wurden zur Verfügung gestellt. Verkauft wurden nur alkoholfreie Mixgetränke und es durfte nicht geraucht werden. An den Wochenenden wurden zusätzlich Jonglageworkshops, Trommelkurse und ein Karaokewettbewerb veranstaltet und es bestand die Möglichkeit, sich "live on stage" zu präsentieren. Im Verlauf des Weinfestes besuchten mehr als 700 Kinder und Jugendliche den greenroom. An der Realisierung dieses Modellprojektes wirkten mit: Suchtberatungsstelle, Stadtjugendpflege, Kreisjugendamt, Haus der Jugend, ehrenamtliche Mitarbeiterinnen des HdJ, Suchtberatungslehrerinnen, Schülermultiplikatoren, Ordnungsamt, Polizei und der Bürgermeister der Stadt Ingelheim. Die Federführung lag bei der Suchtberatungsstelle und der dort tätigen Jahrespraktikantin. Das Projekt hat landesweites Interesse hervorgerufen und wurde am 21. 11. 05 auf einer Fachtagung in Mainz präsentiert. Die Aktion wird 2006 fortgeführt und soll auch in anderen Kreisregionen stattfinden.

Jugendevents ohne Alkohol

"Spaß ohne Absaufen" war das Motto des 1. Nieder-Olmer Schwimmbadevents am 9. 7. 05. Ziel dieser Veranstaltung war ein ganzheitlicher, erlebnisorientierter Präventionsansatz im legalen Drogenbereich. Hier sollten Jugendliche auf einer open-air Party im Schwimmbad Spaß haben, in Kontakt kommen und Abenteuer erleben, ohne dass es dabei zum Alkoholkonsum kommt. Im Vordergrund stand nicht der Verzicht, sondern vielmehr der Gewinn von sinnlichem Erleben, Kontaktfähigkeit und Lebensfreude. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, wurde ein vielfältiges Mitmach-Programm angeboten: Beach-Volleyball, Kistenklettern, Aerotrimm-Gerät, Kanuschnupperkurs, Henna-Tatoos-Bemalung und zahlreiche Wasserspiele. Eine Musikanlage mit DJ sorgte für die musikalische Beschallung und als Getränke wurden alkoholfreie Cocktails angeboten.

Das Schwimmbad-event wurde 2005 erstmalig im Kreis angeboten und versteht sich als konsequente Ergänzung und Bereicherung zu den seit 2000 regelmäßig durchgeführten streetball- und streetsoccer-Turnieren im Kreisgebiet.

Unter dem slogan "streetball and more..."werden seit fünf Jahren regelmäßig streetball- und streetsoccer Turniere im Kreisgebiet veranstaltet, die meist in den Abendstunden stattfinden. Das Angebot ist eine Antwort auf das geänderte Freizeitverhalten und versteht sich als Möglichkeit, der Monotonie, Langeweile, Reizüberflutung und Kommerz zu entfliehen. Das Konzept ist angelehnt an der aus den USA stammenden Idee zum Mitternachtssport, bei der es darum geht, Jugendliche nachts von der Straße zu holen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich körperlich auszutoben und keinen Frust oder Langeweile aufkommen zu lassen. Die Veranstaltungsreihe beschränkt sich nicht nur auf die Ausrichtung von Sportturnieren, sondern durch zusätzliche attraktive Angebote sollen auch weniger sportliche Jugendliche angesprochen werden. Als wichtige Elemente werden deshalb Musik, Unterhaltung, show, workshops und Spaß integriert. Auf den Einsatz von Schiedrichtern wird verzichtet. Dadurch übernehmen die Teilnehmer Eigenverantwortung, Disziplin und üben sich in Toleranz und fair play. Von Anfang an werden Jugendliche in die Planung und Durchführung der Veranstaltungen einbezogen und durch die Übernahme verschiedener Aufgabenbereiche werden sie aktiv an der Organisation beteiligt, so dass eine Identifikation mit der Veranstaltung stattfindet. Dies gilt vor allem auch für das alkoholfreie Veranstaltungskonzept. Alle Veranstaltungen werden offensiv mit dem Hinweis "Ohne Alkohol" beworben. Während der Veranstaltunge gibt es Info-Stände mit zahlreichen Informationsmaterialien aus dem Suchtbereich und als "give away" die im Eigendruck verlegte Broschüre "fun drinks" (Mixgetränke ohne Alkohol)

Ein weiteres Angebot im Bereich des Mitternachtssports stellen die skate-nights dar, die in Gau-Algesheim stattfinden.

Alle Veranstaltungen sind regionale Kooperationsprojekte, die vom Kreis mit Werbematerialen sowie personeller und finanzieller Unterstützung gefördert werden. In folgenden elf Kommunen werden diese alkoholfreien Veranstaltung durchgeführt: Bodenheim, Bingen, Bubenheim, Budenheim, Guntersblum, Harxheim, Ingelheim, Nieder-Olm, Nierstein, Oppenheim, Sprendlingen.

Der Erfolg des Nieder-Olmer Schwimmbad-events war so groß, dass es 2006 wiederholt wird und im März 2006 in dem Hallenbad Gensingen eine ähnliche Veranstaltung stattfindet. Auch die streetsoccer- und streetball-Turniere werden weiterhin regelmäßig veranstaltet.

Fachtagung "Suchtvorbeugung im Sport"

Mit der Fachtagung "Suchtvorbeugung im Sport" am 12. 2. 05 in Bingen betraten die Veranstalter ein neues Feld der Suchtprävention im Landkreis Mainz-Bingen. Intension der Veranstaltung war, wichtige Multiplikatoren wie Übungsleiter und Sportlehrerinnen für das Thema Suchtprävention zu sensibilisieren und entsprechende Handlungskompetenzen zu vermitteln.

Der Vereinssport erreicht immer noch einen großen Anteil der Kinder- und Jugendgeneration und die im Sport verankerten Ideen und Ideale bieten die besten Voraussetzungen, wirkungsvolle Suchtprävention zu leisten. Im Sinne der Lebenskompetenzförderung bietet der Sport ein geeignetes Erlebnis- und Lernfeld, um partnerschaftliches Handeln und Teamgeist zu entwickeln, eigene Grenzen und die anderer zu erfahren, die körperliche Leistungsfähigkeit wahrzunehmen und Durchhaltevermögen zu entwickeln, mit Erfolgen und Misserfolgen umzugehen, Regeln zu akzeptieren und Verantwortung zu übernehmen.

Diese Erfahrungsmöglichkeiten aus einer sportlichen Betätigung heraus unterstützen und fördern die Entwicklung von Selbstwertgefühl und Selbstsicherheit.

Auch wenn der Sport hervorragende Präventionsmöglichkeiten bietet, darf nicht verkannt werden, dass jugendliche Vereinssportler im Hinblick auf ihren Alkoholkonsum keineswegs zurückhaltender sind als Nichtmitglieder. Dabei sind es vor allem die Mannschaftssportarten, in denen dem Alkohol besonders gut zugesprochen wird. Besonders bei Sport- und Vereinsfesten, Siegesfeiern und Sportfreizeiten ist ein ausgeprägter Alkohol- und Nikotinkonsum bei jugendlichen Sportvereinsmitgliedern festzustellen.

Die Fachtagung wurde vom Kreisjugendamt Mainz-Bingen, der Sportjugend Rheinhessen und dem Kriminalpräventiven Rat der Stadt Bingen veranstaltet und in der Rochus-Realschule Bingen ausgerichtet. Ziel der Veranstaltung war, Kinder- und Jugendbetreuer aus dem Sportbereich zu informieren und sensibilisieren und somit das Thema Alkoholprävention in die Vereine hineinzutragen.

Übungsleiterinnen, Sportlehrer und Mandatsträger wurden durch die Veranstalter mit einer speziellen Ausschreibung auf die Fachtagung aufmerksam gemacht. Auch über die regionalen Medien wurde auf die Veranstaltung hingewiesen. Die Fachtagung fand an einem Samstag von 10,30 Uhr bis 16,30 Uhr statt und bestand aus folgendem Programm:

  • Grußworte der Kreisbeigeordneten, des Vorsitzenden der Sportjugend und dem Sprecher des Kriminalpräventiven Rates
  • Impulsreferat "Jugend und Drogen" des Landesdrogenbeauftragten
  • Hauptreferat "Kinder stark machen im Sportverein" von Dr. Harald Schmid- Leichtathlet, Europameister und Botschafter der BzgA-Kampagne "Kinder stark machen"
  • Workshop A "Spiele, die Kinder stark machen"
  • Workshop B "Vereinsfeste mit Kick"
  • Workshop C "Abenteuerspiele in der Turnhalle"
  • Forum A "Zum Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen im Sportverein"
  • Forum B "Kinder stark machen durch Leistungssport!?"
  • Forum C "Präventionsfilm "Das Ende einer langen Party"

Das Bildungswerk des Sportbundes und das Institut für Lehrerfortbildung haben die Veranstaltung als anerkannte Fachtagung für Übungsleiter bzw. Lehrerinnen ausgewiesen. Es nahmen 90 Personen teil. Sie erhielten eine Teilnahmebescheinigung und ein Handout mit Kurzfassungen der Vorträge, Gesprächsforen und workshops. Die Fachtagung wurde dokumentiert und evaluiert.

Aktionstag zur Suchtprävention am 26. Mai 2004

Die rheinland-pfälzische Ministerin für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit Malu Dreyer hat unter dem Motto "be strong.be clean.feel good" den 26. Mai 2004 zum landesweiten Aktionstag erklärt und aufgefordert, Präventionsveranstaltungen zu den Themen Alkohol, Rauchen und Essstörungen durchzuführen.

In Rheinland-Pfalz existieren 35 Regionale Arbeitskreise, von denen sich 23 an den Aktionstag beteiligten. Alle 5 Regionalen Arbeitskreise aus dem Landkreis Mainz-Bingen nahmen teil und infolge der langjährigen Zusammenarbeit mit den Schulen und den weiteren Kooperations- und Netzwerkpartnern gelang es, insgesamt 65 Veranstaltungen anlässlich des Aktionstages zu platzieren.

Die Angebotspalette zu der Themenvorgabe umfasste Theater, Workshops, Vorträge, Film/Video, Ausstellungen, Saftbar, Internet, Vorführungen, Natur- und Sinnerlebnisspiele,
Sportevents, Erlebnispädagogik, Aktionen, Elternabende und Öffentlichkeitsarbeit. Die Themen wurden sowohl mit suchtmittelspezifischen Methoden als auch mit allgemeinen, lebenskompetenzförderden Maßnahmen aufgegriffen. Besonders hervorzuheben sind der von Ingelheimer Jugendlichen gedrehte Film "Voll im Leben", der sich mit dem Konsum von Alcopops auseinandersetzt, die Promotionaktion (Behüterli) zur Sicherheit im Straßenverkehr, die Internetralleys und die thematischen Büchertische in mehreren Buchhandlungen.

Durch den Aktionstag ist es gelungen, das Thema Sucht mit Jugendlichen, Multiplikatoren und Eltern anzusprechen und die bisher in den Regionen geleistete Arbeit zu vertiefen. Durch die Einbeziehung der regionalen Medien wurde der Aktionstag durch eine umfangreiche Presseberichterstattung begleitet, so dass die vielfältigen Themen über die Zeitungen mit der Leserschaft kommuniziert wurden. Die durchweg gute Resonanz motivierte die Veranstalter zur Fortsetzung und Weiterentwicklung suchtpräventiver Aktionen im Landkreis Mainz-Bingen.
Alle Veranstaltungen sind umfassend dokumentiert. Die Dokumentation ist der Bewerbung beigefügt.

Eltern und Multiplikatoren als Zielgruppe und Partner für die Suchtprävention

Die Zusammenarbeit mit Eltern und Multiplikatoren ist für eine wirkungsvolle Suchtprävention unverzichtbar. Deshalb werden für diese Zielgruppe kontinuierliche Angebote unterbreitet.
Neben den klassischen Eltern-Informationsveranstaltungen in Kindergärten, Schulen und Volksbildungswerken versucht der Landkreis Mainz-Bingen mit einem sehr niederschwelligen Angebot, Eltern zu erreichen, die weniger Zugang zu konventionellen Veranstaltungen haben. Es handelt sich um das Modellprojekt "Famtisch – zu Gast bei Familie..." Durch dieses Projekt sollen Gesprächskreise im häuslichen Rahmen angeregt werden. Eine Gastgeberin lädt ca. 5 – 8 Gäste zu sich nach Hause ein, um über ein angekündigtes Thema zu diskutieren. Besprochen werden sollen sowohl allgemeine Erziehungsthemen als auch suchtspezifische Themen ( z. B. Umgang mit Süßigkeiten oder dem Fernseher). Eine Moderatorin, die speziell für diese Gespräche geschult wird, führt mit einem Video ins Thema ein und leitet die nachfolgende Diskussion. Anschließend bleibt Raum für informelle Kontakte. Erfahrungsgemäß interessieren sich in erster Linie Frauen für solche Gesprächskreise. Die private, gesellige Atmosphäre von Famtische ermöglicht es den Frauen, persönliche Fragen und Anliegen zu formulieren und sich darüber auszutauschen. Dies fördert die Stärkung der sozialen Kompetenz und den Zugang zu den eigenen Ressourcen..Als Moderatorinnen fungieren in dem Projekt Laien, in der Regel Mütter. Sie werden auf diese Aufgabe speziell vorbereitet und dafür geschult. Das Projekt wurde von der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz initiiert und der Landkreis Mainz-Bingen ist einer von acht Standorten in Rheinland-Pfalz, in denen das Projekt umgesetzt wird. Mittlerweile wurden für 18 Moderatorinnen aus dem Kreis Mainz-Bingen zwei Schulungsabende durchgeführt. Es folgen noch zwei weitere Schulungen. Die ersten Famtische wurden bereits im November 2005 durchgeführt.

Wichtige Multiplikatoren sind Lehrer und Lehrerinnen aller Schularten. Unterricht, Klassenfahrten, Schullandaufenthalte oder Projekttage bieten hervorragende Möglichkeiten,
suchtpräventive Akzente zu setzen. Durch die regionalen Arbeitskreise erhalten Lehrer/innen fachliche, organisatorische und finanzielle Unterstützung für ihre Präventionsarbeit. In allen regionalen Arbeitskreisen sind Schulen vertreten. In den großen Schulstandorten Bingen und Ingelheim wurden eigene Arbeitskreise für die Suchtberatungslehrer eingerichtet. Diese werden von den jeweiligen Suchtberatungsstellen betreut. Das von der Ingelheimer Suchtberatungstelle entwickelte Konzept "Handeln, aber sicher" wurde den Lehrerarbeitskreisen Ingelheim und Bingen sowie den Kriminalpräventiven Räten Ingelheim und Gau-Algesheim vorgestellt. Im kommenden Jahr wird es weiteren Arbeitskreisen im Kreisgebiet vermittelt.

Die Einbindung Jugendlicher bzw. Schüler/innen als Multiplikatoren stellt einen neueren Präventionsansatz dar, der auch im Landkreis Mainz-Bingen praktiziert wird. Seit mehreren Jahren werden in den Regionen Bingen, Ingelheim und Nieder-Olm Schülermultiplikatorenseminare durchgeführt. Konzeptionell legen die Seminare einen Schwerpunkt auf die Stärkung der Ressourcen der an dem Seminar teilnehmenden Jugendlichen. Zusammenhänge zwischen Konsum und Missbrauch werden erfahrbar gemacht und mit den Teilnehmerinnen reflektiert. Zudem vermittelt das Seminar Anregungen für die kontinuierliche und systematische Weiterentwicklung der Suchtvorbeugung in der Schule. Die ausgebildeten Schülermultiplikatoren wirken aber nicht nur im schulischen Umfeld. Vielfach werden sie bei außerschulischen Aktionen wie z. B. alkoholfreie Jugendevents, Saftstandbetreuung und bei Aktionen im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit einbezogen und beteiligt.

Auch die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen der außerschulischen Jugendbildung sind entscheidende Multiplikatoren, weil sie vor allem Kinder und Jugendliche im Freizeitbereich betreuen und eine maßgebliche Vorbildfunktion erfüllen. Über die Arbeitsgemeinschaft der hauptamtlichen Jugendpfleger und den Kreisjugendring werden Informationen zur Suchtvorbeugung und entsprechende Konzepte an diese Multiplikatoren herangetragen. Auch durch die Mitarbeit zahlreicher Personen dieser Zielgruppe in den Regionalen Arbeitskreisen werden schulische und außerschulische Multiplikatoren vernetzt, so dass sie gemeinsame und abgestimmte Präventionsmaßnahmen durchführen können, so wie es am landesweiten Aktionstag zur Suchtprävention am 26. 5. 2004 praktiziert wurde

"Was tun wenn..." heißt ein Fortbildungsseminar, das regelmäßig für ehrenamtliche Mitarbeiter der Jugendarbeit aus der Region Bodenheim, Guntersblum und Nierstein-Oppenheim angeboten wird. Dabei wird Gruppenleitern Handlungskompetenz für den Fall vermittelt, dass sie bei Jugendfreizeitmaßnahmen mit Alkoholmissbrauch konfrontiert werden.

Für die 57 sozialpädagogischen Betreuer des Kinder- und Jugendheimes Rochusberg in Bingen wurde in diesem Jahr die Fortbildungsveranstaltung "Erkennen von Auffälligkeiten bei suchtgefährdeten Jugendlichen und adäquate Handlungsstrategien" durchgeführt.
Durch das Kinder- und Jugendheim werden insgesamt 165 Kinder und Jugendliche stationär, in Tagesgruppen und ambulant betreut. Anlass der Fortbildungsveranstaltung war die ansteigende Zahl von Alkoholmissbrauchsfällen innerhalb der Einrichtung.

Kulturpädagogische Angebote

Zahlreiche "Bausteine" werden im Rahmen der Suchtprävention eingesetzt und auch Angebote aus dem kulturpädagogischen Bereich sind fester Bestandteil des Präventionskonzeptes im Landkreis Mainz-Bingen. Seit sechs Jahren wird in der Region Nieder-Olm die Veranstaltungsreihe "Quer durchs Leben" (anfängliche Bezeichnung "Kultur quer") durchgeführt. In einem Zeitraum von ca. acht Wochen werden ca. 30 Veranstaltungen zum Schwerpunktthema Sucht und Prävention angeboten, wobei die "highlights" aus dem kulturpädagogischen Bereich kommen. Regelmäßig werden Kindertheater und Jugendtheater zum Themenbereich Suchtvorbeugung und vereinzelt auch Ausstellungen in das Programm aufgenommen. Das Programm wendet sich an alle wichtigen Zielgruppen der Präventionsarbeit und erreicht Kindergärten, Schulen, Jugendeinrichtungen und Erwachsene.

Seit fünf Jahren gastiert regelmäßig das Improvisationstheater "Requisit" in Bingen, Gau-Algesheim, Ingelheim und Nieder-Olm und ist damit ein fester Bestandteil der schulischen Suchtprävention im Kreisgebiet geworden. "Requisit" ist ein Projekt der Drogenselbsthilfe im Taunus (Hofheim). Die Schauspieler sind ehemalige Drogenabhängige, die das Medium Theater nutzen, um mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. In gleicher Weise wird für die Eltern der Schülerinnen eine Abendveranstaltung durchgeführt

Die Bemühungen, Theateraufführungen als Möglichkeit der Suchtprävention zu nutzen, werden aufgrund der guten Erfahrungen nicht nur beibehalten, sondern verstärkt eingesetzt. So konnte am 11. 5. 05 erstmalig in Bingen das Theaterstück "Morgen hör’ ich auf", eine authentische Geschichte einer Alkoholiker Karriere zur Aufführung gebracht werden. Für den 28. 4. 06 ist die Jugendtheateraufführung in Nierstein "Zukunft: Now! Jugend-Sehn-Süchte" bereits verbindlich gebucht.

Im Rahmen der Primärprävention wurde in den Jahren 2002 bis 2004 die Ausstellung "Welt der Sinne" elfmal im Landkreis Mainz-Bingen präsentiert. Die Ausstellung wendet sich an Kinder im Alter von 5 – 10 Jahren und verfolgt das Ziel, Kindern sinnliche Erfahrungs- und Erlebnisfähigkeiten zu vermitteln. Kinder, die gelernt haben, ihre Umwelt mit allen Sinnen zu erfahren, brauchen als Erwachsene ihren Erlebnis- und Sinneshunger nicht durch schädliche Ersatzmittel sättigen. Die Ausstellung fand bei Kindergärten und Grundschulen guten Zuspruch.

Mit dem Jugendbandwettbewerb "ROCK-N-POP-YOUNGSTERS" leistet das Kreisjugendamt einen weiteren Beitrag zur Alkoholprävention. Seit vier Jahren wird dieser Wettbewerb als Kooperationsprojekt mit Beteiligung vieler haupt- und ehrenamtlicher Mitarbeiter im Kreisgebiet und der Stadt Mainz durchgeführt. Alle Konzerte finden in pädagogisch betreuten Jugendhäusern statt und jährlich beteiligen sich 130 junge Musiker und ca. 2.500 Besucher. Die Abschlussveranstaltung "final countdown" lockt in der Regel 800 Jugendliche an. Bei dem Projekt handelt es sich um eine Nachwuchsförderung junger Musiker, indem ihnen Auftrittsmöglichkeiten geboten werden. Dies eröffnet ihnen gleichzeitig die Chance, neue Kontakte zu knüpfen und Erfahrungen zu sammeln. Neben der Talentförderung profitieren die jungen Musiker vor allem durch die Rahmenbedingungen und die Wettbewerbsatmosphäre auch im Bereich ihrer individuellen Persönlichkeitsentwicklung.

Für die Besucher wird eine attraktive, jugendkulturelle Veranstaltung zu günstigen Preisen in ihrer Region angeboten. Gleichzeitig werden sie an Jugendhäuser herangeführt, überwinden Schwellenängste und lernen pädagogische Freizeiteinrichtungen und Programmangebote kennen. Durch die Mitarbeit vieler sozialpädagogischer Fachkräfte wird gewährleistet, dass es im Verlauf der Konzerte nicht zum Alkoholmissbrauch kommt und den Jugendlichen wird erfahrbar gemacht, dass Spaß, Unterhaltung und Musikgenuss auch ohne übermäßigen Alkoholkonsum möglich ist.

Erlebnispädagogik als Möglichkeit der Alkoholprävention

In der schulischen und außerschulischen Jugendbildung hat die Erlebnispädagogik im Hinblick auf die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung große Bedeutung. Sie verfolgt vor allem die Ziele einer verbesserten "Realitätsbewältigung" und einer Ich-, Selbstwert- und Identitätsstärkung. Sie soll helfen, schwierige Lebensumstände und kritische Lebensereignisse konstruktiv zu bewältigen.

Jugendliche sind mit erlebnispädagogischen Maßnahmen gut erreichbar und in der pädagogischen Arbeit gelingt es, nicht nur zu vermitteln, was nicht erlaubt ist, sondern auch Möglichkeiten der konstruktiven Lebensbewältigung deutlich zu machen.

Erlebnispädagogische Projekte sind deshalb bei einer Vielzahl von pädagogischen Einrichtungen des Landkreises seit Jahren fester Bestandteil der Präventionsarbeit. Eine erlebnispädagogische Veranstaltung mit großer Außenwirkung ist das Rhoihesse Adventure. Es handelt sich dabei um einen Abenteuerspieltag im Landkreis Mainz-Bingen, der zum ersten Mal im Oktober 2003 stattfand und eines der größten Kooperationsprojekte im Kreis darstellt. Veranstalter sind: Jugendhaus Oppenheim, Evangelisch-Kommunales Jugendbüro Stadecken-Elsheim, Jugenheim, Partenheim, Kreisjugendpflege Mainz-Bingen, Jugendzentrum Trafohaus, Jugendpflege Budenheim, Jugendpflege Nieder-Olm, Katholische Jugendzentrale Bingen, Gemeinschaftshaus I-Punkt, Jugendpflege Nierstein, Ev. Dekanatsjugendbüro Ingelheim und Ev. Dekanatsjugendbüro Oppenheim. Teilnehmen können alle Jugendgruppen und Schulklassen, die direkt oder indirekt an der Planung und Durchführung beteiligt sind. Mit Hilfe einer "Ropes Course-Anlage" wird in einem Waldgebiet ein Parcours aufgebaut, der von den beteiligten Gruppen durchlaufen werden muss. Bei jeder Station müssen Aufgaben gelöst werden, bei denen Geschick, Teamarbeit, Kreativität, Vertrauen und Zusammenhalt gefragt sind. Im Rahmen der Veranstaltung wird auch ein Fairnesspokal verliehen. Somit werden auf spielerische Art Lebenskompetenzen im Sinne der Suchtprävention gefördert.
Die "Ropes Course-Anlage" wurde vom Kreisjugendring Mainz-Bingen angeschafft und steht allen Jugendorganisationen zur Verfügung. Im Vorfeld des Rhoihesse Adventures werden für Lehrer und Sozialpädagogen Schnupperkurse für die Arbeit mit der "Ropes Course-Anlage" durchgeführt.

In Anlehnung an das Rhoihesse Adventure wurde im September 2005 erstmals für 250 Konfirmanden das "Konfi-Adventure" mit großem Erfolg veranstaltet.

Einen ähnlichen pädagogischen Ansatz wie das Rhoihesse Adventure verfolgt das "easi Projekt". "easi" steht für Erlebnis, Aktion, Spaß und Information und ist ein Projekt des Landeskriminalamtes, das sich an Kinder aller 6. Klassen richtet. Das Projekt wurde 2004 und 2005 in Bingen in enger Zusammenarbeit mit dem Regionalen Arbeitskreis Suchtprävention, den örtlichen Sportvereinen und den Binger Schulen durchgeführt. Es beteiligten sich 500 Schüler und 18 Sportvereine und soziale Einrichtungen.

Die Erlebnispädagogik hat einen festen Platz in den Schulen und Freizeiteinrichtungen im Landkreis. Zahlreiche Aktivitäten im Bereich Klettern, Kanufahren, Hochseilgärten, Ropes-Course und Abenteuerspiele werden mit Schulklassen und Jugendgruppen durchgeführt und auch von den kommunalen Jugendpflegern angeboten. Zahlreiche Schulen im Landkreis haben die Erlebnispädagogik als Konzept der Sucht- und Alkoholprävention aufgegriffen und im Schulalltag implantiert. Als Auslöser dieses Präventionskonzeptes der Schulen und Jugendverbände gelten die erlebnispädagogischen Schnupperkurse für Multiplikatoren, die in den letzten Jahren regelmäßig durch verschiedene Partner des Netzwerkes Suchtprävention Mainz-Bingen angeboten wurden.

Betriebliche Suchtprävention

Alkoholprobleme am Arbeitsplatz sind immer noch ein Tabuthema, obwohl bekannt ist, dass jede sechste Kündigung alkoholbedingt ausgesprochen wird. Betriebliche Suchtprävention verfolgt das Ziel, in Zusammenarbeit mit Betriebsräten, Geschäftsleitung und Vorgesetzten gemeinsam Hilfsangebote für Betroffene zu entwickeln.

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Guntersblum/Oppenheim betreibt seit mehreren Jahren mit dem sogenannten "Markthaus" in Oppenheim ein Beschäftigungsprojekt für 60 Empfänger des Arbeitslosengeldes II. Für die dort beschäftigten Personen und deren Fachbetreuer veranstaltet die Oppenheimer Suchtberatungsstelle mindestens einmal jährlich eine Informationsveranstaltung in der Suchtberatungsstelle. Die Teilnehmer werden dabei mit allen Angeboten des Suchtkrankenhilfesystems und der Arbeit der Beratungsstelle vertraut gemacht.

Zu einem Fachforum "Betriebliche Gesundheitsförderung und Suchtprävention" am 23. Februar 2005 wurden Betriebe aus der Binger Region geladen. Die vom Kriminalpräventiven Rat der Stadt Bingen in Kooperation mit der Binger Suchtberatungsstelle veranstaltete Tagung stieß auf großes Interesse, so dass am 9. Nov. 05 zu einer zweiten Fachtagung eingeladen wurde. Im Mittelpunkt dieser Tagung stand das Thema "Erkennen von Auffälligkeiten bei Suchtgefährdeten und Suchtkranken".
Der Caritasverband Bingen hat für ca. 95 ALG II – Empfänger das Bap-Servicecenter eingerichtet. Diese Einrichtung betreibt eine Schreinerei, einen Hauswirtschaftsbetrieb und
leistet Unterstützung in sozialen Einrichtungen. In einem mehrere Monate umfassenden Prozess hat die Binger Suchtberatungsstelle mit den zehn Fachanleitern, Pädagogen und Verwaltungskräften dieser Einrichtung für den Träger und dessen Mitarbeiter/innen eine Betriebsregelung zum Umgang bei Alkoholkonsum am Arbeitsplatz erarbeitet. Diese Betriebsregelung wird inzwischen angewandt und hat sich sehr bewährt.

Projekt zur Primärprävention

"Tu das, was Dir gut tut" heißt das Projekt, das vom Kreisjugendring Mainz-Bingen im Rahmen der Primärprävention entwickelt wurde. Zielgruppe des Projektes sind Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern und Multiplikatoren innerhalb der Jugendarbeit. Das Projektangebot wendet sich aber auch an Kindergärten und Grundschulen. Zwar konsumieren Kinder noch keine Suchtmittel, jedoch hat die Suchtforschung ergeben, dass süchtiges Verhalten oft schon im Kindesalter entsteht. Auf diesem Hintergrund wurde dieses Projekt konzipiert. Durch dieses pädagogische Angebot soll den Kindern positive Erfahrungen mit den eigenen körperlichen und geistigen Ressourcen vermittelt werden. Unter anderem geht es um die Förderung von Wahrnehmungs- Genuss- und Erlebnisfähigkeit sowie Stressbewältigungsstrategien. Das Projekt ist auf Langfristigkeit ausgerichtet und findet im gesamten Kreisgebiet statt. Die Projektkosten in Höhe von ca.15.000,- € konnten durch eine großzügige Spende der Stiftung Jugend der Sparkasse Rhein-Nahe und durch Zuschüsse finanziert werden. Mit dem "Oasentag" für Konfirmanden fand ein Projektprobelauf im April 2005 statt. Offiziell wird das Projekt im März 2006 mit einer Auftaktveranstaltung für Multiplikatoren gestartet. Eine Projektkonzeption ist der Bewerbung beigefügt.

Informations- und Öffentlichkeitsarbeit

Eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit ist für eine erfolgreiche Alkoholprävention unentbehrlich, da über die verschiedenen Medien die Zielgruppen und Multiplikatoren erreicht werden können. Über das Medium "Presse" wurde im Kreisgebiet häufig über die Problematik Alcopops informiert. In diesem Zusammenhang wurden auch Informationsschriften, Flyer und Aufkleber eingesetzt.

Mit dem Projekt "Behüterli", das seit zwei Jahren bei öffentlichen Veranstaltungen in den Regionen Bingen und Ingelheim durchgeführt wird, wurde eine außergewöhnliche Aktionsform gewählt, die sich vor allem an Erwachsene und Autofahrer wendet. Bei dem Behüterli handelt es sich um ein Röhrchen aus Weichplastik, das von den Nutzern unmittelbar nach Verlassen und Abschließen des KFZ einfach über den Autoschlüsselbart geschoben wird. Die Nutzer treffen in diesem Augenblick eine bewusste Entscheidung, sich nach späterem eventuellen Alkoholkonsum vor einer leichtsinnigen und möglicherweise folgenschweren Fahrt unter Alkoholeinfluss selbstverantwortlich zu schützen. Das Verteilen der Behüterli wird in der Regel positiv aufgenommen und es kommt erfahrungsgemäß oftmals zu konstruktiven Gesprächen.
Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit hat der überregionale AK Suchtprävention eine Plakatausstellung mit ca. 30 Exponaten zum Thema Sucht und Prävention zusammengestellt. Diese wird bei geeigneten Anlässen eingesetzt.

Jährlich werden 4000 Schulferienkalender im Taschenformat an Schüler der 7. Klasse verteilt. Auf der Rückseite dieses Kalenders befindet sich eine Jugendschutztabelle.
Die Kampagne "Jugendschutz: Wir halten uns daran" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wurde im Landkreis intensiv durch die Ordnungsämter und das Jugendamt unterstützt.

Informationsmaterialen der BZgA, der LZG Rhld.-Pfalz, des 3-W-Verlages, der Aktion Jugendschutz und der Krankenkassen werden regelmäßig eingesetzt.

Schlussbemerkungen

Alkoholprävention besteht aus vielen Bausteinen. Bei den dargestellten Projekten handelt es sich überwiegend um Maßnahmen, die sich von der alltäglichen Präventionsarbeit abheben und als Sonderveranstaltungen bezeichnet werden können. Dies bedeutet aber nicht, dass sie in ihrer Wirksamkeit höher zu bewerten sind als die oftmals auch unspektakulären pädagogischen Maßnahmen zur Persönlichkeitsstärkung und Lebenskompetenzförderung. Nach unserer Konzeption bilden diese Angebote die Grundlage für eine erfolgreiche Präventionsarbeit, sofern sie auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind Die Nachhaltigkeit hat deshalb einen besonders hohen Stellenwert in der Präventionsarbeit im Landkreis Mainz-Bingen. Sonderveranstaltungen verstehen sich daher vor allem als Ergänzung und Bereicherung der Basisarbeit und sind im Gesamtkontext unverzichtbare Bausteine der Suchtprävention.

Fragen zum Wettbewerbsbeitrag

In welchen Bereichen der Suchtprävention ist die Kommune tätig?: 
Stoffunspezifische Prävention
Stoffspezifische Prävention
Alkohol
Tabak
Illegale Drogen
Medikamente
Weitere? (bitte benennen): 

Essstörungen

Gibt es zu den Präventionsaktivitäten in Ihrer Kommune eine Gesamtkonzeption?: 
ja
nein
Ist die Konzeption schriftlich festgelegt worden?: 
ja
nein
Aus welchem Jahr stammt die Konzeption?: 
vor 2000
2000 bis unter 2002
nach 2002
Gibt es in Ihrer Kommune eine eigene Konzeption zum Bereich Alkohol?: 
ja
Teil der Gesamtkonzeption
nein
Ist die Konzeption schriftlich festgelegt worden?: 
ja
nein
Von wem wurde die Konzeption beschlossen?: 

Es handelt sich um eine amtsinterne Konzeption, die sich auf die Konzepte der Suchtberatungsstellen im Landkreis Mainz-Bingen stützt und ergänzende Elemente enthält.

Aus welchem Jahr stammt die Konzeption?: 
vor 2000
2000 bis unter 2002
nach 2002
Welche Strategie der Alkoholprävention wird in Ihrer Kommune verfolgt?: 
Überwiegend Verhaltensprävention
Überwiegend Verhältnisprävention
Verhaltens- und Verhältnisprävention
An welche Altersgruppe richtet sich die Prävention vor allem?: 
Kinder
Jugendliche
Erwachsene
Welche Maßnahmen werden im Bereich der Verhältnisprävention eingesetzt?: 
Kontrolle der Abgabebeschränkungen nach dem Jugendschutzgesetz
Kontrolle von Heranwachsenden bei Großveranstaltungen
Alkoholkontrollen im Straßenverkehr
Kontrolle der Einhaltung des "Apfelsaftgesetzes"
Kontrolle der Einhaltung der Verhaltensregeln des Deutschen Werberates
Keine Alkoholwerbung auf kommunalen Werbeflächen
Abgabebeschränkungen bei Sportveranstaltungen
Regelungen in Sportvereinen
Betriebsvereinbarungen in Kommunalverwaltungen und kommunalen Unternehmen
Betriebsvereinbarungen in privaten Unternehmen
Regelungen in (kommunalen) Jugendeinrichtungen
Werden alkoholfreie Jugendevents organisiert?
Welche weiteren Maßnahmen der Verhältnisprävention werden eingesetzt? (bitte benennen): 

Runder Tisch vor Abi-Parties

Welche Maßnahmen aus der Verhaltensprävention werden eingesetzt?: 
Gruppendiskussionen für Eltern, Kinder und Jugendliche
Unterricht/Schulung
Einzelberatung, motivierende Kurzberatung
Peer-Education
Multiplikatoren-Fortbildung
Arbeithilfen, Leitfäden
Bereitstellung von Info-Material
Kulturpädagogische Angebote
Weitere Maßnahmen? (Bitte benennen): 

Erlebnispädagogische Maßnahmen und alkoholfreie Sportevents

Welche Ziele gelten für die Zielgruppe Erwachsene?: 
Alkohol wird risikoarm und verantwortungsvoll konsumiert
Punktnüchernheit (z.B. Verkehr, Schwangerschaft, Arbeit)
Positives Vorbildverhalten gegenüber Kindern und Jugendlichen
Konsequentes erzieherisches Verhalten gegenüber dem Alkoholkonsum von Kindern und Jugendlichen
Bei Alkoholproblemen finden Früherkennung und Frühintervention statt
Welche Ziele gelten für die Zielgruppe Kinder und Jugendliche?: 
Probierkonsum wird zeitlich hinausgezögert bzw. Erhöhung des Einstiegsalters
Handlungsrelevantes Wissen zum Thema Alkohol ist vorhanden
Altersgrenzen des Jugendschutzgesetzes werden von Kindern und Jugendlichen akzeptiert
Kritisches Reflektieren der eigenen Konsummuster
Abnahme des Rauschtrinkens
Gibt es niedrigschwellige Beratungsangebote für Menschen mit Alkoholproblemen und deren Angehörige?: 
ja
nein
Welche Akteure aus der Kommunalverwaltung beteiligen sich wesentlich an der Alkoholprävention?: 
Politische Vertretungskörperschaft
Gesundheitsamt
Jugendamt
Personalamt
Suchtpräventionsstelle
Schulverwaltungsamt
Sportamt
Personalrat
Ordnungsamt
Präventionsbeauftragte(r)
Kommunale Betriebe
Sozialamt
Gibt es ein federführendes Amt?: 
ja
nein
Hat sich Ihr (Ober-) Bürgermeister bzw. Landrat öffentlich für Ihre Arbeit an der Alkoholprävention eingesetzt?: 
ja
nein
Gibt es ein Konzept für die Alkoholprävention bei Verwaltungsmitarbeitern?: 
ja
nein
Welches sind bei Ihnen wichtige örtliche Akteure der Alkoholprävention außerhalb der Kommunalverwaltung?: 
niedergelassene Ärzte
Suchtberatungsstellen
Krankenkassen
Apotheken
Schulen
Kirchen
Einzelhandel
Gaststätten
Krankenhäuser
Sportvereine
Fachstellen für Suchtprävention
Einrichtungen der offenen Jugendarbeit
Erziehungs-, Ehe- und Familienberatung
Polizei
Überbetriebliche Ausbildungsstätten
Gewerbeaufsicht
Selbsthilfeeinrichtungen
Lokale Medien
Fahrschulen
Gibt es eine Einrichtung zur Vernetzung der Akteure?: 

Jugendschutzbeauftragter und Überregionaler AK Suchtprävention

Arbeitet die Einrichtung regelmäßig?: 
ja
nein
Hat die Einrichtung eine eigene Geschäftsstelle?: 
ja
nein
Hat die Geschäftsstelle ein eigenes Budget?: 
ja
nein
Mit welchen überörtlichen Einrichtungen der Alkoholprävention wird kooperiert?: 

Landeszentrale für Gesundheitsförderung Rheinland-Pfalz

Gibt es geschlechtsspezifische Akzente bei der Alkoholprävention?: 
ja
nein
Welche Maßnahmen (Projekte, Produkte, Aktionen) der Alkoholprävention gibt es bei Ihnen?: 

1. Eine Mitarbeiterin des sozialpsychiatrischen Dienstes bietet wöchentlich zweimal für Mitarbeiter der Kreisverwaltung Sprechstunden für Probleme aus dem psychosozialen Bereich an. Im Bedarfsfall wird auch Suchtberatung angeboten.

Wird für sozial benachteiligte Zielgruppen gearbeitet?: 
ja
nein
Gibt es eigene Projekte der Alkoholprävention für Arbeitslose?: 
ja
nein
Gibt es Angebote für Kinder und Jugendliche aus alkoholbelasteten Familien?: 
ja
nein

Anlagen