Schorndorf

Typ: 
kreisangehörige Stadt/Gemeinde
Einreichende Dienststelle: 
Kultur-, Schul- und Sportamt der Stadt
Name des Ansprechpartners: 
Horst Messerschmidt
Funktion des Ansprechpartners: 
Amtsleiter Kultur-, Schul- und Sportamt
Straße/Postfach: 
Stadt Schorndorf; Urbanstraße 24; 73614 Schorndorf
Postleitzahl: 
73614
Bundesland: 
Baden-Württemberg
Telefon des Ansprechpartners: 
07181602400
Telefax des Ansprechpartners: 
07181602196
E-Mail des Ansprechpartners: 
Horst.Messerschmidt@schorndorf.de
Internetadresse der Kommune: 
http://www.schorndorf.de

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Titel des Wettbewerbsbeitrags

Projekt "Sojus"

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

l. Allgemeines

1.1 Begriff "SOJUS"

Der Begriff "SOJUS" stammt aus dem russischen und bedeutet im engeren Sinne "Bündnis" oder "Vereinigung". Er wurde von den Teilnehmern deshalb ausgewählt, weil zum einen deutlich werden soll, dass es sich bei diesem Projekt um ein Kooperationsprojekt handelt, bei dem mehrere Institutionen bzw. Fachdienste zusammenarbeiten. Zum anderen soll die russische Wortwahl des Projekts für die Zielgruppe ansprechend wirken und Schwellenängste senken.

1.2 Entstehung von SOJUS

Entstanden ist das Projekt SOJUS aus einem anderen Projekt namens "HORIZONT" (niedrigschwellige Jugend- und Drogenberatung im Rems-Murr-Kreis, angesiedelt bei der Psychosozialen Beratungs- und ambulanten Behandlungsstelle für Suchtgefährdete und Suchtkranke). HORIZONT bot die Entwicklungswerkstatt "Praxisbausteine für suchtgefährdete junge Menschen" an. Einige Teilnehmer von SOJUS nahmen an mehreren Sitzungen dieser Entwicklungswerkstatt teil und übernahmen die Bearbeitung eines Bausteins mit folgender Aufgabenstellung:

Wie können Jugendarbeiter und Drogenberater zu jugendlichen Migranten, die Drogen konsumieren, Kontakt aufnehmen und Beziehungen auftauen (am Beispiel der Stadt Schorndorf)?

Durch die Bearbeitung dieser Aufgabenstellung war die Grundlage für SOJUS geschaffen. Im weiteren Verlauf schlössen sich dann noch weitere Teilnehmer aus verschiedenen Einrichtungen und Fachdiensten aus Schorndorfern neuen Projekt an.

1.3 Motivation

In den letzten Jahren hat die Zahl von jungen Spätaussiedlern, die Drogen konsumieren, dramatisch zugenommen. Sie werden von bisher vorhandenen Beratungs-, Betreuungs- und Therapieangeboten kaum erreicht. Dies machte die Entwicklung neuer Ansätze erforderlich, die auf die spezielle Situation dieser Adressatengruppe eingehen.

1.4 Situation in Schorndorf:

In der Wiesenstraße in Schorndorf befindet sich zur Zeit das größte Staatliche Übergangswohnheim für Spätaussiedler im Rems-Murr-Kreis. Das Wohngebiet Wiesenstraße ist ein Anziehungs- und Treffpunkt für jugendliche Spätaussiedler aus ganz Schorndorf (und auch aus umliegenden Ortschaften), vor allem abends und an den Wochenenden. Unter den jugendlichen und junge erwachsene Spätaussiedler im Gebiet sind ca. 10-15 Personen bekannt dafür, dass sie (harte) illegale Drogen konsumieren. Bei fast allen Jugendlichen ist der Alkoholkonsum sehr hoch, auch Cannabis wird regelmäßig genommen.

2. Die Rahmenbedingungen

SOJUS arbeitet unter folgenden (formalen) Rahmenbedingungen:

2.1 Die mitwirkenden Institutionen von SOJUS und deren Träger
  • Mobile Jugendarbeit - Bürgermeisteramt der Stadt Schorndorf
    Psychosoziale und ambulante Behandlungsstelle für Suchtkranke und Suchtgefährdete/Horizont niedrigschwellige Drogenhilfe im Rems-Murr-Kreis) und das Jugendgemeinschaftswerk - Ev. Kirchenbezirk Schorndorf

  • Jugendzentrum Hammerschlag - Jugendzentrum Hammerschlag e.V.
2.2 Personelle Ausstattung

Die Teilnehmer an SOJUS haben innerhalb ihrer Fachdienste kumuliert sechs 100%-Stellen. Der verbindlich eingebrachte Anteil der einzelnen Fachdienste in das Projekt ist unterschiedlich hoch:

  • Jugendgemeinschaftswerk Schorndorf: 20%
  • Jugendzentrum Hammerschlag: 20%
  • Mobile Jugendarbeit Schorndorf: 15%
  • PSB/HORIZONT: 15%
2.3 Qualifikation der Teilnehmer

Teilnehmer von SOJUS sind Sozialpädagogen bzw. Sozialarbeiter, Erzieher und examinierte Pädagogen.

2.4 Fortbildung und Qualifizierung der Teilnehmer von SOJUS

Die Teilnehmer von SOJUS bilden sich kontinuierlich fort im Rahmen von Fachveranstaltungen auf Landes- und Bundesebene. Längerfristige Qualifizierungen orientieren sich am Kompetenzprofil des Teams und seiner arbeitsteiligen Spezialisierung sowie an einrichtungsbezogenen Maßnahmen der Personalentwicklung. Die Entscheidungsprozesse werden im vorgegebenen Rahmen der beteiligten Fachdienste durchgeführt. Im Kontext der regelmäßigen Reflexion werden Qualifizierungsnotwendigkeiten innerhalb des Teams erkannt.

2.5 Finanzierung von SOJUS

Die Personalkosten der an SOJUS beteiligten Fachdienste werden durch deren Träger abgedeckt.

Sachkosten und Kosten für pädagogische Maßnahmen werden anteilig und aus dem Budget der einzelnen Einrichtungen abgedeckt.

Ein verbindliches Finanzbudget für die Arbeit und die Aktivitäten im Rahmen von SOJUS gibt es derzeit nicht.

2.6 Das Team von SOJUS

2.6.1 Teamverständnis

Das Team von SOJUS arbeitet vernetzt und teilt sich dabei die einzelnen Funktionen wie folgt auf:

a) Funktionsbereich Öffentlichkeitsarbeit/Medien umfast Aufgabenstellungen wie:

  • PR-Planung
  • Öffentliche Präsentationen Flyer/Infos
  • Internetnutzung
  • Kontakte zu Medienvertretern

b) Funktionsbereich Koordination umfasst Aufgabenstellungen wie:

Verantwortung für die Teamsteuerung

  • Auftragsmanagement
  • Koordination der Anfragen von außen
  • Planung und Gestaltung pädagogischer Maßnahmen

c) Funktionsbereich Qualitätsentwicklung umfasst Aufgabenstellungen wie:

  • Dokumentation und Evaluation
  • Qualitätsmanagement
  • Weiterentwicklung von Qualitätssicherungsinstrumenten

2.6.2 Teamsitzungen

Das Team trifft sich monatlich. Die Ablaufstruktur der Teamsitzungen ist festgelegt. Moderation und Protokollaufgaben sind aufgeteilt und gewährleistet. Inhalte sind hauptsächlich:

  • Informationsaustausch
  • Planung
  • Weiterentwicklung einzelner Bausteine von SOJUS
  • Evaluation

3. Zielgruppen und Zielsetzung von SOJUS

Im folgenden Abschnitt werden die verschiedenen Zielgruppen, mit denen SOJUS arbeitet, und die daraus abgeleiteten Ziele, die SOJUS fokussiert, näher beschrieben.

3.1 Die Zielgruppen:
  • Gefährdete und bereits suchtmittelkonsumierende jugendliche und junge erwachsene Spätaussiedler unter 28 Jahre.
  • Suchtmittelkonsumierende jugendliche und junge erwachsene Spätaussiedler unter 28 Jahre im Stadium der Abhängigkeit

Diese Zielgruppen setzen sich in der Stadt Schorndorf aus mehreren Gruppierungen und Cliquen unterschiedlichster Größen, aber auch aus Einzelpersonen zusammen. Diese werden von den einzelnen Einrichtungen von SOJUS in verschiedenster Weise und Intensität betreut.

So wird eine Gruppe von ca. 35 Jugendlichen und jungen Erwachsenen (15-23 Jahre) in den Räumlichkeiten des städtischen Jugendhauses im Rahmen eines Spätaussiedler Treffs betreut. Zwei größere Gruppen werden im Jugendzentrum Hammerschlag betreut. Viele jugendliche und junge Erwachsene werden im Ev. Jugendgemeinschaftswerk im Rahmen von Einzelfallhilfe betreut. Darüber hinaus werden Einzelpersonen und kleinere Gruppen im Rahmen von Streetwork erreicht. Für die Zielgruppe, die sich im Stadium der Abhängigkeit befindet, stehen besondere Hilfen wie Offene Sprechstunden, Ausstiegshilfen, Beratung und Vermittlung, Psycho soziale Begleitung der Substitution und Schadensbegrenzung und Safer use zur Verfügung.

3.2 Ziele:

Suchtgefährdete jugendliche und junge erwachsene Spätaussiedler werden von SOJUS sehr frühzeitig erreicht, wodurch gute Kontakte und Beziehungen geknüpft werden können.

Durch SOJUS wird ein niedrigschwelliges, sozialräumlich orientiertes Hufeangebot in Schorndorf umgesetzt, das sich der Zielgruppe jugendlicher und junger Erwachsener Spätaussiedler unter 28 Jahren in Schorndorf verpflichtet sieht.

Im Sozialraum Schorndorf sind durch SOJUS bedarfsgerechte Angebote der Jugendhilfe und Suchthilfe vorhanden, bekannt und miteinander verknüpft.

Das Team von SOJUS hat ausreichend Kenntnis über die Lebens- und Erfahrungswelt jugendlicher und junger Erwachsener Spätaussiedler und bietet deshalb im Rahmen der Migrationssozialarbeit muttersprachliche Angebote. Bei allen Angeboten wird der kulturelle Hintergrund des Herkunftslandes berücksichtigt.

SOJUS erreicht darüber hinaus jugendliche und junge erwachsene Spätaussiedler die Probleme und Fragen bezüglich Ausbildung, Arbeit, Wohnung und Partnerschaft aufgrund ihres Suchtmittelkonsums haben.

SOJUS bietet der Zielgruppe bedarfsgerechte Beratungs- ,Hilfs- und Freizeitangebote an, um die durch den Migrationshintergrund hervorgerufene Verunsicherung, Orientierungslosigkeit, mangelnde Integration und gesellschaftliche Ausgrenzung zu verringern.

4. Umsetzung

4.1 Allgemeine Umsetzungsmechanismen:

Präventions-, Beratungs- und Hilfsangebote müssen lokal erreichbar und lebensfeldorientiert organisiert sein. Deshalb wurden die unterschiedlichsten Fachdienste, die mit den Zielgruppen bereits vorher arbeiteten, miteinander verknüpft.

Die an SOJUS beteiligten Fachdienste beteiligen sich an spezifischen Aktionen mit der Zielgruppe

SOJUS bietet verbindliche Räumlichkeiten für die Zielgruppe an.

SOJUS sucht die Zielgruppe an ihren Treffpunkten auf und nimmt mit gefährdeten jugendlichen und jungen Erwachsenen Kontakt auf bzw. vertieft die Beziehungen und macht die entsprechenden Angebote bekannt.

SOJUS verwendet bei der Arbeit mit den Zielgruppen folgende Methodenbausteine der Sozialarbeit und Sozialpädagogik:

Gruppen- und Cliquenarbeit

Einzelfallhilfe

Gemeinwesenorientiertes Arbeiten und Vernetzen

Aufsuchende Sozialarbeit durch Streetwork

4.2 Konkrete Umsetzungsmechanismen

4.2. l Streetwork-Tandem-Teams

Tandem - Teams bestehen aus mindestens einem Mitarbeiter aus der Jugendhilfe (Offene Jugendarbeit, Mobile Jugendarbeit, Jugendgemeinschaftswerk) und des in Schorndorf angesiedelten Suchtberaters vom Projekt HORIZONT. In Schorndorf werden folgende Angebote im Tandem entwickelt bzw. Aufgaben bearbeitet:

Aufsuchende Sozialarbeit durch Streetwork - Klientenzentrierte und lebensweltorientierte Beratung von jugendlichen und jungen Erwachsenen Spätaussiedlern

Lokale Kooperation mit Jugendhilfeeinrichtungen, die in SOJUS nicht zusammengefasst sind, wie z.B. Schulen.

4.2.2 Unterstützung der Jugendhilfemitarbeiter

Mit dem allgemeinen Sozialen Dienst oder der Jugendgerichtshilfe des Jugendamts arbeitet das Team von SOJUS fallbezogen zusammen und wirkt im Einzelfall im Rahmen der Hilfeentwicklung mit (z.B. im Rahmen einer Helferkonferenz).

4.2.3 Zusammenarbeit mit Schulen und Polizei

Das Team von SOJUS arbeitet fallbezogen mit Schulen bzw. mit der Jugendsozialarbeit an der Schule, wie z.B. Betreuungsunterstützung der Vorbereitungsklasse. Darüber hinaus arbeitet das Team von SOJUS im Rahmen gemeinsamer Veranstaltungen mit der Polizei zusammen (z.B. Sportturniere, Verkehrserziehung).

4.2.4 Beratungsarbeit

Da die Teilnehmer von SOJUS verschiedenen Fachdiensten angehören, besteht Beratungskompetenz in sämtlichen Bereichen, welche die Zielgruppe betreffen. Beratung wird im Rahmen von Einzelfallhilfe (mit festgelegten Terminen), in den verschiedensten Lebensfelder (bei Streetwork) oder in den Gruppentreffs durchgeführt.

4.2.5 Niedrigschwellige Angebote

Die an SOJUS teilnehmenden Fachdienste bieten folgende niedrigschwellige Angebote an:

a) Psychosoziale Beratungsstelle/HORIZONT Streetwork Spritzenvergabe (HIV- und Hepatitisprophylaxe)

  • Aufklärung/Info über HIV und Hepatitis Kondomabgabe Vermittlung in Substitution, ambulante und stationäre Therapie
  • Schuldenberatung
  • Aufsuchende Arbeit in Justizvollzugsanstalten, Psychosoziale Betreuung während einer Substitutionsbehandlung Offene Sprechstunden
  • Aufklärung über besonderes Zeugnisverweigerungsrecht des Mitarbeiters der PSB/Horizont

b) Jugendgemeinschaftswerk

  • Beratung und Hilfe bei Fragen und Problemen mit Schule, Ausbildung, Beruf, Umgang mit Ämtern und Behörden, persönlichen Problemen, Anerkennung von Zeugnissen und Diplomen
  • Bildungsangebote: Vermittlung in Sprachkurse, Nachhilfeunterricht, Hausaufgabenbetreuung, Seminare oder Infoveranstaltungen
  • PC-und Lernwerkstatt
  • Angebote zur Freizeitgestaltung, niedrigschwellige Gruppen- und Sportangebote, Ausflüge, Ferienmaßnahmen und Mädchenarbeit
  • Erlebnispädagogische Kursreihe

c) Mobile Jugendarbeit

  • Streetwork alleine oder im Tandem
  • Offenes Angebot für jugendliche junge erwachsene Spätaussiedler in Räumlichkeiten vor Ort
  • Offene Sprechstunde in den Räumlichkeiten der MJA
  • Arbeitslosenfrühstück, Berufsberatung, Unterstützung bei Bewerbungen, Wohnungssuche und Einzelfallberatung und -begleitung in sämtlichen Fragen und Problemsituationen
  • Teilnahme an Freizeitgestaltung und Ferienmaßnahmen

d) Jugendzentrum Hammerschlag

  • bietet offenen Treff durch zwei eigene, für Spätaussiedler reservierte Räume
  • großer Kaffeebereich
  • Billardtisch, Kicker, Skaterbahn
  • Räumlichkeiten für kulturelle Veranstaltungen (russische Disko)
  • Freizeitveranstaltungen
  • Medien- und PC Angebote
  • lange Öffnungszeiten

4.2.6 Therapeutische und nachsorgende Hilfen

Durch den beteiligten Fachdienst der Suchtberatung sind Zugangsmöglichkeiten zu entsprechenden Einrichtungen für die Zielgruppe gewährleistet.

5. Mitwirkung von SOJUS in Fachgremien

5.1 Landesebene
  • LAG Streetwork und Mobile Jugendarbeit LAG Jugendaufbauwerk LAG Ev. Jugendaufbaudienst
5.2 Kreisebene
  • AG Sucht

Jugend- und Drogenhilfeverbund

  • AK-Substitution für den Rems-Murr-Kreis Sozialarbeiterkreis für den Rems-Murr-Kreis Arbeitskreis Mobile Jugendarbeit Rems-Murr-Kreis AG Spätaussiedlerjugendliche
5.3 Kommunale Ebene
  • AK Soziales AK Substitution für Schorndorf
  • AK Runder Tisch Spätaussiedlerintegration

5.4 Eigene Fachgremien

  • Interne Teamsitzungen der einzelnen Einrichtungen von SO JUS
  • Arbeitskreis SOJUS zur Koordination, Informationsaustausch. Weiter- und Qualitätsentwicklung

6. Qualitätsentwicklung

Das Team von SOJUS arbeitet an einem kontinuierlichen Prozess der Qualitätsverbesserung- Einzelne Schlüsselprozesse sind durch folgende Qualitätssicherungsinstrumente gewährleistet:

  • Konzeption
  • Ablauf- und Strukturplanung
  • Dokumentation (durch Streetworkkontaktbogen, quantitative und qualitative Statistiken und Berichte)
  • Regelmäßige Teamsitzungen aller Teilnehmer von SOJUS Evaluation der Dokumentationen in den Teamsitzungen

Die Qualitätssicherung als kontinuierlicher Verbesserungsprozess wird durch die regelmäßigen Teamsitzungen und Reflexion der Arbeit gewährleistet. Ein Teilnehmer des Teams ist mit der Qualitätsentwicklung beauftragt worden.

Zum Selbstverständnis unserer Arbeit mit Suchtmittel gebrauchenden
jugendlichen und jungen erwachsenen Spätaussiedlern

Das Selbstverständnis unserer Arbeit stützt sich auf eine Reihe von zentralen Erkenntnissen, die über die letzten Jahre hinweg in der Jugend- und Suchthilfe gewonnen wurden:

Wir wissen, dass der Suchtmittelkonsum jugendlicher und junger erwachsener Spätaussiedler als entwicklungsbedingtes Verhalten und als Bewältigungsfunktion in schwierigen Lebenssituationen angesehen werden kann, mit denen junge Spätaussiedler konfrontiert sind. Darum lassen wir uns auf den schwierigen Weg ein, gemeinsam mit den jungen Menschen Alternativen zu selbstzerstörerischen Lösungsmustern zu entwickeln und positive Bewältigungskompetenzen einzuüben.

Wir wissen, dass der Suchtmittelkonsum jugendlicher und junger erwachsener Spätaussiedler nicht mit Zwangs- und Repressionsmaßnahmen eingedämmt werden kann, sondern auf der Basis einer von Vertrauen getragenen Beziehung zu bearbeiten ist. Darum orientieren wir uns an einem christlichen bzw. humanistischen Menschenbild und an einem von Freiwilligkeit und Akzeptanz getragenen Grundverständnis. Akzeptanz schließt den Respekt, die Wertschätzung und die Eigenbestimmung von Klienten unter besonderer Berücksichtigung ihres kulturellen Hintergrundes ein, ohne dabei die Zielperspektive eines mündigen und gesellschaftsfähigen Individuums aus dem Auge zu verlieren.

Wir wissen, dass der Suchtmittelkonsum jugendlicher und junger erwachsener Spätaussiedler in der Clique gelernt und praktiziert wird. Darum sehen wir die jungen Menschen im Zusammenhang ihrer Bezugsgruppen, thematisieren unterstützende und helfende Ressourcen in den Cliquen und bearbeiten problemverstärkende Zusammenhänge.

Wir wissen, dass der Suchtmittelkonsum jugendlicher und junger erwachsener Spätaussiedler mit den Erfahrungen in der Herkunftsfamilie zusammenhängt. Darum thematisieren wir diese Erfahrungen und unterstützen eine positive Bearbeitung.

Wir wissen, dass der Suchtmittelkonsum jugendlicher und junger erwachsener Spätaussiedler nur mit differenzierten und aufeinander abgestimmten Unterstützungsangeboten angegangen werden kann. Darum entwickeln wir unser Angebot bedarfsgerecht weiter.

Wir wissen, dass der Suchtmittelkonsum jugendlicher und junger erwachsener Spätaussiedler nur in der Vernetzung von verschiedenen Institutionen professionell bearbeitet werden kann. Darum verstehen wir uns als Anbieter von Unterstützungsleistungen und stellen ein verbindliches Kooperationsnetz mit Einrichtungen und Diensten her, um ein Unterstützungs- und Begleitungssystem für gefährdete und bereits suchtmittelkonsumierende junge Spätaussiedler zu entwickeln.

Wir wissen, dass der Suchtmittelkonsum jugendlicher und junger erwachsener Spätaussiedler oft mit sozialer Ausgrenzung einher geht, dass Hilfeangebote auf eine gesellschaftliche Lobby angewiesen sind und dass junge Spätaussiedler nur schwer Zugang zu diesen Hilfeangeboten finden. Darum orientieren wir uns am Leitbild einer sozialintegrativen Gesellschaft und suchen auf kommunaler Ebene und auf Landkreisebene nach Möglichkeiten, um eine starke Lobby für unsere Hilfsangebote und deren Weiterentwicklung zu schaffen.

Fragen zum Wettbewerbsbeitrag

Welche Ziele werden mit dem Wettbewerbsbeitrag angestrebt?: 
  • den Einstieg in den Konsum von Suchtmitteln zu verhindern bzw. hinauszuzögern
  • den frühzeitigen Ausstieg aus riskanten Konsummustern zu fördern
  • einen suchtmittelfreien Lebensstil zu fördern
  • Gesundheitserziehung (HIV, Hepatitis, Sexualerziehung)
Gibt es Minimalziele?: 

ja, Bekanntheitsgrad der beteiligten Institutionen und deren Mitarbeiter erhöhen und dies durch dauerhafte Kontakt und Beziehungsarbeit gewährleisten.

Von wem ist die Initiative für Ihr Präventionsprojekt ausgegangen?: 
  • Horizont - Jugend- u. Drogenhilfe im Rems-Murr-Kreis
Wenn sich Ihr Wettbewerbsbeitrag an Kinder und Jugendliche richtet, wurden dieses Zielgruppen in die Entwicklung des Angebots ei: 

nein

Welche Gründe waren für die Auswahl der Zielgruppe ausschlaggebend?: 

-Hoher Suchtmittelkonsum in der Zielgruppe -Erhöhte Gefährdung der Zielgruppe -Schwere Ereichbarkeit Anteil der Zielgruppe am Gesamtanteil der Bevölkerung in Schorndorf sehr hoch -Sozialer Brennpunkt -bislang kein adäquates Angebot

Wie wird sichergestellt, dass die Zielgruppe sich beteiligt?: 

-Kontakt über Muttersprche möglich -Ständige Präsenz durch Streetworker-Methode im Umfeld des Wohnheims und anderen Stadtgebieten gewährleistet -Raumangebote direkt vor Ort -Vielerlei Freizeitangebote

An welchen Bedürfnissen der Zielgruppe wird angeknüpft?: 

-Räume werden bereitgestellt -ein- und mehrtägigeFreizeitveranstaltungen -kulturelle Veranstaltungen (z.B. Russische Disko) -Akzeptanz und Veratändnis für kulturellen Eigensinn der Zielgruppe bei de Mitarbeitern vorhanden, mit der Möglichkeit für die Zielgruppe des Rückzugs in Verbindung mit bereitgestellten und betreuten Räumlichkeiten in der Kommune. -Sportl. Unternehmungen (Eishockey, Fußball)

Wenn der Wettbewerbsbeitrag sich an Multiplikatoren richtet, welche sind das?: 
  • Ärzte / Ärztinnen
  • Fachklinik "Four Steps"
  • Fachöffentlichkeit
  • Gleichaltrige / Peers
  • Kursleiter / Kursleiterinnen
  • Lehrer / Lehrerinnen
  • Polizei
  • Sozialarbeiter / Sozialarbeiterinnen
  • Sozialpädagogen / Sozialpädagoginnen
Zielt der Wettbewerbsbeitrag auf spezielle Substanzen? : 

ja, auf

Auf welche Handlungsfelder der kommunalen Suchtprävention zielt der Wettbewerbsbeitrag?: 
  • Gesundheitsförderung
  • Jugendarbeit und Jugendhilfe (Schwerpunkt)
Welche Ämter/Dienstellen der Stadtverwaltung kooperieren in Ihrem Wettbewerbsbeitrag?: 
  • Kultur- , Schul- und Sportamt Schorndorf (federführend)
Welche Institutionen/Akteure ausserhalb der Verwaltung sind darüber hinaus in die Organisationsstruktur Ihres Wettbewerbsbeitrag: 
  • Freie Träger
  • Kirchliche Einrichtungen
  • Sonstige
Welche überörtlichen Institutionen/Akteure sind in die Organisationsstruktur Ihres Wettbewerbsbeitrags eingebunden? : 
    Wie ist die Zusammenarbeit geregelt?: 
    • Projektgruppe
    In welchem Jahr wurde mit der Entwicklung Ihres Wettbewerbsbeitrags begonnen?: 

    2001

    Seit wann ist besteht sein Angebot in der Praxis?: 

    2001

    Die Finanzierung in den kommenden vier Jahren ist:: 

    offen

    Setzen Sie in Ihrem Beitrag Verfahren der Suchtprävention ein, die in Ihrer Kommune neu sind?: 

    ja, -Lebensfeldnahe Begleitungund Beratung, flexibel und individuell zugeschnitten -Bereitstellung von versch. Raumangeboten -Vernetzung versch. Hilfssysteme

    Sprechen Sie mit Ihrem Beitrag in Ihrer Kommune neue Zielgruppen der Suchtprävention an?: 

    ja, Jugendliche und junge erwachsene Spätaussiedler

    Welche anderen Neuerungen der Suchtprävention in Ihrer Kommune enthält der Wettbewerbsbeitrag darüber hinaus? : 

    -Entwicklung von interkulturellen Kompetenzen der Mitarbeiter und Multiplikatoren -Zielgruppenorientiertes zweisprachiges Info-Material -Bausteine/Methoden im Umgang mit der Zielgruppe, die geografisch kompatibel sind -Fachübergreifende Teamsitzungen

    Gibt es eine schriftliche Konzeption der Suchtprävention in Ihrer Kommune?: 

    ja,

    Sind eigene Bedarfserhebungen für die Bestimmung der Zielgruppe der Suchtpävention angefertigt worden?: 

    ja,

    Welchem konzeptionellen Modell lässt sich der Wettbewerbsbeitrag nach seinem Schwerpunkt zuordnen?: 
    • Förderung von Alternativen zum Substanzmissbrauch
    • Informationsvermittlung
    • Konzept der Gesundheitsförderung
    • Konzept der Lebenskompetenzförderung
    • Konzept der Vernetzung und Kooperation
    Auf welche Ansatzpunkte beziehen sich die Präventionsmassnahmen?: 
    • Gemeinde, Stärkung soz. Netzwerke, Abbau von Zugangsschwellen
    • Protektive Faktoren, Konfliktfähigkeit; Akzeptanz des kulturellen Eigensinns, Identitätsfindung
    • Risikofaktoren, -Gefährdungssituationen im Umfeld des Wohnheims bzgl. Suchtmitteln -Überforderung hinsichtl. des Status als jugendlicher und junger erwachsener Spätaussiedler
    Welche Materialien und Medien kommen zum Einsatz?: 

    zweisprachiges Info-Material, Video, PC/Internet-Schulung

    Welche Fortbildungsangebote für die Multiplikatoren werden angeboten?: 

    Entwicklungswerkstatt von "Horizont" (Niedrigschwellige Jugend- u. Drogenberatung)

    Gibt es eine Zeitplanung für den Wettbewerbsbeitrag?: 

    ja, bis zu 3 Jahre

    Wie gross ist die Anzahl der regelmäßig teilnehmenden Personen der Zielgruppe?: 

    60