Lippstadt

Typ: 
kreisangehörige Stadt/Gemeinde
Einreichende Dienststelle: 
Abt. Allg. Jugendhilfe
Name des Ansprechpartners: 
Frank Osinski
Funktion des Ansprechpartners: 
Stadtjugendpfleger
Straße/Postfach: 
Stadt Lippstadt; Ostwall 1; 59555 Lippstadt
Postleitzahl: 
59555
Bundesland: 
Nordrhein-Westfalen
Telefon des Ansprechpartners: 
02941980703
Telefax des Ansprechpartners: 
02941980709
Internetadresse der Kommune: 
http://www.stadt-lippstadt.de

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Titel des Wettbewerbsbeitrags

"Time-out" Schülerseminare zur Suchtvorbeugung in Lippstadt

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

SCHÜLERSEMINARE ZUR SUCHTVORBEUGUNG IN LIPPSTADT

Seitdem die Suchtprävention sich nicht mehr als Abschreckungspädagogik versteht, sondern als ganzheitliche Kompetenzstärkung (Jugendministerkonferenz 1993), vereinnahmen fast alle Jugendkonzepte den Fachbegriff der Prävention für ihre Zielformulierung. Es kam zu einer Begriffsvermischung und -verunsicherung großen Ausmaßes.

Im KJHG von 1991 noch kaum erwähnt, trat der Begriff "Prävention" nun einen beeindruckenden Siegeszug an. Bei aktuellem Gebrauch schwingt eine Heilsgewissheit mit, der sich weder Sozialarbeit noch Politik entziehen können,

Eine Zuordnung von praktischen Maßnahmen und Methoden lässt sich seither oft nur noch analytisch vollziehen. Alles will Prävention sein: Jedes Projekt der Sozial- und Jugendhilfe stärkt ganzheitlich die Lebenskompetenz der Menschen und beugt Schlimmerem vor. So wird jedes Fußballturnier, jede Freizeitmaßnahme, jeder Kindergartenplatz zur Prävention. Sucht, Gewalt, Konsum,.-eigentlich für / gegen Alles.

Für die hier vorzustellenden Schülerseminare beanspruchen wir die alte Charakterisierung als "Bildungsmaßnahme", auch wenn der Zauber des Allheilmittels dann zugunsten des spröden Charmes der bewährten Hausapotheke verloren geht,

WAS?

Als die Anfragen der Schulen nach Angeboten zur Suchtvorbeugung 1998 immer häufiger wurden, entschlossen sich Mitarbeiter des Kommissariats Vorbeugung der Kreispolizei Soest und des Sachgebiets Jugendpflege der Stadt Lippstadt, gemeinsam ein Konzept zu entwickeln, um mit Schülern und Schülerinnen zu dem Thema "Sucht" zu arbeiten, Diese Zusammenarbeit war zum damaligen Zeitpunkt für Lippstadt neu und eher ungewöhnlich.

Zu einem späteren Zeitpunkt wurde dann die Arbeitsgruppe "Prävention im Team" (PIT) gegründet, in der die begonnene Vernetzung auch auf andere Fachkräfte der Suchtvorbeugung ausgedehnt wurde.

Die neu entwickelten Schülerseminare wurden im gleichen Jahr an den ersten Schulen durchgeführt. Aufgrund der vielen positiven Rückmeldungen von den Schülern und Schülerinnen und Lehrern, wurde die Arbeit konzeptionell weiterentwickelt und ein zweites Seminar zum Thema "Gewalt" angeboten,

Der Name "Time out", der eine Auszeit im Sport anzeigt, soll ähnliche Funktionen andeuten wie eben dort:

Innehalten im rasanten Lauf des Spiels (Lebens), um die Taktik noch einmal neu zu bedenken.

Warum?

Die wichtigsten Ziele von "Time out" sind:

  • Sensibilisierung für eigene Bedürfnisse und Gefühle
  • Verbesserung sozialer und kommunikativer Handlungsmöglichkeiten
  • Informationen über Suchtmittel und ein gleichberechtigtes Gespräch über Rausch, Sucht und Abhängigkeit.

Wie?

Die Schülerseminare wenden sich an die Jahrgangsstufen 7+8, also an Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren. Darüber hinaus können auch Jugendgruppen und Sportvereine das Angebot abfragen.

Die Teilnehmerzahl sollte 16 Personen nicht übersteigen, Schulklassen werden in der Regel getrennt und nehmen in zwei Etappen an zwei verschiedenen Tagen teil, Der zeitliche Umfang beträgt je Gruppe 6 Schulstunden,

Der Lehrer / die Lehrerin ist nicht anwesend, um einen Rahmen zu schaffen, der auch das vertrauliche Reden über beispielsweise Rauscherfahrungen zulässt. Es wird ein Nachgespräch mit der Lehrerin, dem Lehrer geführt, in dem auch weitergehende Aktionen oder erneute Besuche besprochen werden.

Die Seminare finden nicht in der Schule, sondern in einem benachbarten Jugendzentrum oder Gemeindehaus statt.

Durchgeführt wird "Time out" von:

Burkhard Pukrop (Kreispolizei Soest, Kommiss. Vorbeugung) Frank Osinski (Jugendpfleger der Stadt Lippstadt)

WOMIT?

Im Folgenden sollen beispielhaft einige Methoden vorgestellt werden, die in dem Seminar zum Einsatz kommen;

Auch bei Schulklassen verzichten wir nicht auf eine Kennlernphase, für die zumeist das "Partnerinterview" eingesetzt wird. Hierbei findet man sich zu zweit zusammen und hat 10 Minuten Zeit, den Partner nach seinen Interessen zu befragen. Später muss dieser in der Runde mit seinen Hobbys, Lieblingsfächern, etc. vorgestellt werden. Besonderer Reiz: Einer der Punkte soll erlogen sein und von der Gruppe erkannt werden,

Diese Übung schafft Gesprächsbereitschaft, Interesse aneinander und bietet den Gruppenleitern die Gelegenheit, sich später auf die vorgestellten Eigenheiten zu beziehen.

Bei der Reise auf eine einsame Insel bekommen die Reisenden eine Liste mit Luxusartikeln, von denen sie aber nur 5 Gegenstände mitnehmen können. Später müssen sie ihre Ausrüstung noch einmal reduzieren,

Außer Zigaretten und Bier stehen keine klassischen Suchtmittel auf der Liste trotzdem verstehen die Jugendlichen sehr schnell was dieses Spiel mit Sucht zu tun hat und erzählen sehr bereitwillig, worauf sie selbst nicht verzichten können.

In einem zweiten Teil dieses Abschnitts geht es um eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Suchtbegriff,

Zwischen den Polen "Sucht" und "Keine Sucht" müssen die Jugendlichen Situationen bewerten und einordnen, zum Beispiel:

Die Diskussion ist erst beendet, wenn sich alle auf eine Rangfolge geeinigt haben.

POSITIVES FEEDBACK

Die Übung "Mein Klassenklima" dient der Sensibilisierung für Gruppenprozesse in der Klasse und deren Bedeutung für das Wohl- und Selbstwertgefühl des Einzelnen.

Die Jugendlichen kreuzen auf einem Fragebogen anonym Zustandsbeschreibungen an, die das Klima in ihrer Klasse betreffen. Die Verteilung der Kreuze gibt schließlich einen Stimmungsbericht, der besprochen und auch an die Klassenlehrerln weitergegeben wird.

Es finden sich Partner, die sich mit Stift und Papier ausrüsten und sich gegenüber hinsetzen, Sie dürfen nicht miteinander sprechen und müssen nun Eigenschaften aufschreiben, die sie an ihrem Gegenüber positiv finden, Negative Bemerkungen sind ausdrücklich nicht erlaubt. Sind die Partner fertig, lesen sie sich gegenseitig ihre Aufzeichnungen vor.

In der großen Runde werden keine Ergebnisse mehr mitgeteilt, wohl aber wird ausführlich über aufgekommene Hemmungen und Gefühle gesprochen, Darüber hinaus wird ein Vergleich zum Alltag gezogen: Wann loben wir? Wann lästern wir? Wann bin ich betroffen?

ICH UND DIE GRUPPE

Relativ selten geben Jugendliche zu, dass sie einem permanenten Gruppendruck ausgesetzt sind, Besonders in Bezug auf Mode oder Musikgeschmack ist diese Dynamik für sie nicht erkennbar. Um so mehr sind ihnen Situationen bekannt, in denen sie Gruppen als enthemmter, gelöster, ja gefährlicher als Einzelpersonen erlebt haben,

Die Gruppe bekommt die Aufgabe, einen Hula-Hoop-Reifen auf dem Zeigefinger gemeinsam zu balancieren und dann auf den Boden zu legen,

Fast allen Gruppen fällt dies sehr schwer, da sich der Fingerdruck des Einzelnen in der Gruppe potenziert und der Reifen nach oben wandert.

Selbstvertrauen

Die Gruppe bekommt die Aufgabe, über ein Seil zu klettern, das in Nabelhöhe gespannt ist, Das Seil darf nicht berührt werden. Hilfsmittel sind nicht erlaubt, Alle Gruppenmitglieder müssen während der Zeit in körperlichem Kontakt zueinander stehen.

Die Übung stellt hohe Anforderungen an das Engagement, den Zusammenhalt und das Vertrauen untereinander. Wer geht als Erster, wer geht als Letzter? Wie tragen und sichern wir uns gegenseitig? Wer dirigiert die Abläufe?

ROLLENSPIELE

Die Reflexion der Rollenspiele stellt genau wie bei den gruppendynamischen Übungen die wichtigste Aufgabe für den Spielleiter dar, damit aus der Spielerfahrung eine Lernerfahrung wird. im Idealfall gelingt es, eine Kommunikation der Jugendlichen untereinander über das Erlebte anzustoßen,

Einen großen Anteil in den Schülerseminaren bilden die Rollenspiele, die den Jugendlichen die Möglichkeit bieten, bestimmte Situationen spielerisch zu erleben und eigene Problemlösungen auszuprobieren.

Um auch den "Schauspielern" die Sichtweise des distanzierten Betrachters zu ermöglichen, wird grundsätzlich eine Videokamera eingesetzt. Dies bietet neben der höheren Motivation der Jugendlichen zusätzlich die Möglichkeit, die einzelnen Szenen des Rollenspiels differenzierter auszugestalten, da Unterbrechungen und Wiederholungen jederzeit möglich sind, Auch Opfer- und Täterrollen oder typische Beziehungsmuster werden in der Bildschirmsicht oftmals deutlicher,

Die Vorgaben für solche Rollenspiele sind auf eine kurze Beschreibung der darzustellenden Situation und der handelnden Personen beschränkt, Es dürfen auch völlig neue Ideen für einen Clip entwickelt werden, Besonders die etwas jüngeren Teilnehmer nutzen begeistert die Verkleidungskiste,

AUSBLICK

Das Projekt "Time out" soll zukünftig noch stärker zum Ausgangspunkt für weltergehende Maßnahmen zur Suchtvorbeugung entwickelt werden, Das neu gegründete Fachgremium "Prävention im Team" stellt die hierfür notwendige Basis dar, Im März 2002 wird zusätzlich an den Schulen eine Aktion zum Thema "Lebensglück" begonnen.

Eine eher ungewöhnliche Maßnahme entwickelte sich Im Sommer 200T aus einem Schülerseminar, Eine Lippstädter Realschulklasse fiel durch Ihre überdurchschnittlich auffälligen Konsummuster im Bereich des Fernsehens und der PC-Spiele auf. In Zusammenarbeit mit der Meilen Jugendarbeit entwickelten die ''Time out" -Leiter ein Live-Computer-Spiel für eine ganze Nacht in einem Privatwald und luden die Klasse dazu ein, Die Veranstaltung müßte leider kurzfristig abgesagt werden, soll aber im kommenden Sommer erneut angeboten werden,

Die an zwei Hauptschulen begonnenen Lehrerfortbildungen zum Thema "Sucht" sollen auch an anderen Schulen durchgeführt werden.

Fragen zum Wettbewerbsbeitrag

Welche Ziele werden mit dem Wettbewerbsbeitrag angestrebt?: 
  • einen suchtmittelfreien Lebensstil zu fördern
  • Erkennen von Zusammenhängen Persönlichkeit, Rausch und Sucht
  • Sensibilisierung der Bedürfnisse, Gefühle, Wünsche, Sehnsüchte und Träume
Gibt es Minimalziele?: 

ja, Verbesserung sozialer und kommunikativer Handlungsmuster

Von wem ist die Initiative für Ihr Präventionsprojekt ausgegangen?: 
  • Jugendpflege
Wenn sich Ihr Wettbewerbsbeitrag an Kinder und Jugendliche richtet, wurden dieses Zielgruppen in die Entwicklung des Angebots ei: 

nein

Welche Gründe waren für die Auswahl der Zielgruppe ausschlaggebend?: 

Die genannte Altersgruppe hat hohes Interesse an dieser thematik und bereits erste Erfahrung mit Suchtmitteln, in der Regel aber noch keine Gefährdungsdynamik

Wie wird sichergestellt, dass die Zielgruppe sich beteiligt?: 

Das Angebot wird von Lehrern und Eltern abgefragt. Die Schüler nehmen im Klassenverband daran teil. Im Falle von Jugend- oder Sportgruppen sind zumeist die Gruppen- oder Übungsleiter die Initiatoren und laden die Jugendliche zu der Veranstaltung ein.

An welchen Bedürfnissen der Zielgruppe wird angeknüpft?: 

Bedürfnis nach Information und Austausch zum Thema. Interesse an nicht kognitiven Vermittlungsformen (Übungen, Spiele, Videoclips)

Wenn der Wettbewerbsbeitrag sich an Multiplikatoren richtet, welche sind das?: 
    Zielt der Wettbewerbsbeitrag auf spezielle Substanzen? : 

    ja, auf

    Auf welche Handlungsfelder der kommunalen Suchtprävention zielt der Wettbewerbsbeitrag?: 
    • Jugendarbeit und Jugendhilfe
    • Schulen (Schwerpunkt)
    • Sportvereine
    Welche Ämter/Dienstellen der Stadtverwaltung kooperieren in Ihrem Wettbewerbsbeitrag?: 
    • Jugendamt (federführend)
    Welche Institutionen/Akteure ausserhalb der Verwaltung sind darüber hinaus in die Organisationsstruktur Ihres Wettbewerbsbeitrag: 
    • Institutionen bzw. Fachkräfte der Suchtprävention
    • Polizei
    • Sonstige
    Welche überörtlichen Institutionen/Akteure sind in die Organisationsstruktur Ihres Wettbewerbsbeitrags eingebunden? : 
      Wie ist die Zusammenarbeit geregelt?: 
        In welchem Jahr wurde mit der Entwicklung Ihres Wettbewerbsbeitrags begonnen?: 

        1998

        Seit wann ist besteht sein Angebot in der Praxis?: 

        1998

        Die Finanzierung in den kommenden vier Jahren ist:: 

        gesichert

        Setzen Sie in Ihrem Beitrag Verfahren der Suchtprävention ein, die in Ihrer Kommune neu sind?: 

        ja, -Zusammenarbeit zwischen Polizei und Sozialarbeit -Verbindung von Information und gruppendynamischen Übungen -eine andere Form der Suchtvorbeugung an schulen existierte bis auf Eigenprojekte der Lehrer zu diesem Zeitpunkt nicht

        Sprechen Sie mit Ihrem Beitrag in Ihrer Kommune neue Zielgruppen der Suchtprävention an?: 

        keine Antwort

        Gibt es eine schriftliche Konzeption der Suchtprävention in Ihrer Kommune?: 

        nein

        Sind eigene Bedarfserhebungen für die Bestimmung der Zielgruppe der Suchtpävention angefertigt worden?: 

        ja, Der Bedarf zeigte sich an den zunehmenden Anfragen der Lehrer, Eltern und Jugendgruppenleiter

        Welchem konzeptionellen Modell lässt sich der Wettbewerbsbeitrag nach seinem Schwerpunkt zuordnen?: 
        • Informationsvermittlung
        • Integriertes Modell (vglb. Life-Skills-Programmen)
        • Konzept der Lebenskompetenzförderung
        • Konzept des sozialen Lernens
        Auf welche Ansatzpunkte beziehen sich die Präventionsmassnahmen?: 
        • Protektive Faktoren
        • Risikofaktoren
        Welche Materialien und Medien kommen zum Einsatz?: 

        Arbeitsbögen, Mat. aus der Abenteuerpädagogik (Seile, Balken...), Videokamera und Monitor

        Welche Fortbildungsangebote für die Multiplikatoren werden angeboten?: 

        Lehrerfortbildungen

        Gibt es eine Zeitplanung für den Wettbewerbsbeitrag?: 

        ja, 3 Jahre und mehr