Wallerfangen

Typ: 
kreisangehörige Stadt/Gemeinde
Einreichende Dienststelle: 
Abteilung II, Kinder- und Jugendhilfe
Name des Ansprechpartners: 
Stefan Behr
Funktion des Ansprechpartners: 
Gemeindeangestellter
Straße/Postfach: 
Fabrikplatz; 66798 Wallerfangen
Postleitzahl: 
66798
Bundesland: 
Saarland
Telefon des Ansprechpartners: 
06831680911
Telefax des Ansprechpartners: 
0631 60769
E-Mail des Ansprechpartners: 
info@wallerfangen.de
E-Mail der Kommune: 
Internetadresse der Kommune: 
http://www.wallerfangen.de

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Titel des Wettbewerbsbeitrags

Miraculix

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Zu der Gemeinde Wallerfangen:

Die Gemeinde Wallerfangen ist eine Gemeinde im Landkreis Saarlouis, im Westen des Saarlandes an der Grenze zu Lothringen. Sie hat ca. 10.000 Einwohner in 12 unterschiedlich großen Ortsteilen. In Wallerfangen gibt es eine Erweiterte Realschule, drei Grundschulen, eine Schule für Erziehungshilfe, einen freien Träger der Jugendhilfe und drei Kindergärten.

Die Gemeinde Wallerfangen stellte zum 1. Februar 1994 eine Fachkraft im Sinne des § 72 SGB VIII für den Bereich der Prävention in der Kinder- und Jugendarbeit ein. Diese Fachkraft entwickelte im ständigen Dialog mit den Kindergärten, Schulen, Vereinen, Verbänden und einem Träger der freien Jugendhilfe, die Wallerfanger Strategie der Sucht- und Gewaltprävention. Sie beruht auf folgenden Überlegungen:

Die wesentlichen Risiken in der psychosozialen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen liegen bei der Bewältigung von Leistungsanforderungen, dem Prozeß der sozialen Eingliederung und der Verinnerlichung von sinngebenden Orientierungen. Also muß eine wirkungsvolle Strategie zur Sucht- und Gewaltprävention hier ansetzen und zum Ziel haben, diese Risiken dadurch zu minimieren, daß Kinder und Jugendliche die erforderlichen Kompetenzen lernen. Freiwillige Angebote für Kinder, Jugendliche oder Eltern werden nur von Wenigen in Anspruch genommen. Deshalb muß sich das Engagement auf die Einrichtungen konzentrieren, die sowieso schon mit den Kindern und Jugendlichen arbeiten, also die Kindergärten und Schulen. Denn in den Kindergärten werden fast alle Kinder erreicht, in den Grundschulen alle und in der Erweiterten Realschule der Löwenanteil derer, die am stärksten gefährdet sind. Wenn nun also in diesen Einrichtungen so gearbeitet wird, daß Erziehungs- und Sozialisationsdefizite ausgeglichen werden, ist die Strategie der Prävention erfolgreich.

Um dies zu erreichen müssen in diesen Einrichtungen Konzepte umgesetzt werden, die diesen Ansprüchen genügen. In der Literatur ist die Auswahl an Konzepten, die allgemeine soziale Kompetenzen vermitteln und damit unspezifisch präventiv wirken sollen, deren Wirkungen aber nicht evaluiert sind, unübersichtlich groß. Die Anzahl der Konzepte, die nachweislich gezielt sucht- oder gewaltpräventiv wirken ist äußerst begrenzt. In Wallerfangen wurde Lions Quest für die erweiterte Realschule und Klasse 2000 für die Grundschule ausgewählt, weil beides positiv evaluiert worden ist und so aufgebaut ist, daß die Lehrer mit einem geringen Aufwand an Fortbildung wirkungsvoll damit arbeiten können. Lions Quest hat nicht nur eine suchtpräventive Wirkung, sondern ebenfalls eine gewaltpräventive, so jedenfalls die Evaluationsstudien. Klasse 2000 wurde als Gesundheitsprävention mit dem Schwerpunkt der Suchtprävention entwickelt. Soziale Kompetenzen sind hier nicht im Vordergrund. Deshalb wurde Klasse 2000 ergänzt mit dem Programm "Faustlos", das mit dem Ziel der Gewaltprävention, Einfühlungsvermögen, Impulskontrolle und den Umgang mit aggressiven Gefühlen vermittelt, und so, die in Klasse 2000 im Hintergrund stehenden suchtpräventiven Verhaltens-Bausteine, ersetzen.

Zu Lions Quest (Erweiterte Realschule):

Seit dem Schuljahr 1999/2000 wird auf Initiative der Gemeinde Wallerfangen an der Erweiterten Realschule Wallerfangen mit Lions Quest gearbeitet. Zunächst hat unsere Fachkraft selbst in einer 7-er Klasse mit dem Programm begonnen, damit die Schule dieses kennenlernt. Im Jahr 2001 haben von der erweiterten Realschule 4 Lehrer an einem Lions-Quest Einführungsseminar teilgenommen. Seit dem arbeiten die Lehrer eigenständig mit Lions Quest. Ziel ist es, in Zukunft in jeder neuen 5-er Klasse mit Lions Quest zu arbeiten, sodaß jeder Schüler dieses Programm erlebt hat, bevor er die Schule verläßt.

Zu Klasse 2000 (Grundschulen):

Seit dem Schuljahr 1999/2000 wird an der Grundschule Kerlingen mit Klasse 2000 gearbeitet. Dies bedeutet, daß die Klasse, die als erste mit Klasse 2000 begonnen hat, nun in der 3. Jahrgangsstufe ist. Die nächste Klasse ist in der 2. Jahrgangsstufe und die 3. Stufe beginnt in diesem Jahr. Ziel ist es, dieses Programm langfristig immer weiterzuführen.

In diesem Jahr ist die Grundschule Gisingen die Verpflichtung eingegangen in Zukunft mit Klasse 2000 zu arbeiten.

Die Grundschule Wallerfangen hat ihre Bereitschaft für das kommende Schuljahr 2002/2003 in Aussicht gestellt. In diesem Schuljahr wäre sie überfordert gewesen, weil unsere Fachkraft schon in den beiden 1. Jahrgangsstufen mit dem Programm "Faustlos" arbeitet, womit die Klassen ausgelastet sind. Wenn die Grundschule Wallerfangen im kommenden Schuljahr ebenfalls ihre Verpflichtung eingehen wird, wird dieser Kreis geschlossen und in allen Wallerfanger Grundschulen wird dann in jeder Klasse in Zukunft mit Klasse 2000 gearbeitet werden.

Kindergärten:

Im Kindergartenbereich gibt es leider keine vergleichbaren Konzepte, die in Längsschnittstudien evaluiert worden sind. Hier gibt es leider nur eine Fülle von Modellprojekten, die sich mit dem Thema Suchtprävention beschäftigen. Deshalb ist es in diesem Bereich schwieriger ein standardisiertes Konzept zu etablieren. Auf der anderen Seite sind die Erzieherinnen aber auch wiederum von ihrer Ausbildung und ihrem Berufsalltag näher an dem Thema Erziehung, sodaß hier eigentlich keine großartigen konzeptionellen Verrenkungen oder Fortbildungsanstrengungen geleistet werden müssen. Hier wurde zunächst das vorhandene Modellprojekt-Material gesichtet. Die Konzepte "Mäxchen trau Dich" (Anlage 1) und "Die Flirpse" (Anlage 1) wurden intensiver bearbeitet und ausprobiert mit dem Ergebnis, daß sie teilweise für die Kindergartenpraxis geeignet sind. So wurde dann mit den Kindergärten verabredet, daß das Verwertbare Material aus diesen beiden Konzepten ergänzend in den Kindergartenalltag mit einfließt.

Aufgrund der Tatsache, daß das Handwerkszeug der ErzieherInnen eigentlich ausreicht, um suchtpräventiv zu arbeiten, erscheint es uns wichtiger dafür Sorge zu tragen, daß die Rahmenbedingungen in den Kindergärten so gestaltet werden, daß das Personal möglichst störungsfrei und ohne Behinderungen sich auf seine Arbeit konzentrieren kann. Das heißt, daß den gesellschaftlichen Entwicklungen, die sich auf die Rahmenbedingungen der Kindergärten negativ auswirken, Rechnung getragen werden muß. Die Anzahl der Kinder, die von ihren Eltern nicht oder nur unzulänglich erzogen werden, wächst kontinuierlich. Darauf müßte eigentlich mit der Verkleinerung der Gruppen reagiert werden, dies kann sich die Gemeinde Wallerfangen leider zur Zeit nicht leisten, weil sie ein großes, langfristiges, strukturelles Haushaltsdefizit hat. Was aber getan werden kann wird getan. Es werden regelmäßig Elternabende zu dem Thema "Erziehung" angeboten und dort, wo erhebliche Erziehungsdefizite sichtbar sind, wird der Kontakt zum Jugendamt hergestellt, um möglichst frühzeitig Hilfen zur Erziehung in Gang zu bringen.

Ebenso wachsen die Erwartungen der Eltern an das, was ein Kindergarten leisten soll. Diese Erwartungen sind insbesondere die Förderung der Zweisprachigkeit, Lesen, Schreiben, Rechnen, musische Förderung und sportliche Förderung. Diese Erwartungen sind alle prinzipiell berechtigt, dürfen jedoch die Erziehungsarbeit, die die Persönlichkeitsentwicklung fördern muß, auf keinen Fall behindern. Und deshalb stärken wir den Erzieherinnen dort den Rücken, wo Forderungen der Eltern genau diesem Ziel entgegenwirken, und unterstützen sie dabei, klare Grenzen zu ziehen.

Fragen zum Wettbewerbsbeitrag

Welche Ziele werden mit dem Wettbewerbsbeitrag angestrebt?: 
  • den Einstieg in den Konsum von Suchtmitteln zu verhindern bzw. hinauszuzögern
  • einen suchtmittelfreien Lebensstil zu fördern
Gibt es Minimalziele?: 

ja, Soziale Kompetenzen in den Kindergärten, Grundschulen und der Erweiterten Realschule zu vermitteln.

Von wem ist die Initiative für Ihr Präventionsprojekt ausgegangen?: 
  • Rat
  • Verwaltung
Wenn sich Ihr Wettbewerbsbeitrag an Kinder und Jugendliche richtet, wurden dieses Zielgruppen in die Entwicklung des Angebots ei: 

nein

Welche Gründe waren für die Auswahl der Zielgruppe ausschlaggebend?: 

Die Tatsache, daß je früher in der Entwicklung eines Menschen präventiv gearbeitet wird, um so größer ist die Wirkung.

Wie wird sichergestellt, dass die Zielgruppe sich beteiligt?: 

Mit den LehrerInnen der Erweiterten Realschule, die mit Lions Quest arbeiten, werden re-gelmäßig Gespräche geführt. Diese Gespräche dienen dem Austausch über die Erfahrungen mit Lions Quest. Im Dialog mit der Schulleitung wird gewährleistet, daß in jedem neu-en 5. Schuljahr mit Lions Quest gearbeitet wird. Die Grundschulen, die mit Klasse 2000 arbeiten, gehen ohnehin eine schriftliche Ver-pflichtung ein. Darüber hinaus gibt es aber auch einen ständigen Austausch über präventive Maßnahmen insbesondere in den Bereichen Suchtprävention, Gewaltprävention und Prävention von sexuellem Mißbrauch. Auch mit den Kindergärten gibt es einen ständigen Erfahrungsaustausch über die einge-setzten Konzepte und regelmäßig Elternabende zu den Themen Suchtprävention und Gewaltprävention.

An welchen Bedürfnissen der Zielgruppe wird angeknüpft?: 

Die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen an die angeknüpft wird sind Anerkennung und tragfähige Beziehungen zu Erwachsenen und Gleichaltrigen. Das Bedürfnis der Erzieherinnen und Lehrer, an das angeknüpft wird, ist, mit ausgeglichenen Kindern und Jugend-lichen arbeiten zu können.

Wenn der Wettbewerbsbeitrag sich an Multiplikatoren richtet, welche sind das?: 
  • Erzieher / Erzieherinnen (Schwerpunkt)
  • Gleichaltrige / Peers (Schwerpunkt)
  • Lehrer / Lehrerinnen (Schwerpunkt)
Zielt der Wettbewerbsbeitrag auf spezielle Substanzen? : 

nein

Auf welche Handlungsfelder der kommunalen Suchtprävention zielt der Wettbewerbsbeitrag?: 
  • Kindergärten und Kindertagesstätten (Schwerpunkt)
  • Schulen (Schwerpunkt)
Welche Ämter/Dienstellen der Stadtverwaltung kooperieren in Ihrem Wettbewerbsbeitrag?: 
  • Sozialamt (federführend)
Welche Institutionen/Akteure ausserhalb der Verwaltung sind darüber hinaus in die Organisationsstruktur Ihres Wettbewerbsbeitrag: 
  • Kindergärten / Kindertagesstätten
  • Schule
Welche überörtlichen Institutionen/Akteure sind in die Organisationsstruktur Ihres Wettbewerbsbeitrags eingebunden? : 
    Wie ist die Zusammenarbeit geregelt?: 
    • kontinuierliche Zusammenarbeit
    In welchem Jahr wurde mit der Entwicklung Ihres Wettbewerbsbeitrags begonnen?: 

    1994

    Seit wann ist besteht sein Angebot in der Praxis?: 

    1999

    Dabei Handelt es sich nach der Konzeption um ein:: 

    Beschreibung siehe Anlage 2

    Die Finanzierung in den kommenden vier Jahren ist:: 

    gesichert

    Setzen Sie in Ihrem Beitrag Verfahren der Suchtprävention ein, die in Ihrer Kommune neu sind?: 

    keine Antwort

    Sprechen Sie mit Ihrem Beitrag in Ihrer Kommune neue Zielgruppen der Suchtprävention an?: 

    nein

    Welche anderen Neuerungen der Suchtprävention in Ihrer Kommune enthält der Wettbewerbsbeitrag darüber hinaus? : 

    Keine. Wenn wir an Wettbewerben teilnehmen arbeiten wir nicht anders als sonst und tun auch nicht so als ob.

    Gibt es eine schriftliche Konzeption der Suchtprävention in Ihrer Kommune?: 

    ja, 1999

    Sind eigene Bedarfserhebungen für die Bestimmung der Zielgruppe der Suchtpävention angefertigt worden?: 

    nein

    Welchem konzeptionellen Modell lässt sich der Wettbewerbsbeitrag nach seinem Schwerpunkt zuordnen?: 
    • Konzept der Lebenskompetenzförderung
    Auf welche Ansatzpunkte beziehen sich die Präventionsmassnahmen?: 
    • Protektive Faktoren, Konfliktfähigkeit, Leistungsfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Selbstwertgefühl, soziale Integration
    Welche Materialien und Medien kommen zum Einsatz?: 

    Lions Quest, Klasse 2000, Faustlos, Mäxchen trau Dich und Die Flirpse (Anlage (1))

    Welche Fortbildungsangebote für die Multiplikatoren werden angeboten?: 

    Zu Lions Quest gehört obligatorisch ein Einführungsseminar für die Lehrer, der damit arbeiten wollen. Für Klasse 2000 werden die externen sogenannten Gesundheitsförderer ausgebildet. Im wesentlichen ist für die Akteure die Umsetzung der Konzepte an sich ein Lernprozeß im Sinne einer Fortbildung.

    Gibt es eine Zeitplanung für den Wettbewerbsbeitrag?: 

    nein

    Wie gross ist die Anzahl der regelmäßig teilnehmenden Personen der Zielgruppe?: 

    530