Celle

Typ: 
kreisangehörige Stadt/Gemeinde
Name des Ansprechpartners: 
Kai Thomsen
Funktion des Ansprechpartners: 
Geschäftsführer CD Kaserne Celle
Straße/Postfach: 
Stadt Celle - Sozialdezernat; Helmut-Hörstmann-Weg 1; 29221 Celle
Postleitzahl: 
29221
Bundesland: 
Niedersachsen
Telefon des Ansprechpartners: 
051419772910
Telefax des Ansprechpartners: 
051419772929
E-Mail des Ansprechpartners: 
thomsen@kaserne.net
Internetadresse der Kommune: 
http://www.celle.de

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Titel des Wettbewerbsbeitrags

In touch - (k)eine Zeit für Eitelkeit - Die ersten Celler Anti-Drogenwochen; Interdisziplinäre Strategien kommunaler Präventionsarbeit

Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags

Wettbewerbsbeitrag der Stadt Gelle für den Bundeswettbewerb
"Vorbildliche Strategien kommunaler Suchtprävention"

In Touch - (k)eine Zeit für Eitelkeit

Die ersten Celler Anti-Drogen-Wochen

Interdisziplinäre Strategien kommunaler Suchtprävention

Zwischen dem 29. April und dem 10. Mai 2001 fand im Jugend- und Veranstaltungszentrum CD Kaserne Celle (ein 33.000 qm großes Areal mit unterschiedlichsten Nutzern und Gebäuden) die erste gemeinsame, großangelegte Kooperationsveranstaltung "gegen Drogen" vieler Institutionen und Verbände aus Celle und dem Landkreis statt. Sowohl die theoretische Herangehensweise als auch die Formen der Kooperationen, Vernetzungen und Finanzierungen waren sowohl für die Stadt Celle als auch für sämtliche Beteiligte und die Initiatoren neu. Im Rahmen der ersten Celler Anti-Drogen-Wochen gab es viele Anfragen von Kommunen, die sich für das Konzept interessierten um ähnliche Aktivitäten in ihrer eigenen Kommune durchzuführen.

Entwickelt wurde das Konzept von der Betriebs gGmbH CD Kaserne Celle (Planung und Veranstalter), dem Harburger Berg (Planung und fachspezifischer Partner) und dem Gesellschafter der CD Kaserne (Stadt Celle).

Der Grundgedanke der Initiatoren war es, neue Formen der Präventionsarbeit zu entwickeln. Dies sollte im Rahmen einer Bündelung der verschiedenen Institutionen und Ansätze zum einen - zum anderen als interdisziplinäres Projekt geschehen.

Zielgruppendefinition

Die Kern-Zielgruppe der Celler Anti-Drogen-Wochen sollten Jugendliche und Erwachsene sein, wobei das Gesamtkonzept eine generelle Zielgruppenvermischung vorsah. Nebenzielgruppen stellten sowohl Fachpublikum als auch generell die interessierte Öffentlichkeit dar.

Interdisziplinäre Herangehensweise und Planung

Die Organisatoren kamen zum Schluß, dass bestehende Präventionsmaßnahmen einzelner Einrichtungen (z.B. Anti-Drogenpartys ohne Alkohol oder Vorträge über Drogenmissbrauch) Durch eine Bündelung effektiv ergänzt werden könnten. Hierbei kam man überein, durch interdisziplinäre Schulterschlüsse eine größere Reichweite zu erzielen.

Auf Initiative der CD Kaserne Celle und des "Harburger Bergs" wurde im Rahmen der Planung eine Projektgruppe gegründet, innerhalb der sämtliche Institutionen aus Stadt und Landkreis, die sich mit diesem Thema-direkt oder indirekt beschäftigen, zusammentrafen, um ein großangelegtes Gesamtprojekt zu initiieren. Grundlegend sollte es hierbei um ein Projekt gehen, das bei den Bedürfnissen der Zielgruppe ansetzt, die realen Lebenswelten der Zielgruppen und verschiedene Aspekte aus der Präventionsarbeit mit einbezieht.

Als "neuer", interdisziplinärer Ansatz wurde hierbei ein Schulterschluss der Begriffe "Kultur" und "Sozialwesen" begründet. Im methodischen Ansatz hieß dies, eine niedrigschwellige Angebotsstruktur zu schaffen, die Information, Entertainment, Prävention und Reflexion gleichermaßen beinhaltet, ohne dass mit einem ausdrücklichen pädagogischen Zeigefinger gearbeitet wird.

Als inhaltsangebende Präsentatoren fanden sich innerhalb einer erweiterten Arbeitsgruppe zusammen:

Harburger Berg, die Psychosoziale Beratungsstelle, Stadtjugendpflege, der Landkreis (Kreisjugendpflege, Gesundheitsamt), der Arbeitskreis Prävention Celle, die Polizei Celle, das Schlosstheater Celle, der Arbeitskreis Prävention Niedersachsen sowie die CD Kaserne Celle als Veranstalter.

Im Rahmen der erweiterten Arbeitsgruppe entwickelte sich das Projekt "Celler Anti-Drogen-Wochen" mit folgenden Kernzielen:

a) Die Celler Anti-Drogen-Wochen sollten verschiedene Aspekte der Drogenprävention (informative, emotionale, anschauliche, hedonistische Aspekte) in verschiedenen Aktionen bündeln.

b) Die Celler Anti-Drogen-Wochen sollen eine wiederkehrende Veranstaltung sein (z.B. zweijährlich) und die Kompetenz- und Handlungsfelder möglichst vieler Träger und Institutionen innerhalb einer gemeinsamen Aktion bündeln. Dadurch könne man eine möglichst große Reichweite erzielen. Diese gemeinsame Aktion sollte durch einen gemeinsamen Rahmen zusätzlich verbunden werden, den es galt noch zu finden.

c) Die Celler Anti-Drogen-Wochen sollen neben dem Kernziel, möglichst viele Jugendliche und Erwachsene zu erreichen, auch die Kommunikation und die Vernetzung zwischen Institutionen und Trägem fördern.

d) Um eine Realisierung zu gewährleisten sollten die Celler Anti-Drogen-Wochen interdisziplinär aufgebaut sein und folgende Disziplinen beinhalten:

  • Präventionsstrategische Aspekte (Zielsetzung),
  • Sozialpädagogische Aspekte (Zielsetzung),
  • Kulturelle Aspekte (aus Kunst, Unterhaltung, Musik und Theater),
  • Veranstaltungsspezifische Aspekte (Zielgruppengenauigkeit),
  • Betriebswirtschaftliche Aspekte (Grundlagen der Realisierung),
  • Marketingspezifische Aspekte (Breite Mobilisierung der Öffentlichkeit),
  • Aspekte der Vernetzung zwischen Institutionen und Industrie (Fundraising und Added Values).

Partner der Aktionswochen wurden nach dieser Festlegung die Cellesche Zeitung (Präsentator), die Deutsche Angestellten Krankenkasse, der Yogi Tee - Hersteller "Golden Temple" und die Buchhandlung Buchfink.

Ergebnis dieser regional und überregional vernetzenden Zusammenarbeit sind zwei Aktionswochen, die in Form eines modernen Ausstellungs- und Performance-Events mit einer Vielzahl von gesonderten und begleitenden Veranstaltungen die unterschiedlichsten Zielgruppen ansprechen.

Die Örtlichkeit der CD Kaserne wurde hierbei bewusst gewählt: Als größtes Jugend- und Veranstaltungszentrum des Landkreises mit einer Fläche von 33.000 Quadratmetern birgt es verschiedenste Vereine und Nutzer. Da es regional der einzige Veranstaltungsort für Großveranstaltungen im Bereich Jugendkultur ist, haben die Mitarbeiter immer wieder Berührung mit Drogenmissbrauch bei Jugendlichen.

Wissenschaftliche Betrachtung der interdisziplinären Projekt-Entwicklung:

Die geschilderte Systematik einer Projektentwicklung basiert auf einem methodischen Ansatz der systemisch orientierten Entwicklung, der es ermöglicht unterschiedliche Projekte im sozialen Bereich in verschiedenen Konstellationen zu entwickeln.

Der gemeinsame Rahmen der Anti-Drogen-Wochen

Als Rahmen für die beiden "Celler Anti-Drogen-Wochen" wurde für 2001 die Ausstellung "IN TOUCH" - (k)eine Zeit für Eitelkeit" gewählt. Die Ausstellung wurde vom Hamburger Verein für flexible Substitutionsbegleitung Subway e.V. initiiert. Inhalt der Ausstellung sind Portrait-Fotografien von Drogenabhängigen, die zum einen mit ihrem "normalen Alltagsgesicht" und zum anderen nach einem selbstgewählten, durch Stylisten und Visagisten begleiteten Styling "veränderten, schönen Gesicht" zu sehen sind.

"Die entstandenen Portraits werden jeweils nebeneinander, auf großformatige Stoffbahnen gedruckt, präsentiert. Durch diese Gegenüberstellung wird der Betrachter auf neue, sicher auch teils schockierende Art mit seinen sozialen Vorurteilen konfrontiert. Es geht um Respekt - sich selbst und anderen gegenüber. Und es gilt, in unserer visuell orientierten Welt die Kraft der Bilder in den Dienst der Aufklärung zu stellen. Denn Visionen sind der Beginn jeder Kultur" (Zitat aus der Ausstellungsbeschreibung).

0x01 graphic

Der Vorher-Nachher-Effekt der Bilder besitzt eine elektrisierende Ausdrucksstärke, die eine Reflexion über den Menschen "Drogenabhängiger", über den Missbrauch von Drogen und über allgemeine, gesellschaftliche Normen und Werte unmittelbar nach sich zieht.

Die Ausstellungsplanung wurde durch die Event- und Marketing-Abteilung der CD Kaserne Celle übernommen. Hierbei wurde die Ausstellung in der kleinen Veranstaltungshalle der CD Kaserne Celle in ihrer postindustriellen Atmosphäre aufgebaut. Um ein ganzheitliches Erlebnis zu fördern wurde die Ausstellung durch Punktstrahler beleuchtet und mit Musik des Minimai-Komponisten Phillip Glass ständig begleitet.
Die Halle bot desweiteren Raum für Aktionen (Podest, Sitzmöglichkeiten) wie Lesungen und Diskussionsforen. Die Ausstellung wurde für Besucher täglich zwischen 14:00 und 20:00 Uhr, am Wochenende zwischen 11:00 und 20:00 Uhr geöffnet. Zusätzlich gab es für Schüler und Schulklassen spezielle Schülertage. Es wurde sichergestellt, dass mindestens ein pädagogischer Mitarbeiter ständig anwesend ist, um, falls gewünscht, Gruppen und Einzelpersonen begleitend durch die Ausstellung zu führen. Der Besuch der Ausstellung war kostenlos.

Das kulturelle Rahmenprogramm

Eröffnet wurden die Aktionswochen durch eine Benefiz-Eröffnung in der großen Veranstaltungshalle. Durch den Abend mit einem bunten Musik- und Kleinkunstprogramm führte die Schirmherrin der Ausstellung TV-Star Lilo Wanders. Die Auswahl der Beiträge und die Schirmherrin sollten ein Garant für eine breite Öffentlichkeitswirkung und Medienpräsenz für die Anti-Drogen-Wochen werden.

Die pädagogischen Mitarbeiter des Vereins Subway / Hamburg führten sowohl am Abend als auch innerhalb der Aktionswochen durch die Ausstellung. Desweiteren waren auch einige der Porträtierten als Ansprech- und Gesprächspartner zu Gast eingeladen worden.

Als weitere spezielle Veranstaltungen waren ein ökumenischer Jugendgottesdienst in der Veranstaltungshalle, das Theaterstück "Bremer Freiheit" von Rainer Werner Fassbinder, ein Liederabend und Lesungen geplant.

Speziell für die Anti-Drogen-Wochen entwickelte der Dramaturg des Schlosstheaters Celle eine moderne Performance-Lesung: Unter dem Motto "Polaroids, Rave, Ecstasy!" fand eine Lesung mit den Schauspielern Cornelia Flöge und Ulrich Westermann vom Schlosstheater Celle statt. Die Schauspieler lasen hierbei Textausschnitte aus den Theaterstücken "Some explicit Polaroids", "Rave" und "Ecstasy", begleitet von Techno-Rhythmen.

In Kooperation mit dem Buchladen Buchfink und dem Jugendschützer der Stadt Celle wurde mit einem weiteren Schauspieler des Schlosstheaters die Lesung "Frag mal Alice" durchgeführt. Im Anschluss gab es eine Publikumsdiskussion zum Thema "akzeptierende Drogenarbeit aus aktueller Sicht", woran sich Fachkräfte beteiligten.

Als Abschlußveranstaltung fand eine Produktion des Arbeitskreises Prävention Niedersachsen in der Halle 10 der CD Kaserne statt. Dies geschah als Schülerveranstaltung vormittags und als reguläre Abendveranstaltung. Mit dem Titel "Stairways to Heaven - Drogenlieder aus den 60er und 70er Jahren" standen ehemalige Drogenabhängige auf der großen Bühne und interpretieren in die deutsche Sprache übersetzte Songs von Janis Joplin, Jimi Hendrix und vielen anderen, (Siehe auch Pressespiegel im Anhang 3)

Weitere Ereignisse

Die Anti-Drogen-Wochen wurden durch verschiedene flankierende Aktionen begleitet:

Während die Ausstellungsfläche in Halle 16 eine Kombination aus Ausstellungs- und Szenenfläche war und die große Veranstaltungshalle für die Großveranstaltungen genutzt wurde, bot das angrenzende Foyer der CD Kaserne Raum für Informations- und Austauschmöglichkeiten.

Während der Aktionswochen wurden von der Gastronomie der CD Kaserne an einer Cocktailbar alkoholfreie Cocktails bereitgehalten. Des weiteren gab es im Rahmen einer Kooperation mit der Firma "Golden Temple" einen Stand an dem man verschiedenste Sorten von Yogi-Tee kostenlos trinken konnte. Dieser "gesundheitspädagogische" Ansatz wurde unter dem Motto "Leben ohne Drogen - Einklang mit sich selbst" durch Yoga-Workshops einer Kundalini-Yogalehrerin des Dachverbandes deutscher Yogalehrer flankiert, wobei hier Meditationen gegen Suchtverhalten im Vordergrund standen. An einem Bücherstand konnte man Bücher zum Thema Sucht besehen und an einem weiteren Stand der Krankenkassen konnte man sich über die Präventionsarbeit der Krankenkassen informieren. Die Deutsche Angestellten Krankenkasse zeigte Informationsfilme zum Thema Suchtmittelmissbrauch.

Sämtliche Kommunikationsaktivitäten folgten hierbei einem modernen Marketingkonzept für Großveranstaltungen.

Fundraising / Sponsoring

Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt der Marketing- und Event-Abteilung lag bei der Finanzbeschaffung für die Realisierung der Anti-Drogen-Wochen. Durch eine langfristige Firmen-Akquise wurden ca. 12.000 DM durch Sponsor-Gelder und ca. weitere 15.000 DM leistungsgebundene Sponsoringaktivitäten (kostenlose Werbeleistungen, Druckleistungen etc.) erfolgreich zur Finanzierung des Projektes akquiriert. Die Sponsorenliste umfaßt insgesamt 23 Firmen aus unterschiedlichen Branchen.

Verlauf und Reflexion

Insgesamt wurden die ersten Celler Anti-Drogen-Wochen sehr positiv von den verschiedenen Zielgruppen aufgenommen. In Zahlen bedeutet dies zunächst:

  • 1.600 Menschen besuchten die Ausstellung
  • 1.000 Schüler kamen zu den speziellen Schülerveranstaltungen
  • 500 Menschen besuchten das kulturelle Programm
  • Alle Veranstaltungen wurden erfolgreich abgeschlossen.

Zwischen den Zahlen stehen Interaktionen, die durch eine quantitative Messung nicht zu beurteilen sind:

  • Die Kommunikation zwischen den Einrichtungen wurde erheblich verbessert und wird weitergeführt
  • Es fand eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema unterschiedlichster Personengruppen statt
  • Schranken und Vorurteile wurden abgebaut
  • Mitarbeiter der eigenen Einrichtungen befassen sich bewusster mit dem Thema "Drogen" und "Sucht".
  • Viele betroffene Eltern besuchten die Ausstellung und suchten Rat.
  • Viele Diskussionen in Schulklassen und Cliquen entstanden.
  • Die Zusammenarbeit der Einrichtungen findet in weiteren interdisziplinären Projekten Raum,
  • Aus den Anti-Drogen-Wochen heraus entstandene Ideen (wie z.B. Yoga) wurden erfolgreich als Einzelprojekte weitergeführt und erweitert (z.B. Kinder-Yoga).
  • Die Präventionsarbeit hat einen anderen Stellenwert erhalten.
  • Durch die Celler Anti-Drogen-Wochen konnte die Arbeit des Vereins Subway e.V. durch Verkauf von Büchern, Miete für die Ausstellung etc. auch finanziell unterstützt werden.
  • Sponsoren und Spender wurden langfristig davon überzeugt, ein Themengebiet zu unterstützen, dass nicht in einem traditionellen Sponsorengebieten (Kultur, Sport etc.) anzusiedeln ist.
  • Durch die massive mediale Präsenz der Aktionswochen im Vorfeld, währenddessen und im Anschluss, wurde eine zusätzliche Akzeptanz in der Öffentlichkeit für Präventionsarbeit geschaffen, die bis heute anhält und auf der andere Präventionsprojekte gut aufbauen können.

Jedoch haben die Organisatoren trotz des Erfolges auch kritisch reflektiert und die Grenzen der Präventionsarbeit kennengelernt:

So mussten sie feststellen, dass die Tabus in der Gesellschaft, sich mit Themen Sucht und Drogenproblematik zu beschäftigen, sehr tief verwurzelt sind. Man begegnete in den vielen Gesprächen zahlreichen Schwellenängsten.

Diese Beobachtungen haben die Initiatoren jedoch ermutigt, weitere interdisziplinäre Präventionsprojekte entstehen zu lassen.

Zur Zeit beginnt ein weiteres interdisziplinäres Präventionsprojekt mit der Zielgruppe Kinder (hier werden in Kooperation mit den Celler Grundschulen Musik, Kunst, Technologie und Prävention zu einem Projekt verknüpft) und die Planungen für die zweiten Celler Anti-Drogen-Wochen stehen kurz vor ihrem Beginn.

Autoren: Klaus Törkel / Kai Thomsen

Harburger Berg

Der Harburger Berg ist eine Einrichtung der Psychosozialen Beratungsstelle und ist in Trägerschaft des Ev. Luth. Kirchenkreises Celle. Im Jahr 1991 wurde die Arbeit mit jungen Suchtgefährdeten in der Harburgerstr. 20 aufgenommen. Zu diesem Zeitpunkt wurde ein Übergangswohnprojekt für wohnungslose Heroinkonsumenten ohne Clean-Anspruch aus der Stadt und dem Landkreis Celle im Harburger Berg realisiert. Bis zu 10 Klienten gleichzeitig konnten sich in der Einrichtung auf eine Entgiftung oder eine stationäre Therapie vorbereiten. Aus der niedrigschwelligen Arbeit hat sich in enger Kooperation mit fünf niedergelassenen Ärzten ein methadongestüztes Hilfeprogramm entwickelt, das täglich über 60 Klienten versorgt und betreut. Neben einer gesundheitlichen und sozialen Stabilisierung ist es das Ziel, dass möglich viele Klienten mit dieser ambulanten Versorgung langfristig suchtmittelfrei leben können.

CD Kaserne Celle

Seit 1996 gilt das Jugendzentrum CD Kaserne in Sachen Jugend, Kultur und Förderung als feste Institution in der gesamten Region. Mit seinen zwei Mehrzweckhallen und den weiten Gebäudearealen sammeln sich die unterschiedlichsten Mieter, Anbieter und Nutzer auf dem weiten Gelände. Die Betriebs gGmbH CD Kaserne, deren Jahrestat zu zwei Drittel aus kommunaler Unterstützung und zu ein Drittel aus eigenerwirtschafteten Mitteln besteht, arbeitet hierbei im Rahmen des Kinder- und Jugendhilfegesetzes. Sie ist für die Verwaltung von weiten Teilen des Gesamtgeländes verantwortlich. Neben dem Verwaltungsbereich mit einer Hausmeisterei kümmern sich die Abteilungen "Jugendarbeit" und "Marketing/ Events" um Angebote in den unterschiedlichsten Bereichen. Neben einem breiten Offenen-Tür-Angebot existieren die unterschiedlichsten Sportangebote in der großen Mehrzweckhalle.

Die Kulturarbeit auf dem Gelände der CD Kaserne wurde in den letzten zwei Jahren im Rahmen des Unternehmensauftrages systematisch professionalisiert und erweitert. Im gesamten Betrieb steht für die CD Kaserne eine Vernetzung mit anderen Institutionen im Vordergrund. Dies fängt in der Administration mit der IHK und der Landesvereinigung kulturelle Jugendbildung an, geht über regionale und überregionale Vernetzungen im Kulturbereich bei Kultur-, Förder- und Bildungsangeboten bis hin zur stadtteilorientierten Vernetzungen in der sozialräumlichen Jugendarbeit. Eine enge Zusammenarbeit besteht zwischen der Betriebs gGmbH und den vielen Mietern und Nutzern des Geländes. Das Bunte Haas ist als eigenständiges soziokulturelles Zentrum der bunte Farbtupfer auf dem

Gelände der CD Kaserne. Das Kino 8 Vi" ist vielen Menschen in Celle mittlerweile zu einem festen Kulturbegriff geworden, die Kunstwerkstatt Celle ist als feste Einrichtung für kinder- und jugendliche Kunstpädagogik mittlerweile etabliert. In der Metall- und Holzwerkstatt der Berufsbildenden Schulen II ( Axel-Bruns- Schule ) lernen Schüler die praktische Umsetzung ihres theoretischen Unterrichts, die Kreismusikschule hat in einen Gebäudetrakt ihre gesamte Rock- und Popabteilung untergebracht und der Kinderzirkus Knalltüte sorgt für Kinderakrobatik. Zur Vielseitigkeit des Geländes tragen zudem das Schlosstheater, die Stadtjugendpflege sowie das Atbert-Schweizer-Familien- Werk bei.

Fragen zum Wettbewerbsbeitrag

Welche Ziele werden mit dem Wettbewerbsbeitrag angestrebt?: 
  • den Einstieg in den Konsum von Suchtmitteln zu verhindern bzw. hinauszuzögern
  • den frühzeitigen Ausstieg aus riskanten Konsummustern zu fördern
  • Durchbrechung der herkömmlichen Perspektiven von Abhängigkeit und Isolation
  • einen suchtmittelfreien Lebensstil zu fördern
  • Grundsätzliche Thematisierung statt Tabuisierung
Gibt es Minimalziele?: 

ja, Eine Auseinandersetzung mit dem Thema Abhängigkeit auf verschiedenen Ebenen (visuell, kommunikativ, auditiv, erlebnis- bzw. kulturorientiert) für eine daraus resultierende Reflektion mit einer möglichst große Besucherzahl.

Von wem ist die Initiative für Ihr Präventionsprojekt ausgegangen?: 
  • Harburger Berg/Psychosoziale Beratungsstelle
  • Kommunale gGmbH CD Kaserne Celle
  • Verwaltung
Wenn sich Ihr Wettbewerbsbeitrag an Kinder und Jugendliche richtet, wurden dieses Zielgruppen in die Entwicklung des Angebots ei: 

nein

Welche Gründe waren für die Auswahl der Zielgruppe ausschlaggebend?: 

Jugendliche - als potenzielle Konsumenten (illegaler) Suchtmittel Erwachsene und Eltern - Stärkung ds Präventionsgedanken in der Erziehungsarbeit Mitarbeiter - Neue Kommunikations- und Vernetztungskreise, -möglichkeiten aufbauen

Wie wird sichergestellt, dass die Zielgruppe sich beteiligt?: 

Durch eine breite, niedrigschwellige Angebotsstruktur und zielgruppenspezifische Ansprache (Marketing)

An welchen Bedürfnissen der Zielgruppe wird angeknüpft?: 

Es wurde im Rahmen einer "kulturell-orientierten" Präventionsarbeit in erster Linie an den Bedürfnissen aller Zielgruppen nach Information, Kommunikation und Entertainment angeknüpft (Präventionsarbeit "erleben"!)

Wenn der Wettbewerbsbeitrag sich an Multiplikatoren richtet, welche sind das?: 
  • Ärzte / Ärztinnen
  • Ausbilder / Ausbilderinnen
  • Buchhandel
  • Einrichtungsmitarbeiter
  • Eltern (Mütter/Väter)
  • Erzieher / Erzieherinnen
  • Fachöffentlichkeit
  • Gleichaltrige / Peers
  • Interessierte
  • Jugendarbeiter / Jugendarbeiterinnen
  • Krankenkassen
  • Kursleiter / Kursleiterinnen
  • Lehrer / Lehrerinnen
  • Polizei
  • Sozialarbeiter / Sozialarbeiterinnen
  • Sozialpädagogen / Sozialpädagoginnen
Zielt der Wettbewerbsbeitrag auf spezielle Substanzen? : 

ja, auf

Auf welche Handlungsfelder der kommunalen Suchtprävention zielt der Wettbewerbsbeitrag?: 
  • Betriebe und Ausbildungsstätten
  • Gesundheitsförderung
  • Jugendarbeit und Jugendhilfe
  • Musikszenen und Jugendkultur
  • Polizeiliche Arbeit
  • Schulen
  • Sonstige Freizeitaktivitäten
Welche Ämter/Dienstellen der Stadtverwaltung kooperieren in Ihrem Wettbewerbsbeitrag?: 
  • Gesundheitsamt
  • Jugendamt
  • Sozialamt (federführend)
Welche Institutionen/Akteure ausserhalb der Verwaltung sind darüber hinaus in die Organisationsstruktur Ihres Wettbewerbsbeitrag: 
    Welche überörtlichen Institutionen/Akteure sind in die Organisationsstruktur Ihres Wettbewerbsbeitrags eingebunden? : 
    • AK Suchtprävention Niedersachsen (Göttingen)
    • Subway e.V. für flexible Substitutionsbegleitung (HH)
    • Und! Agentur für Prokjektentwicklung (HH)
    Wie ist die Zusammenarbeit geregelt?: 
    • Arbeitsgemeinschaft
    In welchem Jahr wurde mit der Entwicklung Ihres Wettbewerbsbeitrags begonnen?: 

    2000

    Seit wann ist besteht sein Angebot in der Praxis?: 

    2001

    Die Finanzierung in den kommenden vier Jahren ist:: 

    offen

    Setzen Sie in Ihrem Beitrag Verfahren der Suchtprävention ein, die in Ihrer Kommune neu sind?: 

    ja, 1. Theoretische Herangehensweise der "systemischen Interdisziplinarität" 2. Mischung aus Information, Kommunikation, Entertainment und Präventionsarbeit 3. Bündelung von möglichst vielen unterschiedlichen Institutionen und Trägern und deren Handlungen in einem vielfältigen, ziellgruppendifferenzierten Angebot zu einem gemeinsamen, bestimmten Zeitpunkt.

    Sprechen Sie mit Ihrem Beitrag in Ihrer Kommune neue Zielgruppen der Suchtprävention an?: 

    ja, Durch die Bündelung von Institutionen und Aktionen in einem gemeinsamen Rahmen und einem besonder s niedrigschwelligen Angebot fand durch die damit verbundenen Synergieeffekte eine Zielgruppenerweiterung auf einer sehr breiten Ebene statt (2+2=5 -Effekt)

    Welche anderen Neuerungen der Suchtprävention in Ihrer Kommune enthält der Wettbewerbsbeitrag darüber hinaus? : 

    Die Idee der "Ersten Celler Anti-Drogenwochen", kultur- und Präventionsarbeit zu vermischen, führte dazu dass sich auch Menschen mit dem Thema auseinandersetzen, die sich für Präventionsarbeit nicht interessieren. ("Man konnte in ein Konzert oder in eine Lesung gehen, und ganz nebenbei eine Ausstellung zum Thema anschauen und sich mit Menschen über Sucht auseinandersetzen, ohne dass man auf einer expliziten Präventionsveranstaltung war"). Dies führt nben der Zielgruppenerweiterung zu einer weiteren Enttabuisierung.

    Gibt es eine schriftliche Konzeption der Suchtprävention in Ihrer Kommune?: 

    nein

    Sind eigene Bedarfserhebungen für die Bestimmung der Zielgruppe der Suchtpävention angefertigt worden?: 

    ja, In Vorbereitungstreffen mit den in Frage kommenden Kooperationspartnern wurde eien Gesamt-Bedarfserhebung durchgeführt.

    Welchem konzeptionellen Modell lässt sich der Wettbewerbsbeitrag nach seinem Schwerpunkt zuordnen?: 
    • anderes Modell (ohne Beschreibung)
    • Informationsvermittlung
    • Konzept der Gesundheitsförderung
    • Konzept der Lebenskompetenzförderung
    • Konzept des sozialen Lernens
    Auf welche Ansatzpunkte beziehen sich die Präventionsmassnahmen?: 
    • Gemeinde
    Welche Materialien und Medien kommen zum Einsatz?: 

    Ausstellung, Musik, Konzert, Theater, Lesung, Workshops, Diskussionsforen, "Round-Table", CD, Büchertische, Fernsehen (Video), Flyer, Plakate, Bücher, Programmhefte, Pressemappen, etc.

    Welche Fortbildungsangebote für die Multiplikatoren werden angeboten?: 

    Workshop - Vermittlung von Entspannungstechniken gegen Suchtverhalten

    Gibt es eine Zeitplanung für den Wettbewerbsbeitrag?: 

    ja, bis zu 3 Jahre

    Wie gross ist die Anzahl der regelmäßig teilnehmenden Personen der Zielgruppe?: 

    2500