Winterbach

Typ: 
kreisangehörige Stadt/Gemeinde
Name des Ansprechpartners: 
Herr Ulrich
Funktion des Ansprechpartners: 
Bürgermeister
Straße/Postfach: 
Gemeinde Winterbach, Marktplatz 2, 73650 Winterbach
Postleitzahl: 
73650
Bundesland: 
Baden-Württemberg
Telefon des Ansprechpartners: 
07181700617
Telefax des Ansprechpartners: 
07181700635
E-Mail des Ansprechpartners: 
gemeinde@winterbach.de
E-Mail der Kommune: 
Internetadresse der Kommune: 
http://www.winterbach.de

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Titel des Wettbewerbsbeitrags

Zukunftswerkstatt Bauernhof

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Projektschwerpunkt:

In diesem Projekt werden die Schüler der Unterstufe, aber nach Bedarf auch Schüler der Mittelstufe, verschiedene Tätigkeiten auf dem landwirtschaftlichen Betrieb verrichten. Die jeweilige Dauer einer Epoche für eine Klasse beträgt 6 Wochen, von morgens 8.00 bis 9.00 Uhr.

Die Klasse ist in 6 Gruppen mit 6 Kindern eingeteilt. Dazu gesellt sich jeweils ein Erwachsener, wobei neben der Gruppenbetreuung durch den Klassenlehrer und des Arbeitspädagogen ehrenamtlich 4 Eltern hinzukommen. Diese werden vorher durch den Arbeitspädagogen in die Tätigkeiten eingewiesen und während des Projektes bei Bedarf unterstützt. Es findet ein wöchentlicher Wechsel der Arbeitsgruppen statt, so dass die Schüler nach 6 Wochen alle Tätigkeitsbereiche innerhalb ihrer Gruppe durchlaufen haben. Die von den Schülern zu verrichtenden Tätigkeiten entsprechen der jeweiligen Altersstufe, bzw. den individuellen pädagogischen Bedürfnissen der Klasse z.B.: 2. Klasse Schwerpunkt Sinnespflege durch Tätigkeiten in der Tierpflege

Ab 9.00 Uhr verlassen die Schüler den Hof und rühren in der Schule den Hauptunterricht bis 9.45 Uhr weiter. Dabei wird - wenn möglich - der Unterrichtsstoff an das zuvor Erlebte angeknüpft.

Ziel und pädagogische Hintergründe

Ziel

Nach den bisher gemachten Erfahrungen ist das Projekt sehr geeignet, folgende Eigenschaften bei den Schülern zu entwickeln, bzw. zu fördern :
Sie werden durch diese Arbeit selbstbewusster, mutiger, sinnesgeschulter, motivierter, sozialfähiger, lebensnäher, kreativer, problemlösungsfähiger und selbstständiger.

Ihre gesamte Persönlichkeit soll eine Stärkung erfahren.

Pädagogische Hintergründe

Durch die heutige Zunahme der verschiedensten Medien haben die Kinder wenig Möglichkeit, das "wahre" Leben kennen zu lernen, Zusammenhänge zu verstehen(wie viele Kinder wissen, dass Wurst vom Tier stammt?!), sich mit den Dingen zu verbinden. Die Kinder wachsen , wenn sie z.B. viel fernsehen, in einer Scheinwelt auf, zu der sie keinen inneren Bezug mehr haben können. Sie werden weltfremd und können im Extremfall ihre Welt der Illusionen nicht mit der Welt, der sie begegnen, in Übereinstimmung bringen. Hinzu kommt der ständige Mangel an kindgerechter Bewegung (z.B. das viele Autofahren). Die Kinder wissen ihre Kräfte nicht sinnvoll zu gebrauchen, werden vielfach durch Unausgeglichenheit aggressiv und enden oftmals dann als sogenannte "verhaltensauffällige Kinder" in kostspieligen, ihnen meist nicht angemessenen Therapien. Wann erleben Kinder heute noch sinnvoll (im Sinne von lebensnah) arbeitende Menschen? Viele Erwachsene bedienen nur noch Tastaturen, die Spülmaschine nimmt die Arbeit ab, "gekocht" wird in der Mikrowelle, Mutter und Vater gehen arbeiten, sprich, sie sind nicht erlebbar.

Dass solche Heranwachsenden leicht Situationen falsch einschätzen und diese nicht überschauen können, da sie es nie gelernt haben (lernen mussten), liegt auf der Hand. Wie schnell schlagen sie um sich, werden in ihrem "Schrei" nach "dem Leben" nicht gehört und verstanden, bekommen den "Stempel" des "verhaltensgestörten, auffälligen Kindes", greifen aus Hilflosigkeit und Sinnsuche zur Droge, zum Rechtsextremismus oder werden selber Opfer von Gewalt. Dinge wie eigene Kreativität, Flexibilität, Einfühlungsvermögen, selbstständiges Handeln und das Erkennen eigener Stärken und Fähigkeiten bleiben auf der Strecke.

Da meiner Meinung nach eine Persönlichkeitsstärkung der Kinder so bald als möglich erfolgen kann und soll (wobei die Art und Weise natürlich immer in Abstimmung mit dem entsprechenden Alter der Kinder stehen muss), werden solche Tätigkeiten schon ab der zweiten Klasse durchgeführt.

Detaillierte Beschreibung des Projektes am Beispiel einer 2. Klasse

Die Klasse von 36 Schülern wird in 6 Gruppen eingeteilt, wobei darauf geachtet wird, dass die Gruppe in sich "homogen" ist, sprich, das Verhältnis Jungen zu Mädchen sollte gleich sein, es sollten die sogenannten "schwierigen" Kinder auf alle Gruppen verteilt sein, ebenso die motivierten und die, die gerne einmal etwas fauler sind.
Jede Gruppe arbeitet eine ganze Woche in demselben Tätigkeitsbereich, dann wird gewechselt. Da jedes Kind jede Arbeit getan haben soll, ergibt sich daraus eine Projektlänge von 6 Wochen.
Diese hat sich bewährt, da die Kinder nach 3-4 Wochen richtig in die Tätigkeiten hereinfinden und dann die Arbeit "wie von selber" läuft (ein erhebendes Gefühl für Kinder, wenn sie "Profis" geworden sind).

Jeder Gruppe schließt sich ein Erwachsener an, der für die Betreuung zuständig ist.

Die Gruppen im Detail:

1. Hasengruppe

Die Kinder versorgen die Hasen, legen sich in das Stroh des Auslaufes und lassen die Hasen über sich hoppeln, misten den Stall...

2. Heugruppe

Das lose Heu wird von Hand vom Heustock zu den Kühen heruntergeworfen und gefüttert.

3. Wettergruppe

Steine, Hölzer, die Wiese etc werden täglich befühlt, Beobachtung der Wolken , des Himmels.
Danach sortieren die Kinder die restliche Zeit Unkrautsamen aus Hafer.

4. Striegel- Mistplattengruppe

Drei Kinder säubern die Mistplatte, die anderen striegeln die Kühe.

5. Hühnergruppe

Die Hühner werden versorgt und gestreichelt, die Eier gesammelt und gezählt.

6. Schweine- und Kälbergruppe

Schweine und Kälber werden gefüttert, der Stall gereinigt und eingestreut.

Dabei ist die Zeit sehr großzügig bemessen, damit viel Raum zum Streicheln, Anschauen, Kuscheln, Hände ablutschen lassen, etc. verbleibt (sehr wichtig in einer 2. Klasse!).

Die Kinder treffen sich morgens um 8.00 Uhr kurz in der Klasse und kommen dann gemeinsam mit ihrem Klassenlehrer auf den Hof (Fußweg etwas 7 Minuten). Die Erwachsenen, die bei der Betreuung helfen, treffen sich kurz vor 8.00 Uhr auf dem Hof. Dort wird mit dem Arbeitspädagogen die Betreuereinteilung vorgenommen. Dadurch, dass dieser kontinuierlich vor Ort ist und mit den Eltern Rücksprache hält, weiß er um eventuelle Schwierigkeiten bei der "Personalbesetzung" und kann dieses morgens berücksichtigen. Nach der gemeinsamen Begrüßung geht jeder in seine Gruppe.
Gegen 9.00 Uhr treffen sich alle nach getaner Arbeit wieder auf dem Hof. Die Kinder haben sich dann etwa 40 Minuten den Tätigkeiten widmen können. Sind sie eher fertig, können sie andere Gruppen besuchen, sich vom Kälbchen die Hände schlecken lassen, noch mit striegeln. Nach der Verabschiedung gehen die Kinder mit ihrem Lehrer in die Schule zurück, um dort den Unterricht fortzurühren, die Erwachsenen treffen sich noch zur Nachbesprechung.
In der Klasse kann dann eine themenbezogene Epoche z.B. über die Stallarbeit stattfinden.

Die Betreuung der Gruppen erfolgt ehrenamtlich durch 4 Eltern, den Klassenlehrer und den Arbeitspädagogen, der sowohl Landwirt als auch Pädagoge ist.

Die Eltern sind durch den Arbeitspädagogen vor dem Stallprojekt in die Arbeitsabläufe eingewiesen worden. Zudem hängen an jeder Station von ihm ausgearbeitete Tafeln mit einer Kurzbeschreibung der zu verrichtenden Tätigkeiten und es gibt Informationszettel, die, wenn sich jemand unsicher fühlt, gelesen werden können, bevor die Kinder kommen. Zudem steht hier der Arbeitspädagoge, der den Hof gut kennt, als Ansprechpartner zur Verfügung.
Wenn die Kinder den Hof mit dem Lehrer verlassen haben, treffen sich die Erwachsen zur Nachbesprechung der Arbeit:

Gab es Schwierigkeiten mit einzelnen Kindern, wie wurde gearbeitet, gab es Auffälligkeiten, was war gut etc.?

Der Arbeitspädagoge notiert dieses und kann dann an demselben Tag noch direkt entweder mit dem Landwirt und/oder mit dem Lehrer Rücksprache halten. So entsteht ein dichtes Netz an Austausch und eine bestmögliche pädagogische Situation für die Kinder

ERFAHRUNGSBERICHT MIT EINER 2. KLASSE

Eine Auswertung von Rückmeldungen der Eltern ergibt folgendes Bild:

  1. An einer gemeinsamen und sinnvollen Aufgabe konnte sich Einfühlungsvermögen, Verantwortungsgefühl und Flexibilität gegenüber Tier und Mensch entwickeln.
  2. Soziales Miteinander innerhalb der Gruppe war nötig (der Tiere wegen, die am Ende gut versorgt sein sollten); d.h., man musste sich aushelfen und gegenseitig absprechen. Die Kinder erlebten sich in der Arbeit (was kann ich am Besten, welches ist mein Lieblingstier, wie machen es die Anderen ? ).
    Dazu gehörte Selbstständigkeit und Verantwortungsgefühl, gekoppelt mit Überwindung von Ängsten (wer traut sich das ausgerissene Huhn zu schnappen, wenn es wild mit den Flügeln schlägt?).
  3. ausgeglichenere und zufriedene Kinder
  4. weniger Aggressionen
  5. liebevollerer Umgang mit den Geschwistern
  6. mehr Phantasie zur Problemlösung im Streit mit den Geschwistern
  7. ein Stotterkind wurde angstfrei, mutiger und stotterte deutlich weniger
  8. scheue Kinder wurden offener
  9. Tatendrang gestiegen
  10. Kinder begannen, sich über den Hof und dessen Zusammenhänge Gedanken zu machen
  11. "Max", der Ochse, wurde in der Zeit zum Schlachter gefahren: natürlicher Zusammenhang zwischen Essen und dessen Herkunft (das Erlebnis war natürlich für die Kinder auch mit Trauer und Nachdenken verbunden).
  12. Die eigenen Haustiere rückten plötzlich viel deutlicher ins Bewusstsein der Kinder. Sie wurden vermehrt gestreichelt mit den Worten (Collin):"Ich streichle sie jetzt, damit sie wissen, dass ich sie lieb habe!".
  13. Viele Kinder sind deutlich mutiger geworden, sowohl im Umgang mit Tieren als auch im Allgemeinen.
    Beispiele: Bei einem Besuch bei Pferden gingen die Kinder (Zwillinge aus der Klasse) ohne Scheu auf Pferde zu, streichelten sie und kratzten ihnen sogar die Hufe aus. Die Mutter dachte, sie sehe nicht recht, denn das hätten sie sich vor der Stallepoche nie getraut.
    Ein Mädchen von den Zwillingen hatte vorher große Hemmungen alleine einkaufen zu gehen (in einem Laden direkt um die Ecke). Jetzt fragt sie mehrmals am Tag, ob sie nicht noch irgend etwas einkaufen gehen könnte. Wenn es etwas gibt, geht sie alleine mit einer großen Selbstverständlichkeit los.
  14. Viele Kinder standen morgens freudig auf und waren die Ersten am Frühstückstisch. Bei einigen stieg der Appetit.
  15. Die Kinder waren zu Hause die "Kenner und Spezialisten". Sie konnten vor den Eltern und Geschwistern mit gutem Wissen "glänzen" und Lob, Selbstbewusstsein erleben. Die Anerkennung der Familie, als sie hörten, dass die Kinder sich zwischen die großen Kühe getraut haben, stärkten die Kinder. Eine Mutter schrieb, dass ihre Tochter im Ganzen selbstbewusster wurde und nun fester im Leben steht.
  16. Die fürsorgliche Seite der Kinder konnte sich ausleben.
  17. Die Arbeit hatte "ordnende Wirkung".
  18. Die Laune stieg.
  19. Hausaufgaben wurden freudiger, inniger und selbstverständlicher gemacht. Zu Hause wurde freudig von der Arbeit berichtet.
  20. Es wurde ein großes Interesse für Nahrungsmittel geweckt (Fleisch, Brot, wo kommt es her...).
  21. Krank-Sein empfanden die Kinder als Strafe.
  22. Die ausgelesenen Unkrautsamen waren ein "Schatz", der zu Hause in einer kleinen Schachtel aufbewahrt wurde (inniger Bezug zum Getanen).
  23. Kinder bemerkten begeistert Unterschiede zwischen dem gestriegelten und dem ungestriegelten Fell der Kuh. Ohrenwärmen an der Kuh war "am besten".
  24. Kinder waren beeindruckt von der Kraft, mit der die Kälber saugen können.
  25. Kälte wurde anfangs beklagt, war dann aber ab der 2. Woche kein Thema mehr (sonst war es immer ein Problem für ein Mädchen, wenn etwas nicht 100%ig in ihrem Sinne war).
  26. Arbeit, die die Kinder anfangs nicht so gerne verrichteten, wurde dann mit Gelassenheit ausgeführt. Das Durchhaltevermögen stieg
  27. Dass sich ein Mädchen die Hände von den Kälbern abschlecken ließ, erstaunte eine Mutter, da das Kind sich sonst vor allem Schlabbrigen und Schleimigen geekelt hatte.
  28. Obwohl ein Mädchen Bauchweh hatte, bestand sie darauf, am Morgen in die Schule zu gehen, da sie sich schon die ganze Zeit darauf gefreut hatte die Hasenställe zu misten und das wäre an dem Morgen 'dran gewesen.
  29. Ein Kind brachte Hafer mit nach Hause und die Mutter griff diese Gelegenheit auf um mit dem Mädchen Haferflocken selber zu quetschen (es wurde ein Prozess erlebbar, der unmittelbar mit dem alltäglichen Leben in Zusammenhang steht).
  30. Zwei Kinder waren vorher "Feinde", wie sie es selber sagten und jetzt verabreden sie sich nachmittags.
  31. Kinder sagen zu Hause, dass die Klasse größer geworden sei. Nach mehrmaligem Nachzählen auf der Klassenliste bestätigte sich dieses nicht. Die Kinder haben auf ein Mal eine veränderte (geschärfte) Wahrnehmung für ihre Klassenkameraden, für ihre Umgebung.
  32. Ein Mädchen sagte zu Hause, dass sie jetzt zum l. Mal eine Kuh und ein Schwein gesehen hätte. Auf die Bemerkung der Mutter, dass sie doch schon viele Kühe und Schweine gesehen hätten, wiederholte sie mit Nachdruck :"Nein, ich habe zum l. Mal eine Kuh und ein Schwein gesehen".

Was bedeutet es für Kinder "zu sehen"?!
Und was verstehen die Erwachsenen unter "Sehen"?!

Beobachtungen von der Klassenlehrerin Frau Betti

  1. Die Klassengemeinschaft ist durch die Arbeit und die gemeinsamen Hin- und Rückwege enorm zusammengewachsen (eine gute Gemeinschaft gibt Halt und Sicherheit!).
  2. Durch eine besondere Konstellation innerhalb der Klasse mit einigen "schwierigen" Kindern, die oftmals sehr aggressiv anderen Kindern gegenüber auftraten, war ein lockerer Umgang mit der Klasse kaum möglich. Durch die gemeinsame Arbeit sind handgreifliche Auseinandersetzungen bedeutend weniger geworden und der Umgang, wenn Streitereien dann doch auftraten, ist ein ganz anderer geworden.
    Dadurch, dass die Kinder auf dem Hof wirklich Kinder ohne irgendwelche persönlichen Alltagsproblematiken sein konnten (der Hof bietet ein sehr hohes Maß an "Natürlichkeit"), und zudem eine gemeinsame Aufgabe, die der Pflege der Tiere, innehatten, konnten sich die Schüler, besonders eben auch die sonst "auffälligen" Kinder, auf ganz neuem Wege begegnen. Dieses Mal auf dem "natürlichen" Weg ohne persönliche Belastungen.
    Somit wurde auch die Stimmung in der Klasse lockerer und humorvoll.
  3. Die Kinder haben das Schreiben "wie von selbst" gelernt.
  4. Kinder, die durch unlesbare Schrift, chaotische Heftrührung etc. aufgefallen waren, wandelten sich um 180 Grad.
  5. Viele Gespräche wurden in der Klasse zum Thema "Hasensprache" geführt, da die Kinder nicht den richtigen Umgang mit den Hasen hatten. So entstand eine Sicherheit im Umgang mit Lebewesen. Die Kinder konnten das Gehörte und Besprochene am nächsten Tag umsetzen und die direkten Erfolge erleben (indem sie z.B. nicht mehr gebissen wurden).
  6. Die Kinder bewältigten ein enormes Schulpensum. Die Hefte, die zum Thema "Bauernhof gestaltet wurden, spiegeln die Begeisterung der Kinder wider.
  7. Die Fachlehrer bemerkten eine Veränderung. Die Kinder waren ausgeglichen, arbeiteten ruhig. In Handarbeit häkelten sie mit 'zig verschiedenen Garnfarben, was normalerweise eine 2. Klasse in der Form selten meistert. Die Kinder wollten es so und es ging sehr gut.
  8. Die Förderlehrerin, die vor dem Projekt in die Klasse gebeten wurde, da 3-4 Kinder in ihre "Obhut" sollten, konnte erst nach dem Projekt zur Hospitation kommen. Nach 3 Tagen intensivem Forschen nach auffälligen Kindern hat sie kein einziges gefunden.

Die Erfahrungen von Frau Petermeyer (die Arbeitspädagogin), die die Striegelgruppe betreute:

  1. Bevor die Kinder striegelten, wurde gemeinsam besprochen, auf was man beim Striegeln der Kühe besonders Acht geben muss (wenn Kühe treten sollten, wie treten Kühe im Vergleich zu den Pferden aus, ,wennje einer Angst bekommen sollte, welcher Platz ist am sichersten, wie striegle ich mit welchem "Werkzeug", wie verhalte ich mich, wenn ich von hinten an das Tier herantrete.. .usw. ?).
    Nachdem all das geklärt war, fühlten sich die meisten Kinder schon recht sicher und trauten sich unter Frau Petermeyers Begleitung zwischen die Tiere. Zudem wussten die Kinder, dass Frau Petermeyer die Kühe mit ihren Eigenheiten kennt und bei "kitzeligeren Damen" mit ihrem Bein eventuelle Tritte abfangen würde.
    So fassten die Kinder schnell Vertrauen und fanden dieses in den nächsten Tagen nur bestätigt, so dass schnell ein unbefangener Umgang mit den Kühen zu beobachten war.
    Die Kinder setzten Anregungen wie "Lehnt euch an die Kuh, die hinter euch steht, sie wärmt euch den Rücken", "Legt 'mal euer Ohr an die linke Bauchseite der Kuh und hört einmal", "Streichelt das Fell vor und nach dem Striegeln" usw. ohne Furcht sofort um. Zwei Kinder hatten am ersten Tag richtig Angst zwischen die Kühe zu gehen.
    Am 2. Tag schaffte es der eine Junge mit Frau Petermeyers Hilfe dann und war von dem Tag an nicht mehr zwischen den Kühen hervorzulocken. Ununterbrochen redete er mit den Kühen (aber nicht aus Angst, sondern aus Freude). Er hat sich nur das eine Mal überwinden müssen, dann war "der Fall" für ihn erledigt. Ein anderes Mädchen hatte tieferliegende Ängste, so dass sie immer wieder verunsichert war, auch wenn sie den Tag zuvor den Mut gefunden hatte, zwischen die Tiere zu gehen. Aber auch sie fühlte sich zwischen den Kühen immer geborgen, sobald sie sich überwunden hatte (sie kuschelte sich an das Tier, liebkoste es und redete mit ihm).
    Einige Tage später flüsterte Frau Petermeyer ihr ins Ohr, dass sie immer dann, wenn sie Angst vor etwas hätte, an die Kühe denken solle, wie mutig sie dort zwischen sie getreten sei und wie sicher sie sich dann dort fühlte. Hoffentlich gelingt es ihr.
  2. Ein Junge sollte Stroh zum Einstreuen holen. Er kam wieder und bat um Hilfe. Er hatte erkannt, dass der Strohballenberg zu hoch und zu instabil zum Draufklettern war, er aber Strohballen von oben benötigte, da unten keine mehr lagen. Man könnte sich fragen, was denn an dieser Begebenheit so spektakulär sei. Aber genau dieser Junge ist sonst eher ein "ungestümer, unbedachter Draufgänger", der ohne nach rechts oder nach links zu schauen losstürzt. Jetzt hat er die Situation überblickt und angemessen auf sie reagiert, was für ihn eine wirkliche Leistung ist!
  3. Es gab weitere Sinnesschulungen vielerlei Art, die die Kinder ihren Körper besser wahrnehmen ließen, was eine unbewusste Stärkung des Selbstbewusstseins darstellt.
    Es seien einige genannt:
    - Gerüche verschiedenster Art (Mist, Stroh, Heu, Kälber, die anders als Kühe riechen...)
  4. - Unebenheiten beim Laufen über den Mist (Gleichgewicht), Arbeiten mit der Mistgabel erfordert Kraft und Geschick;
    - Tasterlebnisse verschiedenster Qualitäten (Fell, Stroh, Wärme der Kuh...)
  5. - Beobachtungen von Details, die sonst gerne übersehen werden (welche Kuh hat einen lockigen Schwanz, welche Kuh wird bald kalben (sichtbar am Euter).....)

So gäbe es sicherlich noch unendlich mehr zu schreiben, was die Kinder auf dem Hof im Umgang mit den Tieren erlebt haben, was sich einfach aber auch der Beobachtbarkeit der Erwachsenen verschließt.

Die Veränderungen, die an den Kindern erlebbar wurden, zeigen, dass die Kinder in den 6 Wochen an der Tätigkeit enorm "gewachsen" sind, sie sicherer und selbstbewusster in der Welt stehen, sie ihre Umwelt genauer und vielleicht auch neugieriger wahrnehmen und sie im Umgang mit dem Tier und in der Zusammenarbeit mit Anderen deutlich liebevoller wurden, da sie gelernt haben, "wie man es macht".

Und "Wissen", Kenntnis der Welt, schafft Sicherheit!

Fragen zum Wettbewerbsbeitrag

Welche Ziele werden mit dem Wettbewerbsbeitrag angestrebt?: 
  • den Einstieg in den Konsum von Suchtmitteln zu verhindern bzw. hinauszuzögern
  • einen suchtmittelfreien Lebensstil zu fördern
  • Förderung der positiven Persönlichkeitsentwicklung
Gibt es Minimalziele?: 

ja, nach einer Woche selbständiges Arbeiten in der entsprechenden Arbeitsgruppe, jeder sollte Kühe striegeln (Mutfrage)

Von wem ist die Initiative für Ihr Präventionsprojekt ausgegangen?: 
  • Eigeninitiative einer Lehrerin/Landwirtin
Wenn sich Ihr Wettbewerbsbeitrag an Kinder und Jugendliche richtet, wurden dieses Zielgruppen in die Entwicklung des Angebots ei: 

nein

Welche Gründe waren für die Auswahl der Zielgruppe ausschlaggebend?: 

-oft unzureichende Sinnesausbildung der Schulkinder -starker Zugang/Bezug zum Tier bei Kindern

Wie wird sichergestellt, dass die Zielgruppe sich beteiligt?: 

Lehrer/in und Eltern entscheiden sich gemeinsam für das Projekt mit der ganzen Klasse

An welchen Bedürfnissen der Zielgruppe wird angeknüpft?: 

-Bewegungsfreude -Schaffensdrang -Offenheit dem Tier gegenüber (oft kein eigenes Haustier) -Erleben von Natur und Natürlichem

Wenn der Wettbewerbsbeitrag sich an Multiplikatoren richtet, welche sind das?: 
  • Eltern (Mütter/Väter)
  • Fachöffentlichkeit
  • Gleichaltrige / Peers
  • Landwirte und Gärtner
  • Lehrer / Lehrerinnen (Schwerpunkt)
Zielt der Wettbewerbsbeitrag auf spezielle Substanzen? : 

nein

Auf welche Handlungsfelder der kommunalen Suchtprävention zielt der Wettbewerbsbeitrag?: 
  • Gesundheitsförderung
  • Schulen (Schwerpunkt)
Welche Ämter/Dienstellen der Stadtverwaltung kooperieren in Ihrem Wettbewerbsbeitrag?: 
  • Bürgermeisteramt (federführend)
Welche Institutionen/Akteure ausserhalb der Verwaltung sind darüber hinaus in die Organisationsstruktur Ihres Wettbewerbsbeitrag: 
  • Freie Träger
  • Schule
Welche überörtlichen Institutionen/Akteure sind in die Organisationsstruktur Ihres Wettbewerbsbeitrags eingebunden? : 
    Wie ist die Zusammenarbeit geregelt?: 
      In welchem Jahr wurde mit der Entwicklung Ihres Wettbewerbsbeitrags begonnen?: 

      1995

      Seit wann ist besteht sein Angebot in der Praxis?: 

      2001

      Die Finanzierung in den kommenden vier Jahren ist:: 

      wahrscheinlich gesichert

      Setzen Sie in Ihrem Beitrag Verfahren der Suchtprävention ein, die in Ihrer Kommune neu sind?: 

      ja, -da die Gemeinde bislang keine spezielle Suchtprävention durchführt, ist dieses Verfahren neu -Arbeit auf dem Bauernhof in den für Kinder überschaubaren Arbeitsbereichen; dadurch Förderung der Selbständigkeit

      Sprechen Sie mit Ihrem Beitrag in Ihrer Kommune neue Zielgruppen der Suchtprävention an?: 

      ja, junge Schulkinder

      Welche anderen Neuerungen der Suchtprävention in Ihrer Kommune enthält der Wettbewerbsbeitrag darüber hinaus? : 

      -Arbeit mit der ganzen Klasse während der eigentliche Unterrichtszeit -Stärkung aller Kinder der Klasse, nicht nur derjenigen, die eventuell gefährdet sind

      Gibt es eine schriftliche Konzeption der Suchtprävention in Ihrer Kommune?: 

      nein

      Sind eigene Bedarfserhebungen für die Bestimmung der Zielgruppe der Suchtpävention angefertigt worden?: 

      nein

      Welchem konzeptionellen Modell lässt sich der Wettbewerbsbeitrag nach seinem Schwerpunkt zuordnen?: 
      • Informationsvermittlung
      • Konzept der Gesundheitsförderung
      • Konzept der Lebenskompetenzförderung
      • Konzept des sozialen Lernens
      • Sinnesschulung
      Auf welche Ansatzpunkte beziehen sich die Präventionsmassnahmen?: 
      • Protektive Faktoren, -Konfliktfähigkeit, Erkennen eigener Fähigkeiten und Schwächen -innere Bezüge zur Welt schaffen -Selbstwertgefühl, Gemeinschaftsbildung
      Welche Fortbildungsangebote für die Multiplikatoren werden angeboten?: 

      -Einführung in die Stallarbeit -enger Kontakt zum Arbeitspädagogen

      Gibt es eine Zeitplanung für den Wettbewerbsbeitrag?: 

      nein