Saarbrücken

Typ: 
kreisfreie Stadt
Einreichende Dienststelle: 
Stabsstelle nachhaltige und gesunde Stadtentwicklung
Name des Ansprechpartners: 
Angelika Kraus
Funktion des Ansprechpartners: 
Stellv. Leiterin
Straße/Postfach: 
Rathaus St. Johann, 66104 Saarbrücken
Postleitzahl: 
66111
Bundesland: 
Saarland
Telefon des Ansprechpartners: 
0681 9051723
Telefax des Ansprechpartners: 
0681 9051893
E-Mail des Ansprechpartners: 
Angelika.kraus@saarbruecken.de
Internetadresse der Kommune: 
http://www.saarbruecken.de

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Titel des Wettbewerbsbeitrags

Rolling-Stones - Von der Herausforderung und Faszination, Steine ins Rollen zu bringen

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Rolling Stones: Von der Herausforderung und Faszination, Steine ins Rollen zu bringen

l. Zusammenfassung

Primäre Suchtprävention soll überall stattlinden - in Familie, Kindergarten, Schule, Stadtteil. Fakt war 1991,dass Suchtprävention in der Stadt Saarbrücken das Geschäft von wenigen Präventionsprofis war (Drogenberatung, Landeskriminalamt, Lehrerinnen) und sich im wesentlichen auf weiterführende Schulen beschränkte. Das ergab eine Befragung von Schlüsselpersonen im Gesundheits-, Bildungs-, Jugend- und Sozialbereich.

Im Rahmen der kommunalen Drogenpolitik starteten ab 1992 Initiativen für eine bessere Praxis und Vernetzung der Drogenhilfe und der Suchtprävention. Auf Initiative oder mit wesentlicher Beteiligung der Stadtverwaltung, mit Unterstützung des Stadtrates, zahlreicher Vereine und Organisationen; Institutionen, engagierter Personen ist es gelungen, den Radius der Suchtprävention nach und nach immer zu vergrößern:

  1. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene Suchtprävention praktisch erleben zu lassen
  2. Multiplikatorinnen für die Aufgabe Suchtprävention zu gewinnen
  3. Die Zielgruppen der Prävention aktiv einzubinden in Projekte und Vorhaben
  4. Sich selbst tragende Initiativen und Strukturen anzuregen
  5. Öffentlichkeit für Fragen der Suchtprävention herzustellen
  6. Kontakte, Dialog, Zusammenarbeit anzuregen zwischen Institutionen, die bisher nicht miteinander kooperierten und
  7. Nachhaltige Netzwerke für Gesundheit und Suchtprävention zu gründen.

Der Stadtverwaltung war in diesem Prozess Initiatorin, Koordinatorin, Organisatorin, Beraterin, Beobachterin, Finanzbeschafferin, Brücken- und Netzbauer.

Die Strategieformel hieß: viele Steine ins Rollen bringen, die ihrerseits wieder neu für Bewegung, Entwicklung und Strukturen sorgen. Der Prozess ist immer noch voll im Gange.

2. Die einzelnen Projektbereiche

2.1. Suchtprävention im Kindergarten

Initiative

Auf Anregung und Wunsch der Stadtverwaltung wurde in 1993 ein Projekt Suchtprävention im Kindergarten durchgeführt.

Handlungsfeld und Zielgruppe

Der katholische Kindergarten St. Michael liegt etwa 500 m vom Drogenhilfezentrum (DHZ) entfernt. Eltern, Kirchengemeinde und anwohnende Bürgerinnen formulierten im Vorfeld Sorgen um die Gesundheit und Unbeschadetheit der Kinder. Zielgruppe des Projektes waren die Kinder, die Eltern und das Mitarbeiterinnenteam.

Ziele

Suchtprävention zum Thema und zur Aufgabe des Kindergartens machen. Ein primärpräventiv förderliches Klima im Kindergarten und in den Familien schaffen. Kinder stark machen, kompetent fürs Leben machen.

Die Ängste der Erwachsenen, dass Drogenabhängige die Kinder zum Drogenkonsum verführen könnten abbauen. Dieser defensiven Haltung eine aktive Haltung entgegenzusetzen ("wir können was tun").

Konzept

Das Mitarbeiterinnenteam wird beraten und fortgebildet mit dem Ziel, Suchtprävention selbständig in die eigene tägliche Arbeit zu integrieren.

Im Rahmen von Elternarbeit werden Familienklima und Erziehungsstil der Eltern thematisiert (was fördert, was hemmt die Entstehung von Sucht?). Die Kinder werden darin unterstützt, ihre eigenen Wünsche wahrzunehmen und auszudrücken. Sie lernen, in der Gruppe ihre Erwartungen und Bedürfnisse zu modifizieren und positive und negative Gefühle wahrzunehmen und zu verarbeiten. Sie werden in ihrer Beziehungs- und Gruppenfähigkeit unterstützt.

Neues

Zwei Akteure haben hier erstmals kooperiert: die örtliche Drogenberatungsstelle und die Landesarbeitsgemeinschaft Gesundheitsförderung. Für die Drogenberatung, die Stadt Saarbrücken und das Saarland war es das erste Suchtpräventionsprojekt im Kindergarten.

Dokumentation/Evaluation

Siehe Anlage : Veröffentlichung der LAGS, Band 2, Praxisberichte zur Gesundheitsförderung -Auflage: 800 - derzeit vergriffen (regionale und überregionale Anfragen). Eine darüber hinaus gehende Evaluation konnte im Hinblick auf die zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht erfolgen.

Nachhaltigkeit und Folgen

Die Einrichtung hat Suchtprävention in ihre Alltagsarbeit integriert. Die Betroffenheit des Kindergartens und des Stadtviertels vom Drogenproblem wird seit 1993 regelmäßig im Rahmen eines kleinen Runden Tisches beraten (Pfarrer, Polizei, Drogenhilfe, Stadtverwaltung).

1994 wird ein stadtweiter Gesprächskreis "Innere Sicherheit und Prävention" bei der Stadtverwaltung etabliert - der "Präventionsbeirat". Bürgerinnen, Geschäftsleute, Institutionen der Sozial-, Jugendarbeit, des Schul- und Gesundheitswesens, Polizei, Drogenhilfe beraten Konfliktfälle, erarbeiten Lösungen und präventive Ansätze zur Minimierung der Probleme.

Kosten-Nutzen

Das Projekt wurde ausschließlich im Rahmen der regulären Arbeit der Drogenberatung und der LAGS finanziert. Entstandene Kosten: Personaleinsatz: insgesamt je l Monat Vollzeitmitarbeiter und mitarbeiterin. Sachkosten: 1.500 DM für Broschüre.

Angesichts der Pilotfunktion ist der Kosten-Nutzen-Effekt positiv zu bewerten (Gesamtkosten ca. 12.000 bis 17.000 DM).

Im Falle der Übertragung auf andere Einrichtungen minimiert sich der Aufwand auf l Monat Mitarbeiterin (Präventionsfachkraft bzw. Erzieherin).

2.2.Suchtprävention in der Grundschule

Initiative Die l. Gesundheitskonferenz Malstatt meldet Handlungsbedarf in Sachen Kindergesundheit an.

Handlungsfeld und Zielgruppe

Das Projekt "Lärm und Stille" findet im Stadtteil Malstatt und in der Schule statt. Malstatt weist eine überdurchschnittlich hohe Quote an Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängerinnen auf. Die Verkehrs- und Lärmbelastung ist entlang der beiden Haupteinfallsstraßen der Pendlerstadt Saarbrücken überdurchschnittlich hoch.

Ziele

  • Kindern ein breites Spektrum sinnlicher Erfahrungen ermöglichen
  • Lärm und Stille im Stadtteil bewusst wahrnehmen
  • Einen "gesunden" Umgang mit Lärm und Stress einüben
  • Stille als positive Erfahrung erleben
  • Balance zwischen Lärm und Stille, An- und Entspannung erleben

Konzept

Eine erste Grundschulklasse erkundet und erlebt Lärm und Stille innerhalb einer Stadtteilexkursion, in einem Musikworkshop, in einer Werkstattarbeit (Bauen, Stilleübungen). Eltern und Lehrerinnen nehmen an einer Fortbildung "Lärm und Stille" teil und entdecken ihren Bezug zum Thema. Sie integrieren Ansätze in ihren Alltag.

Dokumentation/Evaluation

Das Projekt wird in einer Broschüre dokumentiert (erhältlich) sowie in einer Ausstellung präsentiert (19 Tafeln). Die Broschüre ist wegen der großen Nachfrage (bisher über 2.500) mehrmals neu aufgelegt worden. Die Ausstellung wurde an verschiedenen Orten präsentiert.

Folgen und Nachhaltigkeit

An der Grundschule Wallenbaum wird in der Folgezeit Raum für Stille und Meditation von mehreren Lehrerinnen in den Unterricht integriert (bis heute). Fortbildungsveranstaltungen zu "Lärm und Stille" sowie "Autogenes Training" fanden im Anschluss mehrmals statt - vonseiten der Stadtverwaltung, des Landesinstitutes für Pädagogik und Medien, der Volkshochschule u.a.m., so dass sich die Idee verbreitete.

Projektidee und Praxis werden von Kindergärten und Grundschulen aufgegriffen. Nachfrage und Nachahmung von "Lärm und Stille" belegen den Erfolg des Projektes.

Das Projekt "Lärm und Stille" hat wertvolle Pionierarbeit geleistet, indem Grundschullehrerlnnen für Fragen der Gesundheit und Suchtprävention sensibilisiert wurden. Auf dieses Potential konnte später aufgebaut werden - z.B. Projekt "Theater und Suchtprävention" an der Grundschule St. Amual (Workshop mit einem afrikanischen Musiker, der mit den Schülerinnen ein Theaterstück "Der Affe Ubugollo" entwickelte, 1998) sowie im Kontext der Einführung von "Klasse 2000" im Jahre 2001).

Neu

Neu war das Thema Stille an einer Grundschule dieses Einzugsbereiches (Stadtteil mit bekannter sozialer Problematik) .Neu war die Zusammensetzung des Projektteams: ein Profimusiker, ein Mitarbeiter des Landesinstitutes für Pädagogik und Medien, der Stadtverwaltung Saarbrücken, ein Grundschullehrerinnenteam - und die gemeinsame Entwicklung des Projektes. Neu war ebenso der hohe Anteil an Eigentätigkeit der Schülerinnen: die Profis waren lediglich Katalysatoren.

Kosten-Nutzen

Die Projektkosten umfassen die Personalkosten der beteiligten Institutionen (3 Lehrerinnen a 1-5 Tage, Stadt Saarbrücken: l Mitarbeiterin 10-15 Tage, Landesinstitut für Pädagogik und Medien: 5 Arbeitstage) sowie die übrigen Kosten: rund 7.700 DM. Angesichts des hohen Multiplikationseffektes ist dieses Projekt auch unter dem Kosten-Nutzen-Effekt höchst erfolgreich.

Im Falle der "Nachahmung" reduzieren sich der erforderliche Personaleinsatz auf die beteiligten Lehrerinnen und den Musiker oder andere externe Fachkräfte (Voraussetzung: Fortbildung oder Beratung im Bedarfsfall) - d.h. auf etwa 2.000 bis 4.000 DM.

2.3. Schulkultur und Suchtprävention

Handlungsfeld und Zielgruppe Das Handlungsfeld sind weiterführende Schulen.

Ziele

Die Lebenskompetenz der Schülerinnen wird gestärkt, indem sie nichtkognitive Kompetenzen entwickeln.

Der Medikamentenkonsum von Schülerinnen wird dadurch verhindert, dass frühzeitig alternative Methoden der Lebens- und Konfliktbewältigung erlernt werden. Die Schülerinnen erleben, dass ein suchtmittelfreier Lebensstil möglich ist und dass er Freude und Freundschaften einschließt. Die Schüler erleben Schule als einen Raum, der Gesundheit fördern kann.

Konzept

In zwei kontinuierlichen Arbeitsgruppen (Jazzband, Zirkus), die seit 1995 angeboten werden, können Schüler vielfältige Fähigkeiten einüben: eigene kreative Fähigkeiten, Organisation, Öffentlichkeitsarbeit u.v.m.. Die Gruppen vertreten die Schule nach außen, präsentieren in der Schule. Sie knüpfen Kontakte zu anderen Schulen (Saarland, Frankreich) und lösen damit als Kettenreaktion weitere Gemeinschaftsereignisse aus (Zirkusworkshops). Darüber hinaus werden seit 1993 zusätzliche Projekte zu einzelnen Fragestellungen der Suchtprävention durchgeführt - in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung Saarbrücken. Beispiele:

Nichtrauchen - ein Videoprojekt, Pantomimen-Workshop, Kinder stark machen durch Zirkus -

Videoprojekt.

Die Ergebnisse der Projekte und der Zirkus- und Jazzarbeitsgruppen werden in der Öffentlichkeit präsentiert - um Suchtprävention sichtbar und begreifbar zu machen (Aktionen in der Fußgängerzone, Auftritte während des saariändisch-lothringischen Nachbarschaftsfestes, beim Saarbrücker Altstadtfest, beim 10 jährigen Jubiläum des Saarbrücker Gesundheitsforums).

Dokumentation. Evaluation

Es liegen mehrere Dokumentationen vor (derzeit nur in Einzelexemplaren): z.B. Videofilme, Broschüren, Präsentationsfolien.

Statt einer systematischen Evaluation wir als Erfolgskontrolle verbucht, dass die Arbeitsgruppen sind sehr gut frequentiert sind (Jazz: 20 Mitglieder, Zirkus: 60 Mitglieder). Die Nachfrage nach Auftritten ist so angestiegen, dass nicht mehr alle Anfragen befriedigt werden können. Schulklima und Schulkultur sind außergewöhnlich gut - Indikatoren hierfür sind z.B. die Zahl, Art und Qualität der Veranstaltungen, die über den normalen Unterricht hinausgehen und die von Eltern, Schülerinnen und Lehrerinnen gemeinsam organisiert werden.

Neues

Schulkultur als Ansatz der Suchtprävention war in Saarbrücken neu. Nonverbale Methoden der Suchtprävention, die bestimmte Gruppen von Kindern und Jugendlichen besser erreichen können, waren nicht verbreitet.

Folgen und Nachhaltigkeit

Am Projekt beteiligte Lehrer haben sich für Suchtprävention qualifiziert (zweijährige Fortbildung, Einzel Veranstaltungen). Sie integrieren Suchtprävention in ihren Unterricht. An der Schule ist ein für Gesundheit und Suchtprävention förderliches Klima entstanden. Suchtprävention ist an der Schule ein Selbstläufer geworden. Dass Suchtprävention auch mit nonverbalen Methoden realisiert werden kann, hat sich herumgesprochen. In vielen öffentlichen Auftritten wird Suchtprävention sichtbar gemacht.

Kosten-Nutzen

Hauptkostenfaktor sind der Personaleinsatz: die Lehrer und Eltern, die die Gruppen betreuen. Da die Eltern ehrenamtlich arbeiten und die Lehrer ihr Engagement im Rahmen ihrer Arbeit aufbringen, entstehen hier keine Zusatzkosten, die zu finanzieren sind. Sachkosten für Zirkusmaterialien, Musikgeräte, Videoproduktion etc. werden durch Schülerinnen, Eltern, Förderverein, Sponsoring oder Projektmittel der Stadtverwaltung erbracht. Gesamtumfang der Gemeinschaftskosten: zwischen 14.000 und 16.000 DM. Angesichts der Teilnehmerinnenzahl (ständig 80 plus bei den zeitlich begrenzten Projekte zusätzlich 50 Personen), des Projektzeitraumes (6 Jahre) und der Wirksamkeit weit über die Schule hinaus ist die ein vertretbares Verhältnis.

Mit 14.000 bis 16.000 DM wurde effektive suchtpräventive Wertschöpfung betrieben (80 Stunden Kreativtraining, 38 Auftritte, 40 Stunden Videoproduktion) und ein präventiver "Fuhrpark" -Zirkuskisten, Einräder, Mikros etc. - angeschafft.

2.4. Suchtprävention im Nauwieser Viertel

Initiative

Beginnend mit dem Saarbrücker Beitrag zur Europäischen Suchtpräventionswoche 1994 wird ein Netzwerk "Suchtprävention im Nauwieser Viertel" gegründet.

Handlungsfeld und Zielgruppe

Handlungsfeld ist der Distrikt Nauwieser Viertel, in dem citynah vor allem Studentinnen, alte Menschen, Alleinerziehende, Singles wohnen. Zielgruppe im Sinne von Beteiligten sind Institutionen im Viertel, ergänzt um Institutionen der Suchtprävention auf Stadtebene. Zielgruppe im Sinne von Endadressatinnen sind Kinder, Jugendliche, Familien im Viertel.

Ziele

Die AG "Suchtprävention im Nauwieser Viertel" macht die präventiv handelnden Institutionen und Personen miteinander bekannt, stiftet bilaterale oder gemeinsame Vorhaben an, befördert die fachliche Diskussion und Beratung und verknüpft Bereiche, die bisher isoliert voneinander gearbeitet haben (z.B. Polizei und Schule, Kinderschutz und Drogenberatung, Jugendzentrum und katholischer Jugendclub).

Konzept

Grundidee ist die Verstärkung der Präventionskraft durch gegenseitige Information, Kooperation und Koordination. Die Suchtprävention wird zum gemeinsamen Anliegen vieler. Neue Partner aus dem Stadtteil werden einbezogen - wie z.B. Kinowerkstatt. Durch gemeinsame Vorhaben und Veranstaltungen wird der Separierung von Jugendgruppen und dem gegenseitigen Misstrauen entgegengewirkt.

Dokumentation, Evaluation

Protokolle der Sitzungen sind bisher die einzige Form der Dokumentation. Erfolg kann darüber hinaus gemessen werden anhand gemeinsamer Projekte und Veranstaltungen - z.B. Brainrave (Theater, Diskussion und Rave - Thema Jugenddrogen), zahlreicher Workshops, eine Broschüre für Eltern ausländischer Jugendlicher.

Neues

Diese kleinräumige (hier: distriktbezogene) Vernetzung der Suchtprävention war die erste in Saarbrücken.

Folgen und Nachhaltigkeit

Die AG existiert 6 Jahre sehr aktiv, danach nur noch sporadisch. Sie hat sich durch die vielfältig entstandenen Kontakte fast überflüssig gemacht - zumindest als regelmäßig tagendes Gremium. Es wurden viele suchtpräventive Mitstreiterinnen aktiviert, die sich in Sachen Kindergesundheit und Suchtprävention in ihrer Einrichtung und auch in anderen Zusammenhängen einklinken -z.B. im Runden Tisch Kindergesundheit der Stadt Saarbrücken (Beginn: Mai 2000), der Suchtprävention in einem grösseren Kontext thematisiert.

Kosten-Nutzen

Kosten beschränken sich wesentlich auf die Personalkosten der Mitglieder, die hier nicht separat zu Buche schlagen (bei 4-6 Sitzungen pro Jahr und 15-25 Teilnehmerinnen: zwischen 720 und 1.800 Mitarbeiterinnenstunden).

Sachkosten für Veranstaltungen fielen im Umfang von 14.000 DM an (Teilnehmerinnen: 200). Dieser Aufwand wird als vertretbar beurteilt.

2.5. Go Sports! Suchtprävention und Sport

Initiative

Das Landeskriminalamt entwickelt 1996 die Idee, Sport als gesunde Alternative zum Suchtmittelmissbrauch zum Angelpunkt einen Kooperationsprojektes zu machen.

Handlungsfeld, Zielgruppe

Das Handlungsfeld sind Schulen und Jugendarbeit, Zielgruppe die Lehrerinnen, Jugendtrainerrinnen und -betreuerinnen, aber auch die Kinder und Jugendlichen.

Ziele: Kinder und Jugendliche stark machen

Die besonderen protektiven Chancen des Sports aufzeigen und offensiv nutzen Den Jugendleitern und Trainerinnen Wissen und Handlungskompetenz vermitteln, wie Suchtprävention im Verein umgesetzt werden kann Jugendliche für Sport und Mitarbeit im Sportverein motivieren Kooperation zwischen Sportvereinen und Suchtprävention, zwischen Schule und Sportverein fördern.

Konzept

Sport und Sportvereine können die Lebenskompetenz der Kinder und Jugendlichen fördern: sie, fordern und fördern die körperliche, seelische und soziale Entwicklung, bieten Lernfelder für Umgang mit Stärken und Schwächen, Erfolg und Niederlage. Sie lassen das Miteinander in der Gruppe erfahren, Teamgeist entwickeln, sie bieten Vorbilder und Raum, die eigene Position in der Gruppe zu finden.

Die Umsetzung (1998 bis heute) umfasst

  • Eine Arbeitsgruppe "Sport und Suchtprävention"
  • Fortbildung von Jugendtrainerinnen und -betreuerinnen - Baustein Suchtprävention
  • Beratung und Begleitung von Sportvereinen, die suchtpräventiv tätig werden wollen
  • Eine Großveranstaltung "Go Sports!" (1998) mit 700 Teilnehmerinnen.
  • Dokumentation, Evaluation

Eine Broschüre fasst den Projektstand 1998 zusammen. Evaluation: siehe unter "Folgen und Nachhaltigkeit"

Neues

Die Zusammenarbeit von Landeskriminalamt, Stadt Saarbrücken und Sportvereinen war neu. In Saarbrücken war es das erste Projekt, das Suchtprävention und Sport in Dialog und Kooperation brachte.

Folgen und Nachhaltigkeit

Anstelle einer Evaluation sei der Hinweis erlaubt, dass das Projekt wesentlich mit dazu beigetragen hat, dass das Arbeitsfeld auf Landesebene Institutionen verankert wurde: seit 2001 gibt es die Kampagne "Wir im Verein mit dir" und einen Landesbeauftragten für Prävention. Personelle und sachliche Ressourcen wurden wesentlich verstärkt. Vonseiten der Stadtverwaltung können die neuen Ressourcen mitgenutzt werden, Sportvereine können Beratung und Fortbildung anfragen - die Kosten übernimmt "Wir im Verein mit dir".

Landeskriminalamt und Stadtverwaltung haben in 2000 eine Broschüre zum Einsatz in Sportverein (und Schulen) entwickelt: "Voll cool?", das den besonderen Bedürfnissen des Feldes Rechnung trägt, l. Auflage: 10.000 bereits vergriffen, 2. Auflage: 10.00 in 2001.

Kosten-Nutzen

Die Personalkosten von Landeskriminalamt und Stadtverwaltung: etwa 500-700 Mitarbeiterstunden. Zusätzliche Kosten für Veranstaltungen: 20.000 DM. Kosten für Broschüre "Voll cool?" 28.000 DM. Für Saarbrücker Verhältnisse war "Go Sports!" ein aufwendiges Projekt. Angesichts der Pilotfunktion und der erfolgreichen Implementation auf Landesebene hat sich die Investition jedoch gelohnt.

2.6. Musik, Kochen und Sport mit Punkern

Initiative

In der AG "Suchtprävention im Nauwieser Viertel" und in der AG "Arbeitslosigkeit und Gesundheit" der Stadtverwaltung entstand die Idee, für die Zielgruppe der Punker einen neuen Ansatz der Gesundheitsförderung und Suchtprävention zu kreieren.

Ziele

Den Suchtmittelmissbrauch reduzieren den Gesundheitszustand verbessern für ein gesünderes Leben motivieren

Konzept

Punker lernen in Percussionworkshops, sich musikalisch in der Gruppe auszudrücken und treten damit öffentlich auf. Sie erleben Zuspruch der "Normalbevölkerung" und Anerkennung. Sie lernen in einem Kurs, gesunde preiswerte Mahlzeiten und Menüs zu kochen einschließlich Einkauf der Zutaten.

Sie betätigen sich sportlich, mit vielen Hemmungen und Anlaufproblemen. Sie lernen Regeln für den Alkoholkonsum kennen und beachten. Das alles schafft ein wenig Lust auf Normalität. Das Projekt läuft von 1998-2000 mit Anleitung, danach in eigener Regie.

Dokumentation, Evaluation Eine Kurzdokumentation (April 2000) - unvollständig.

Neues

Völlig neu in Saarbrücken - aber auch weit darüber hinaus - ist ein Suchtpräventionsprojekt für Punker, der Mix von Musik, Kochen, Sport, die Beteiligung von Partnerinnen, die bisher nichts mit Suchtprävention zu tun hatten (SOS mobile Jugendarbeit, SOS Jung hilft alt). Neu ist ebenso die Allianz von Ärztekammer und Punkern bei der öffentlichen Präsentation von Percussion am ärztlichen Präventionstag.

Folgen und Nachhaltigkeit

Teilnehmende Punker sind z.T. in Qualifikations- und Beschäftigungsprojekte integriert oder absolvieren Praktika. Ihre Gesundheitssituation hat sich stabilisiert und z.T. gebessert - z.B. durch vermehrte Ansprache der Kursleiterinnen und die Motivation zum Kochen. Das wöchentliche Kochen findet weiterhin in Eigenregie der Gruppe statt (Selbstläufer). Im SOS-Zentrum im Nauwieser Viertel findet die Gruppe eine Heimat.

Im Dezember 2000 lädt die Kochgruppe ältere Menschen aus dem Viertel zu einem Weihnachtsmenü ein: Jung und alt lernen sich kennen. Barrieren werden abgebaut.

Kosten-Nutzen

Die Kosten für die Kurse betragen 16.000 DM (2 Jahre). Angesichts des Nutzens Integration, Gesundheitsstabilisierung und der Reduktion des Suchtmittelmißbrauchs (zumindest am Tage der Kurse bzw. am Vortag) und der Teilnehmerinnenzahl (45) ist das Verhältnis vertretbar.

3. Das Geheimrezept: die Strategie der "Rolling Stones"

Was den dargestellten Projektbereiche gemein ist und was gleichzeitig das "Geheimrezept" bedeutet: die Idee und Strategie der rollenden Steine.

Sozusagen als "bottom up-Ansatz" werden kleine Impulse und Praxisprojekte auf den Weg gebracht, die ihrerseits motivieren, mehr im Bereich Gesundheit oder Suchtprävention zu unternehmen, den eigenen Alltag behutsam umzugestalten, Verhalten zu ändern, den Blick auf benachbarte Felder zu werfen. Kooperationen und Netzwerke entstehen als Nebenprodukte. Gute Praxis spricht und multipliziert sich von alleine weiter. Dynamische Netzwerke und Kooperationen entstehen.

Der dargestellte Ansatz ist u.E. insbesondere übertragbar auf Orte und Situationen, die sich auszeichnen durch eine überschaubare Infrastruktur bezüglich Suchtprävention, knappe Budgets (d.h. auch für kleinere und mittlere Städte sowie ländlichen Raum) sowie unter der Voraussetzung, dass die Mitarbeiterinnen vor Ort, gerne einen Blick über den Zaun werfen und neue Allianzen schmieden.

Anmerkung: Die dargestellten Projektbereiche stellen einen Ausschnitt aus dem Feld Suchtprävention in Saarbrücken dar (der ganze Bereiche Ecstasy-Prävention wurde hier ausgelassen, ebenso Computer und Sucht sowie die grenzübergreifende Suchtprävention).

Fragen zum Wettbewerbsbeitrag

Welche Ziele werden mit dem Wettbewerbsbeitrag angestrebt?: 
  • den Einstieg in den Konsum von Suchtmitteln zu verhindern bzw. hinauszuzögern
  • den frühzeitigen Ausstieg aus riskanten Konsummustern zu fördern
  • einen suchtmittelfreien Lebensstil zu fördern
  • gesunde Lebensweise fördern
Gibt es Minimalziele?: 

ja, Die TeilnehmerInnen sollen mindestens eine gesündere Alternative zu dem von ihnen jeweils bevorzugten Suchtverhalten bzw. ungesundem (ausweichendem) Verhalten gelernt und eingeübt haben

Von wem ist die Initiative für Ihr Präventionsprojekt ausgegangen?: 
  • Gesundheitskonferenz
  • Landeskriminalamt
  • SOS mobile Jugendarbeit
  • Verwaltung
Wenn sich Ihr Wettbewerbsbeitrag an Kinder und Jugendliche richtet, wurden dieses Zielgruppen in die Entwicklung des Angebots ei: 

ja, folgendermassen: Im Projektbereich "Schulkultur entwickeln die Kinder und Jugendliche das Übungsprogramm der Ags sowie die Programme der Auftritte einschl. Plakate etc. Sie entscheiden über das Konzept der Videoproduktionen einschl. der Umsetzung. Im Projektbereich "Lärm und Stille" sind die Kinder die Hauptakteure: sie interviewen Menschen im Stadtteil nach Fragen, die sie selbst entwickelt haben, die Erwachsenen begleiten den Prozess, indem Kinder zur eigenen Mitte finden (Bauwerkstatt). Das Projekt "Punker ist gemeinsam mit Punkern entwickelt worden bis in die konkreten Details, nur so konnte die Beteiligung sichergestellt werden

Welche Gründe waren für die Auswahl der Zielgruppe ausschlaggebend?: 

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sind die wichtigste Zielgruppe der Primärprävention (als Endadressatengruppe). Die Eltern und Erwachsenen ermöglichen als MultiplikatorInnen oder VermittlerInnen den Zugang zu den Endadressaten.

Wie wird sichergestellt, dass die Zielgruppe sich beteiligt?: 

Bei der Planung der Vorhaben wird die Beteiligung frühzeitig thematisiert (mit den MultiplikatorInnen). Im Laufe der Umsetzung wird der Punkt nachgefragt, soweit Dokumentation oder Berichterstattung vereinbart ist, wird die Beteiligung abgefragt

An welchen Bedürfnissen der Zielgruppe wird angeknüpft?: 

Kindergartenkinder: selbst tätig sein, seine Sinne erproben, spielen, neugierig sein GrundschülerInnen: neues kennenlernen, Selbständigkeit einüben, den Aktionsradius ausdehnen SchülerInnen (ab 5. Klasse): Alternativen zur verkopften Schule erleben, sich bewegen Stadtteil: Verbesserung der Lebensqualität Punker: Anerkennung, Normalität (!), ein Zuhause haben

Wenn der Wettbewerbsbeitrag sich an Multiplikatoren richtet, welche sind das?: 
  • Eltern (Mütter/Väter)
  • Erzieher / Erzieherinnen (Schwerpunkt)
  • Jugendarbeiter / Jugendarbeiterinnen
  • Jugendbetreuer- und TrainerInnen in Sportvereinen (Schwerpunkt)
  • Lehrer / Lehrerinnen (Schwerpunkt)
  • Sozialarbeiter / Sozialarbeiterinnen
  • Sozialpädagogen / Sozialpädagoginnen
Zielt der Wettbewerbsbeitrag auf spezielle Substanzen? : 

nein

Auf welche Handlungsfelder der kommunalen Suchtprävention zielt der Wettbewerbsbeitrag?: 
  • Gesundheitsförderung
  • Jugendarbeit und Jugendhilfe
  • Kindergärten und Kindertagesstätten
  • Kriminalitätsprävention
  • Polizeiliche Arbeit
  • Schulen
  • Sportvereine
Welche Ämter/Dienstellen der Stadtverwaltung kooperieren in Ihrem Wettbewerbsbeitrag?: 
  • Jugendamt
  • Schulverwaltungsamt (federführend)
  • Stabsstelle nachhaltige und gesunde Stadtentwicklung (federführend)
  • Stadtplanungsamt (federführend)
Welche Institutionen/Akteure ausserhalb der Verwaltung sind darüber hinaus in die Organisationsstruktur Ihres Wettbewerbsbeitrag: 
  • andere Vereine
  • Ärzteschaft
  • Freie Träger
  • Institutionen bzw. Fachkräfte der Suchtprävention
  • Kindergärten / Kindertagesstätten
  • Kirchliche Einrichtungen
  • Polizei
  • Schule
  • Sonstige
  • Sportvereine
  • Unternehmen der Wirtschaft
Welche überörtlichen Institutionen/Akteure sind in die Organisationsstruktur Ihres Wettbewerbsbeitrags eingebunden? : 
  • Interkommunale Zusammenarbeit
  • Land
  • Saarländische Sportjugend
  • Staatliche Einrichtungen
Wie ist die Zusammenarbeit geregelt?: 
  • Arbeitsgemeinschaft
  • Projektgruppe
In welchem Jahr wurde mit der Entwicklung Ihres Wettbewerbsbeitrags begonnen?: 

1992

Seit wann ist besteht sein Angebot in der Praxis?: 

1993

Dabei Handelt es sich nach der Konzeption um ein:: 

Es ist ein Gefüge von langfristigen Angeboten und Strukturen, in das auch befristete Angebote integriert werden wie z.B. Videoproduktionen ebenso wie auch einmalige Aktionen wie z.B. Großveranstaltung "go sports"

Die Finanzierung in den kommenden vier Jahren ist:: 

wahrscheinlich gesichert

Setzen Sie in Ihrem Beitrag Verfahren der Suchtprävention ein, die in Ihrer Kommune neu sind?: 

ja, Percussion, Sport, Zirkusarbeit, Jazz als nonverbale Methoden der Suchtprävention Medienarbeit als Zugang zur Suchtprävention

Sprechen Sie mit Ihrem Beitrag in Ihrer Kommune neue Zielgruppen der Suchtprävention an?: 

ja, Kindergartenkinder, GrundschülerInnen, Jugendtrainer und -betreuerInnen aus Sportvereinen, Punker, ausländische Jugendliche

Welche anderen Neuerungen der Suchtprävention in Ihrer Kommune enthält der Wettbewerbsbeitrag darüber hinaus? : 

Es werden neue Handlungsfelder erschlossen - z.B. Kindergarten, Grundschule, Sportverein. Erstmals werden Fortbildungsangebote Suchtprävention angeboten. Erste Netzwerkstrukturen entstehen

Gibt es eine schriftliche Konzeption der Suchtprävention in Ihrer Kommune?: 

ja, 1996

Sind eigene Bedarfserhebungen für die Bestimmung der Zielgruppe der Suchtpävention angefertigt worden?: 

ja, Befragung von Schlüsselpersonen, die ein vielfach unbestelltes Feld zu Tage brachte: in einigen weiterführenden Schulen wurde Suchtprävention umgesetzt, in Jugendarbeit nur ganz selten. Damit befasst waren fast ausschließlich Präventionsfachkräfte und LehrerInnen

Welchem konzeptionellen Modell lässt sich der Wettbewerbsbeitrag nach seinem Schwerpunkt zuordnen?: 
    Auf welche Ansatzpunkte beziehen sich die Präventionsmassnahmen?: 
    • Andere, Selbsthilfe, Partizipation
    • Gemeinde, Aufbau von stadtteilbezogenen Netzwerken, Abbau von Berührungsängsten und Vorurteilen (Alt-Jung, verschiedenen Jugendszenen, Punker und NormalbürgerInnen), Verbesserung der inneren Sicherheit, Bürgerengagement
    • Protektive Faktoren, Wahrnehmungsfähigkeit, Konflikt-, Genussfähigkeit, Selbstsicherheit und Selbstwertgefühl, Körpergefühl, Fähigkeit zur Entspannung, Balancefähigkeit, Bewegungsfähigkeit, Zukunftsorientierung
    • Risikofaktoren, Punker: Verfügbarkeit von Drogen fast jeder Art Schüler: Schulstress, Lärm, Arbeitslosigkeit der Eltern, Familiensituation
    Welche Materialien und Medien kommen zum Einsatz?: 

    Eigene Medien zur Suchtprävention (z.B. Broschüre "Vollcool?", Video zum Nichtrauchen), Materialien und Medien der BZgA (Kinder stark machen) und anderer Städt und Präventionsstellen (z.B. Nürnberg) Arbeitsblätter u.a. Materialien aus der Fachliteratur uhnd Jugendarbeit Vin Kursleitern erstelltew Materialien (siehe Anlage: Dokumentationen) Materialien zur Bewegungs- und Körperarbeit, zu Medationen Theaterstücke zur Suchtprävention

    Welche Fortbildungsangebote für die Multiplikatoren werden angeboten?: 

    Fortbildung zu den Themen Lärm-Stille.Mediation, Bewegter Unterricht, Autogenes Training, Rhytmik und Bewegung, Medienerziehung, Kollegiale Beratung, Computer-Gesundheit-Sucht, Nachbarschaftsschule. An 16 Fortbildungsangeboten (Halbtags- und Tagesverabstaltungen) nehmen zwische 1992 und 2001 355 Personen teil.

    Gibt es eine Zeitplanung für den Wettbewerbsbeitrag?: 

    ja, 3 Jahre und mehr

    Wie gross ist die Anzahl der regelmäßig teilnehmenden Personen der Zielgruppe?: 

    800