Stormarn

Typ: 
Landkreis
Einreichende Dienststelle: 
Fachdienst Jugend und Familie - Jugendschutz
Name des Ansprechpartners: 
Christian Restin
Funktion des Ansprechpartners: 
Jugendschutzbeauftragter
Straße/Postfach: 
Mommsenstraße 11, 23843 Bad Oldesloe
Bundesland: 
Schleswig-Holstein
Telefon des Ansprechpartners: 
04531160290
Telefax des Ansprechpartners: 
0453116077290
E-Mail des Ansprechpartners: 
KreisStorman.Jugendschutz@t-online.de
E-Mail der Kommune: 
Internetadresse der Kommune: 
http://www.kreis-stormarn.de

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Titel des Wettbewerbsbeitrags

Konzeption einer Kreisweiten Vernetzung der Suchtprävention mit entsprechenden Maßnahmen

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

PROJEKT

SEKUNDÄRPRÄVENTION

und

PROJEKT - POOL - SUCHTPRÄVENTION

in

STORMARN

1. Projekt Sekundärprävention

In der Suchtprävention wurde bisher hauptsächlich nach Konzepten gearbeitet, die Sucht und Missbrauch vorbeugen sollen, also im Bereich der Primärprävention angesiedelt sind.

Die veränderten gesellschaftlichen Realitäten und neue wissenschaftliche Untersuchungen zur Wirksamkeit von Prävention (z.B. P. Kolip u.a., Programme gegen d. Sucht 1999, Juventa) zeigen allerdings, dass diese Ansätze ab einem Alter von 13 Jahren wenig sinn- und wirkungsvoll, teilweise sogar kontraindiziert sind. Das Alter der Erstkonsumenten und regelmäßigen Nutzer von Suchmitteln ist in den letzten Jahren deutlich gesunken und die Bereitschaft zum Experimentieren mit Nikotin, Alkohol und Drogen ist größer geworden. Spätestens mit 12/13 Jahren teilen sich die Schüler in Gruppen, die auf der einen Seite "schon" zu den Konsumenten gehören und auf der anderen Seite nichts mit Suchtmitteln zu tun haben wollen.

Es bedarf also neuer Konzepte und Arbeitsansätze, um wirksame und bei Jugendlichen akzeptierte Prävention zu betreiben!

Mit dem Projekt Sekundärprävention stellen wir nun ein Konzept zur Arbeit mit konsumierenden Jugendlichen im Kreis Stormarn vor.

Prävention und besonders Sekundärprävention muss folgenden Kriterien genügen:

  • Langfristig angesiedelt sein
  • Freiwillig stattfinden
  • Geschlechtsspezifisch durchgeführt werden
  • Außerhalb von Schule stattfinden
  • Sich den spezifischen Alters- und Lebensbedingungen der Jugendlichen stellen
  • Regional angebunden sein
  • Niedrigschwellig angesiedelt sein

2. Projekt - Pool - Suchtprävention

Zur Initiierung und regionalen Umsetzung speziell dieses Arbeitsansatzes schließen sich die Sucht- und Drogeneinrichtungen in Stormarn im Bereich Prävention zu einer Anbietergemeinschaft in einem neu zu gründenden Projekt - Pool - Suchtprävention zusammen. Dieser soll die bisher im Bereich der Primärprävention erfolgreich geleistete und ständig erweiterte Suchtpräventionsarbeit in Schulen, Kindergärten, Jugendzentren, Elternschulen und Vereinen fortsetzen, weiterentwickeln und effektivieren sowie um den neuen Ansatz der Sekundärprävention erweitern.

Der Aufgabenbereich des Projekt - Pools - Suchtprävention Stormarn

Der Projekt - Pool stellt sich folgende Aufgaben:

  • Er entwickelt und erprobt Konzepte vor allem zur sekundären Suchtvorbeugung.
  • Er plant, realisiert und vernetzt präventive Aktionen und Projekte z.B.:
  • Video- Theaterwerkstatt
  • Suchtberatung im Internet / Homepage
  • Aufsuchende Suchtpräventionsarbeit, z. B. in Diskothe-
    ken, Jugendzentren und/oder einschlägigen Szeneplätzen
  • Projektinitiierung von Selbsthilfegruppen
  • Mittelakquirierung für Projekte
  • Vernetzung von Gemeindeeinrichtungen
  • Er bietet Beratung und Hilfe bei der Initiierung, Planung und Durchführung von Maßnahmen zur Suchtvorbeugung.
  • Er bildet und führt Multiplikatoren aus Kindergarten, Schule, Jugendarbeit, Betrieben, Vereinen u.a. fort.
  • Er bietet Teamberatung an.
  • Er bietet Beratung für Jugendliche und junge Erwachsene an.
  • Er führt Elternabende und Einzelberatung durch.
  • Er stellt eine Infothek mit Informations- und Unterrichtsmaterial sowie spezielle Medien zur Verfügung.
  • Er initiiert öffentlichkeitswirksame Maßnahmen mit suchtvorbeugender Zielsetzung.
  • Er bietet Unterstützung bei der Entwicklung und Einführung von schon bestehenden Schulkonzepten zur Suchtvorbeugung.

3. EXKURS:

Gesellschaftliche Realität im Spannungsfeld zwischen Abstinenz und Konsum

Die bundesdeutsche Suchtprävention ist zurzeit gekennzeichnet durch die drei Teilbereiche primäre Prävention, sekundäre Prävention und tertiäre Prävention.

3.1 Primärpräventive Ansätze

Da im Allgemeinen davon ausgegangen wird, dass Drogenmissbrauch und Drogenabhängigkeit das Resultat langfristig riskanten Drogenkonsums ist, zielen vorzeitige Bemühungen zur Reduzierung der Gefährdungen für die Entwicklung von Suchterkrankungen bereits auf die Verhinderung des Einstiegs in den Konsum. Diese frühzeitige Intervention noch vor Eintreten von Risikofaktoren und Krankheitssymptomen wird mit primärer Prävention bezeichnet. Primäre Suchtprävention richtet sich an (noch) nicht konsumierende Personen, die folglich keinerlei Missbrauch- oder Suchtsymptomatik aufweisen. Weil der Einstieg in den Substanzgebrauch in der Regel im Jugendalter liegt, besteht die hauptsächliche Zielgruppe primärer Prävention daher aus Kindern und Jugendlichen (Schmidt, 1998).

Primärpräventive Interventionen setzen noch vor der Entwicklung und Stabilisierung missbräuchlicher Konsummuster ein. Sie verfolgen in der Regel das Ziel, bei noch abstinenten Jugendlichen den Einstieg in den Drogenkonsum zu verhindern oder hinauszuzögern, um möglichst langfristig Drogenfreiheit zu gewährleisten. Der Schwerpunkt präventiver Arbeit liegt folglich bei den noch abstinenten Jugendlichen jüngerer Altersgruppen (Schmidt, 1998).

Gemessen an der Wirksamkeit primärpräventiver Maßnahmen zur Reduktion riskanten Drogenkonsums sind Abschreckungsmassnahmen, Informationskampagnen, moralische Appelle und die Vermittlung alternativer Verhaltensweisen vergleichsweise weniger geeignet als Trainings zur Verbesserung psychosozialer Kompetenzen (Orlandi, 1996).

Primärprävention erweist sich insbesondere dann als erfolgreich bei der Verhütung von Substanzgebrauch, wenn sie frühzeitig, langfristig, großflächig und umfassend angelegt ist (Meyer, 1995).

Primäre Prävention wird in neuerer Zeit in einen globaleren Gesundheitsförderungsansatz integriert. Gesundheitsförderung ist ein umfassenderes Konzept, in dem nicht nur drogenspezifische Methoden der Informationsvermittlung o.ä. als Strategien der Prävention verwendet werden. Ergänzend werden allgemeine Gesundheitsförderungsmassnahmen durchgeführt, die auf indirektem Weg Drogenkonsum zu vermeiden helfen, etwa durch die Förderung sozialer Kompetenzen oder durch Vermittlung alternativer Bewältigungsmuster (Schmidt, 1998).

3.2. Sekundärpräventive Ansätze

Mit Sekundärprävention wird der Bereich der Suchtvorbeugung beschrieben, der auf die Beeinflussung bereits bestehenden Drogenkonsums abzielt. Vor allem soll die Entwicklung von riskantem zu missbräuchlichem Konsum und zu Abhängigkeit verhindert werden (Renn, 1990).

Die Herausforderung der sekundären Prävention liegt in der Identifikation der Jugendlichen, die den harmlosen Konsumpfad verlassen haben und riskante Konsummuster habitualisieren. Anders als Missbrauch und Abhängigkeit lässt sich riskanter Konsum bei Jugendlichen noch nicht anhand von körperlichen Symptomen erkennen. Konsumierte Mengen und Häufigkeiten sowie begleitende Faktoren müssen in einem Zusammenhang betrachtet werden, um riskanten Konsum frühzeitig ermitteln zu können.

Frühinterventive Angebote bei jugendlichem Drogenmissbrauch sind gekennzeichnet durch Konzeptionen, die auf Jugendliche mit riskantem Gebrauch zugeschnitten sind und speziell nur diese Gruppe der Jugendlichen ansprechen (Schmidt, 1998).

Interventionsmaßnahmen lassen sich in sechs verschiedenen Ausgestaltungen finden:

  1. Prosoziale Interventionen, um Risiko- und Problemverhalten zu reduzieren
  2. Drogenerziehung zur Vermeidung des Einstiegs in riskanten Gebrauch
  3. Gruppen- und gemeindebezogene Maßnahmen zur Stabilisierung des sozialen Netzwerks
  4. Schulische Angebote zur Stärkung der schulischen Bindungen
  5. Trainings für Eltern zur Steigerung des Verständnisses über Risiko- und protektive Faktoren für Drogenmissbrauch
  6. Verhältnisbezogene Maßnahmen zur Veränderung von Drogenangebot und Nachfrage (modifiziert nach Richards-Colocino, 1996)

In Deutschland bestehen bislang kaum Forschungsaktivitäten und Praxiserfahrungen im Bereich der Sekundärprävention jugendlichen Drogenmissbrauchs. Ansätze für suchtgefährdete oder suchtkranke Jugendliche sind nur im geringen Umfang entwickelt und in der Praxis implementiert (Schmidt, 1998).

3.3. Tertiärpräventive Ansätze

Tertiärprävention verfolgt das Ziel, den Gesundheitszustand bereits erkrankter Personen zu stärken, weitere Schäden zu verhüten, Rückfällen vorzubeugen und eine weitgehende Wiederherstellung des vorherigen Lebens- und Gesundheitszustands zu erreichen (Schmidt, 1998).

Im tertiärpräventiven Bereich werden Maßnahmen aus dem Bereich der Konsumreduktion und in neuerer Zeit der Schadensbegrenzung angewandt. Das Konzept der Schadensbegrenzung wird mittlerweile von vielen Experten favorisiert, da es pragmatischer, integrativ wirksam und weniger verurteilend ist (Caulcins und Reuter, 1997).

Primäres Ziel in der Tertiärprävention ist darum heute nicht mehr, Gesundheit im Sinne von Drogenfreiheit herzustellen, sondern vielmehr Unterstützung in der Alltagsbewältigung zu leisten und die Belastung zu reduzieren (Leune, 1995).

Seit Drogenabhängigkeit nicht mehr als delinquentes Verhalten stigmatisiert wird, wurde ein breites Beratungs- und Behandlungsangebot für eine Vielzahl von drogeninduzierten Schwierigkeiten implementiert. Damit existiert ein umfassendes Netz von Versorgungsangeboten, das den vielfältigen Unterstützungsbedarfen drogenabhängiger Personen entspricht (Schmidt, 1998).

Die therapeutischen Angebote unterscheiden sich in stationäre, teilstationäre, komplementäre und ambulante Leistungen, die kurzzeitig oder langzeitig zur Verfügung stehen. Die Einrichtungen unterscheiden sich in ihren therapeutischen Ansätzen (medizinisch-psychiatrisch, psychologisch, sozialpädagogisch). Substitutionsprogramme werden erst in den letzen Jahren verstärkt angeboten (Schmidt, 1998).

3.4. Sekundärer Prävention wird bislang nur eine untergeordnete Bedeutung zugemessen

Obwohl die gesellschaftliche Realität uns andere Fakten und Eindrücke vermittelt und wir ihr somit eine andere Bedeutung schenken wollen, werden im sekundären Präventionsbereich wenig Modelle erforscht oder erprobt. Aber gerade hier gilt es meist jugendlichen Konsumenten gezielte Hilfestellungen anbieten zu können. Denn Drogenkonsum ist eine der zentralen Risikoverhaltensweisen sowohl von Jugendlichen als auch von Erwachsenen. Überdurchschnittliche Konsummuster über einen längerfristigen Zeitraum können zu der Entwicklung von missbräuchlichem oder süchtigem Gebrauch führen.

Unsere Methoden der Suchtvorbeugung sind überwiegend auf Kinder und Jugendliche zugeschnitten, mit dem Ziel, bereits den ersten Kontakt mit Drogen zu verhindern. Die bisherigen Ansätze zur Reduzierung der Gefährdung, die mit Drogenmissbrauch und Abhängigkeit einhergehen, werden in der Suchtforschung und auch aus unserer eigenen Erfahrung noch nicht zufriedenstellend beurteilt. Trotz der bisherigen Anstrengungen im präventiven und therapeutischen Bereich sind Drogengefährdung, -missbrauch und -abhängigkeit sowie Drogenhandel und Beschaffungskriminalität nicht in bemerkenswertem Umfang zurückgegangen.

Die folgenden Zahlen belegen, dass in der Bundesrepublik Deutschland in großem Umfang legale und illegale Drogen konsumiert werden. In Deutschland rauchen nach letzten Erhebungen ca. 43 % der Männer und 30 % der Frauen; hochgerechnet auf die 18- 59-jährige Bevölkerung sind das 17,8 Mio. Raucher, 2,5 Mio. gelten als alkoholkrank (1,7 Mio. Männer und 800.000 Frauen), 400.000 Männer und 1.000.000 Frauen als medikamentenabhängig sowie 100.000 Männer und 50.000 Frauen als abhängig von illegalen Drogen. Anfang der Neunzigerjahre starben etwa 95.000 Männer und 16.000 Frauen an tabakbedingten Todesfällen durch Krebs, Kreislaufkrankheiten und Atemwegserkrankungen. 1999 wurden ca. 1.800 Rauschgifttote illegaler Drogen registriert. Die Anzahl alkoholbedingter Todesfälle, vor allem auf Grund von Leberzirrhosen, Krebs, Suiziden und Unfällen, wird zur Zeit jährlich auf ca. 40.000 geschätzt. (Flügel und Mefert-Diete, 1993; Hüllinghorst, 1995; Junge, 1997, Lintner, 1997; Märkl, 1997, Peterson, 1996; Drogen- und Suchtbericht Bundesministerium für Gesundheit, 1999).

Diese Zahlen sollen einen Überblick über das Ausmaß des Drogengebrauchs und einen Einblick vermitteln in die damit einhergehende Gefährdung. Zusätzlich zu den nicht messbaren Belastungen für die Betroffenen selbst und ihre Angehörigen und Freunde, führen Drogenmissbrauch und - abhängigkeit zu erheblichen finanziellen Belastungen für Gesellschaft und Gesundheitswesen.

Da legaler und illegaler Drogenkonsum immer noch mit erheblichen materiellen und immateriellen physischen, psychischen und sozialen Folgekosten zu Buche schlägt, muss davon ausgegangen werden, dass das jetzige Versorgungssystem nicht optimal an die Erfordernisse suchtgefährdeter und suchtkranker Mädchen und Jungen sowie Frauen und Männer angepasst ist.

Die Fokussierung auf die rein primäre und tertiäre Prävention ist nach unseren Erfahrungen nicht ausreichend, um zuverlässig in allen Bevölkerungsgruppen, vor allem bei jugendlichen Nutzerinnen legalen und illegalen Drogenmissbrauch/Abhängigkeit zu reduzieren.

Gerade Jugendliche mit ersten Erfahrungen im Umgang mit Suchtmitteln werden nach unseren Erfahrungen durch den derzeitigen Versorgungsschwerpunkt - der primären Suchtprävention in Schulen - nicht zuverlässig erreicht. Unsere primärpräventiven Ansätze mit dem Anspruch nach weittestgehender Suchtmittelfreiheit treffen nicht die Bedürfnisse derjenigen, für die im Sinne statistischer Häufigkeit Alkohol- und Drogenkonsum als Normalverhalten gilt.

Hier gilt es eine neue Angebotsstruktur und Arbeitsweisen, die unsere bisher gemachten Erfahrungen wie z. B. das Theaterprojekt "Nicht meine Welt", das Videoprojekt "Familie Drogenstein" und natürlich die Beratungen unserer jugendlichen Klientel mit einschließt, mit der Einführung eines Projekt - Pools -Suchtprävention zu entwickeln und durchzuführen.

4. Warum Sekundäre Suchtprävention?

Abgesehen davon, dass bislang im Bereich der Prävention die Zielgruppe der bereits drogenkonsumierenden aber noch nicht abhängigen Jugendlichen weitgehend vernachlässigt wurde, fehlt bei den meisten Präventionskonzepten die hinreichende Differenzierung nach jugendtypischen Subgruppen. Die Jugendlichen dürfen nicht als eine einheitliche Personengruppe betrachtet werden, da gravierende Unterschiede zwischen verschiedenen Untergruppen von Jugendlichen bestehen. Hier sind die Anforderungen und Lebensweisen von älteren und jüngeren Jugendlichen zu berücksichtigen. Türkische, russische und deutsche Jugendliche leben in unterschiedlichen familiären Zusammenhängen, leiden an unterschiedlichen Belastungen. Jugendliche aus unteren sozialen Schichten besitzen auf Grund ihrer Werte und Normen andere Bewältigungsstrategien und haben einen anderen sozialen Kontext als Jugendliche aus höheren Schichten. Auch Mädchen und Jungen leben zum Teil unter unterschiedlichen Sozialisationsbedingungen.

Diese verschiedenartigen Lebensbedingungen, Verhaltensweisen und Voraussetzungen haben einen Einfluss auf das jugendliche Drogenkonsumverhalten. Dies gilt es in der Sekundären Suchtprävention zu berücksichtigen. (Schmidt, 1998)

Für Jugendliche mit experimentellem, regelmäßigem oder überdurchschnittlichem Konsum halten wir in unserem Versorgungskreis derzeit kein hinreichendes Unterstützungsangebot vor.

Durch primärpräventive Angebote nicht mehr und durch tertiärpräventive Angebote noch nicht erreichbar, werden konsumierende Mädchen und Jungen auf professioneller Ebene von uns nicht ausreichend unterstützt.

In Deutschland bestehen bislang kaum Forschungsaktivitäten und Praxiserfahrungen im Bereich der Sekundärprävention jugendlichen Drogenmissbrauchs. Ansätze für suchtgefährdete oder suchtkranke Jugendliche sind nur im geringen Umfang entwickelt und in der Praxis implementiert.

Insofern sehen wir in dem Projekt Sekundärprävention und in dem einzurichtenden Projekt - Pool - Suchtprävention auch einen richtungsweisenden Charakter in der bundesdeutschen Suchthilfe, des Landes Schleswig-Holstein und dem Kreis Stormarn.

5. Organisation und Anbindung des Projekt - Pools - Suchtprävention

Der Projekt - Pool wird mit einer neu zu schaffenden vollen Stelle (38,5 Std.) für einen Dipl. Soz. Päd. besetzt. Er ist zu gleichen Teilen für die Arbeit in Norden und Süden Stormarns zuständig. Die Mitarbeiter der Sucht- und Drogenberatung der Therapiehilfe und der Sucht und Drogenberatung der Südstormarner Vereinigung für Sozialarbeit arbeiten in enger Kooperation und unter Bereitstellung ihrer personellen Ressourcen mit dem Projekt - Pool - Suchtprävention zusammen. Eine Vernetzung und Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendschutzes auch im Bereich Neue Medien und Internet (verbunden mit einer personellen Erweiterung dieses Dienstes) ist im Sinne einer gemeinsamen Präventionsstrategie sinnvoll und notwendig.

Anstellungsträger ist die SVS/ Sucht- und Drogenberatung Südstormarn.

Durch diese Anbindung kann der Projekt - Pool auf die in Südstormarn gemachten positiven Erfahrungen im sekundären Suchtpräventionsbereich zurückgreifen. Außerdem bietet das integrative Beratungskonzept dieser Einrichtung mit der Einbindung von Erziehungsberatung, Mädchen-/Frauenarbeit, Sozialpsychiatrischer Beratung und nicht zuletzt der Sucht- und Drogenberatung eine schon geradezu ideale Voraussetzung für die Vernetzung und Zusammenarbeit in einer Region.

Die Anbindung an die SVS bedeutet allerdings keineswegs, dass in Südstormarn der Schwerpunkt der Arbeit des Projekt - Pooles sein wird!

Die Vorteile eines solchen Projekt - Pools liegen auf der Hand. Um Kosten und doppelte Arbeit zu sparen, soll der Projekt - Pool die sekundäre Suchtprävention im ganzen Kreis Stormarn koordinieren und initiieren und überwiegend auch selbst durchführen. Durch die enge Kooperation Träger SVS und Therapiehilfe e.V. besteht über die Form der Zusammenarbeit und die Aufgabenverteilung bereits Übereinstimmung. Auf die gute Zusammenarbeit beider Träger mit dem Kreisjugendschutz, kann die Arbeit des Projekt - Pooles ebenfalls aufbauen.

Darüber hinaus sollte es ein wesentlicher Bestandteil des Projekt - Pooles sein, eine Kooperation zwischen Jugendhilfe, Schule, Sportvereinen und Beratungsstellen des Kreises Stormarn anzustreben, um durch diese Vernetzung eine effektivere sekundäre Suchtprävention für Jugendliche im Kreis zu gewährleisten.

6. Beispiele

6.1 Theaterprojekt

In diesem sekundärpräventiven Theaterprojekt mit dem Titel "Nicht meine Welt" ist es gelungen, außerhalb der Schule und ihrer Einrichtung einen anderen Zugang zu Jugendlichen zu finden und unter Suchtspezifischen Gesichtspunkten mit ihnen erfolgreich zu arbeiten.

Zielgruppe

Das Projekt richtete sich an Jugendliche der Altersgruppe13-. bis 20jähriger. Alle Jugendlichen hatten bereits erste Erfahrungen im Umgang mit verschiedenen psychoaktiven Substanzen oder Verhaltensweisen, wie sie bei nichtstoffgebundenen Süchten z. B. Essstörungen vorkommen.

Besonders wichtig erschien uns, die Altersgruppe der 13- bis 20jährigen anzusprechen.

Das Thema Jugend und Drogen ist unmittelbar miteinander verbunden. Der Zusammenhang zwischen Jugendalter, jugendlichem Protestverhalten, Jugendkultur und Drogenmissbrauch ist zwar kein zwingender und ausschließlicher, doch die Darstellung dieses Problems in den Medien und unsere eigenen Erfahrungen prägen den Eindruck, dass Drogengebrauch häufig ein besonderes Merkmal jugendlichen Verhaltens darstellt.

Folgende Phänomene können wir im Jugendalter beschreiben

  • Rollenunsicherheit und Statusungewissheit
  • Affektive Labilisierung und Veränderungen des Selbstbilds
  • Leistungsprobleme mit geschlechtsspezifischen Reaktionen
  • Probleme der Selbstorientierung und Konfliktbewältigung
  • Selbstzuwendung und Selbstreflektion mit einer Erweiterung des Erlebens und
  • Verinnerlichung auch in der Wahrnehmung anderer Menschen
  • Eine Ablösung vom Elternhaus, das Streben nach Selbständigkeit, auch ökonomischer in einen Beruf
  • Die Entscheidung über die sexuellen Bindungen und die Eingliederung dieses Verhaltens in eine allgemeine Lebensorientierung

Die Auflistung dieser Phänomene zeigt, wie komplex die Entwicklungsaufgaben sind, die Jugendliche bis in das junge Erwachsenenalter hinein in dieser Lebensphase zu bewältigen haben.

Methode

Das Theaterspielen bietet die vielfältigen verschiedenen Rollen des Lebens zum Ausprobieren an. Hierbei können die Akteure ihre eigenen Erfahrungen und Neugierden in einem geschützten Rahmen ausagieren.

Um ein Theaterspiel mit den meist unerfahrenen Akteuren entwickeln zu können, bedarf es in der Herangehensweise eines langen und speziellen Vorlaufes. Hierin unterscheidet sich auch die Präventionsarbeit deutlich vom Theatermachen oder dem darstellenden Spiel an den Schulen.

In den verschiedenen Phasen wurde der Schwerpunkt auf den Gruppenprozess und die eigenen Lebenserfahrungen der Akteure gelegt.

Der Entwicklungsprozess des Theaterprojektes erfolgte in vier unterschiedlichen Phasen:

1. Phase (Sep.- Nov.`99)

Verständigungsphase: Die Gruppe formierte sich über ein gemeinsames Kennenlernwochenende. Inhaltliche Schwerpunkte dieses Wochenendes waren die Auseinandersetzung mit dem Thema Sucht, Kontakt- u. Kennerlernspiele sowie erste Übungen für das Theaterspiel. Es wurde über den Inhalt des Projektes mit den Teilnehmern "verhandelt und gefeilscht".

Nach diesem Wochenende hatten sich die Jugendlichen hinsichtlich der Teilnahme verbindlich zu entscheiden. Hierüber wurde ein (symbolischer) Vertrag geschlossen.

2. Phase (Dez.99 - Feb.`00)

Nach der Kennerlernphase begann die Theaterarbeit mittels intensiver Improvisationsarbeit. Der Vorteil des Improvisationstheater ist, Kreativität zu wecken und zu fördern. Ferner erfolgten während dieser Phase gruppenfördernde Maßnahmen wie z.B. gemeinsame Kino- und Theaterbesuche

3.Phase (März - Mai `00)

Verdichtungsphase: Die gesammelten Erfahrungen durch die Improvisationen wurden komprimiert, gefiltert und auf den ausgehandelten Inhalt überprüft. Es entstand ein geschriebener Stücktext. Außerdem wurden in dieser Phase bereits einzelne Szenen vor Publikum gespielt und es wurde daraus resultierend die Entscheidung zur Aufführung des gesamten Stückes getroffen.

4. Phase (Juni - Juli `00)

Endphase: In dieser Phase wuchsen die zeitlichen und organisatorischen Anforderungen. Alles lief auf die Premiere hin: Die Medien wurden eingeladen, die Werbetrommel gerührt und Bühnenbild, Kostüme, Licht kamen hinzu. Schließlich kam es zur Premiere des Stückes.

Ziele

Hauptziel dieses Projektes war es, die kreativen Potentiale der jungen Menschen zu wecken, zu fördern und ihnen zugänglich zu machen. Die Gruppenerfahrungen haben die Darsteller in ihren "Sozialen-Kompetenzen" gefördert und weiter entwickelt.

Durch die öffentliche Aufführung wurden wichtige Schutzfaktoren, wie Selbstbewusstsein, Selbstsicherheit und eigenes Urteilsvermögen weiter gestärkt. Die gemachten Erfahrungen bleiben für die Jugendlichen von eminenter Bedeutung.

6.2. Suchtprävention im Internet

Als ein weiteres Beispiel für Sekundärprävention möchten wir hier unsere Sucht-Beratung im Internet vorstellen. Seit November 2000 gibt es für Fragen zum Thema Suchtmittel - Suchtgefährdung - und Abhängigkeit unter der Adresse http:// www.sucht-reinbek.de Antworten aus dem Internet. Ins Leben gerufen wurde dieses Projekt aufgrund der Erkenntnis, dass wir als Beratungsstelle für Jugendliche meistens als hochschwellig wahrgenommen werden und wir über das Internet ein niedrigschwelliges Angebot zur Information und Beratung bereitstellen wollten.

Über die Bereitstellung sachlicher Informationen hinausgehend, bietet die Homepage "www.sucht-reinbek.de" auch direkte Email-Kontaktmöglichkeiten zwischen den Jugendlichen und dem Berater der Such- und Drogenberatung Südstormarn.

Der Berater beantwortet die Emailanfragen und unterliegt bei dieser Email-Beratung genauso der Schweigepflicht und muss die Anfragen ebenso vertraulich behandeln wie dies bei einem unmittelbaren Besuch in der Einrichtung der Fall wäre. Fragen und Hilfegesuche werden nicht an Dritte weiter gegeben.

Erste Erfahrungen zeigen, dass das Beratungsangebot aus verschiedensten Gründen angenommen wird. Das Suchtberatungsprojekt "www.sucht-reinbek.de" unterscheidet sich zur schon bestehenden Drogenberatung im Internet an verschiedenen Punkten.
Erstens wurde Wert darauf gelegt, ein niedrigschwelliges Angebot zu schaffen, das auf die Optik und auch Sprache achtet. Statt Belehrung oder lange Abhandlungen finden sich meist kurze Texte und verzweigende Links. Der zweite wichtige Unterschied ist die umfassende Email-Beratung durch einen Experten oder die Weitervermittlung an die entsprechende Hilfe. Drittens arbeitet die Sucht- und Drogenberatung überwiegend regional mit den Schulen und Vereinen oder anderen Institutionen des Kreises zusammen. Durch Vorstellung der Homepage in den Schulen oder Einrichtungen werden den Lehrern, dem Fachpersonal und den Jugendlichen die Möglichkeiten der Nutzung der Site Vorort vermittelt. Seit dieser aktiven Veröffentlichung ist die Annahme der Homepage von Seiten der Nutzer kontinuierlich gewachsen. Schon heute finden tausende von Zugriffen wöchentlich statt.

7. Kosten

Der Träger beantragt eine Vollzeitstelle 38,5 Std. für einen Diplom Sozialpädagogen AVR 4b zuzüglich der üblichen Personal- und Regiekosten. Zusätzliche Mittel zur Projektdurchführung und Öffentlichkeitsarbeit werden durch den Träger selbst aquiriert. Die Anschaffung eines Info- und Dienstfahrzeuges sowie die technische Ausstattung (Notebook mit Internetanschluss und Beamer, ca 45.000,- DM) werden ebenfalls vom Träger (z.B. aus Spendenmitteln) selbst aufgebracht.

Reinbek, den 30. Juli 2001

Fragen zum Wettbewerbsbeitrag

Welche Ziele werden mit dem Wettbewerbsbeitrag angestrebt?: 
  • den Einstieg in den Konsum von Suchtmitteln zu verhindern bzw. hinauszuzögern
  • den frühzeitigen Ausstieg aus riskanten Konsummustern zu fördern
Gibt es Minimalziele?: 

ja, Seit mehreren Jahren besteht die Arbeitsgruppe Suchtprävention, die Maßnahmen, Veranstaltungen und Konzeptionen gemeinsam plant und umsetzt. Ein Minimalziel ist die Verbesserung der Erreichbarkeit der Zielgruppe.

Von wem ist die Initiative für Ihr Präventionsprojekt ausgegangen?: 
  • Arbeitsgruppe Suchtprävention (Verwaltung, Anbieter von Suchtberatung- und Suchtprävention)
Wenn sich Ihr Wettbewerbsbeitrag an Kinder und Jugendliche richtet, wurden dieses Zielgruppen in die Entwicklung des Angebots ei: 

nein

Welche Gründe waren für die Auswahl der Zielgruppe ausschlaggebend?: 

allg. fachpolitischer Auftrag

Wie wird sichergestellt, dass die Zielgruppe sich beteiligt?: 

über die Befragung "Gläserne Schule" und örtliche Befragungen

Wenn der Wettbewerbsbeitrag sich an Multiplikatoren richtet, welche sind das?: 
    Zielt der Wettbewerbsbeitrag auf spezielle Substanzen? : 

    nein

    Auf welche Handlungsfelder der kommunalen Suchtprävention zielt der Wettbewerbsbeitrag?: 
    • Gesundheitsförderung
    • Jugendarbeit und Jugendhilfe
    • Musikszenen und Jugendkultur
    • Schulen (Schwerpunkt)
    • Sportvereine
    Welche Ämter/Dienstellen der Stadtverwaltung kooperieren in Ihrem Wettbewerbsbeitrag?: 
    • Gesundheitsamt
    • Jugendamt (federführend)
    Welche Institutionen/Akteure ausserhalb der Verwaltung sind darüber hinaus in die Organisationsstruktur Ihres Wettbewerbsbeitrag: 
    • Institutionen bzw. Fachkräfte der Suchtprävention
    • Private Spender / Sponsoren
    Welche überörtlichen Institutionen/Akteure sind in die Organisationsstruktur Ihres Wettbewerbsbeitrags eingebunden? : 
    • Land
    Wie ist die Zusammenarbeit geregelt?: 
    • Arbeitsgemeinschaft
    In welchem Jahr wurde mit der Entwicklung Ihres Wettbewerbsbeitrags begonnen?: 

    1996

    Seit wann ist besteht sein Angebot in der Praxis?: 

    1998

    Dabei Handelt es sich nach der Konzeption um ein:: 

    vgl. Anlage : Teilfachplanung Jugendschutz, Projekt Sekundärprävention, Fragebogen Gläserne Schule, Suchthilfeplan

    Die Finanzierung in den kommenden vier Jahren ist:: 

    gesichert

    Setzen Sie in Ihrem Beitrag Verfahren der Suchtprävention ein, die in Ihrer Kommune neu sind?: 

    ja, Konzeption Sekundäre Suchtprävention und Projekt-Pool-Suchtprävention (S. Anlage) mit der Einrichtung einer neuen Stelle ab 01.2002

    Sprechen Sie mit Ihrem Beitrag in Ihrer Kommune neue Zielgruppen der Suchtprävention an?: 

    ja, Aktuelle Konsumenten und Einsteiger

    Gibt es eine schriftliche Konzeption der Suchtprävention in Ihrer Kommune?: 

    nein

    Sind eigene Bedarfserhebungen für die Bestimmung der Zielgruppe der Suchtpävention angefertigt worden?: 

    nein

    Welchem konzeptionellen Modell lässt sich der Wettbewerbsbeitrag nach seinem Schwerpunkt zuordnen?: 
    • Förderung von Alternativen zum Substanzmissbrauch
    • Konzept der Lebenskompetenzförderung
    • Konzept des sozialen Lernens
    Auf welche Ansatzpunkte beziehen sich die Präventionsmassnahmen?: 
    • Protektive Faktoren
    Welche Materialien und Medien kommen zum Einsatz?: 

    Websites, Video- und Theaterproduktionen, Vorträge, Rollenspiele, Erlebnis- pädagogische Ansätze

    Welche Fortbildungsangebote für die Multiplikatoren werden angeboten?: 

    Fachkonferenzen zur Suchtprävention, Multiplikatorenausbildung

    Gibt es eine Zeitplanung für den Wettbewerbsbeitrag?: 

    ja, 3 Jahre und mehr

    Wie gross ist die Anzahl der regelmäßig teilnehmenden Personen der Zielgruppe?: 

    1000