Landkreis Marburg-Biedenkopf

Landkreis Marburg-Biedenkopf

Auszug aus der Wettbewerbsdokumentation

Kommune und Wettbewerbsbeitrag im Überblick

Einwohnerzahl

251.800

Bundesland Hessen
Titel des Beitrags Hand in Hand - für den Kinder- und Jugendschutz
Schwerpunkt des Beitrags "Frühe Hilfen" zur Stärkung von Familien in besonders belasteten Lebenssituationen sowie Suchtprävention bei Kindern und Jugendlichen aus suchtbelasteten Familien
Einzelprojekte
  1. "Drachenherz"
  2. "Menschenskind"
Kontakt

Andrea Schroer
Landkreis Marburg-Biedenkopf
Fachbereich Gesundheit
Schwanallee 23
35037 Marburg
Tel.: 06421/4054116
E-Mail: schroera@marburg-biedenkopf.de

Anlass und Ausgangssituation

Nach bundesweiten Schätzungen leben bundesweit etwa 2,7 Mio. Kinder und Jugendliche in suchtbelasteten Familien - davon rund 300.000 von Eltern mit illegalem Suchtmittelkonsum. Viele dieser jungen Menschen sind aufgrund ihrer familiären Situation psychisch stark belastet und gehören daher zu einer Hochrisikogruppe für spätere Sucht- und psychische Erkrankungen. Eine Beratungsstelle für diese Zielgruppe sowie ein niedrigschwelliges Präventionsangebot für ganz junge Kinder aus Familien in besonderen Lebenslagen fehlte bislang im Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Konzeption und Ziele

Vor diesem Hintergrund wurden im Landkreis Marburg-Biedenkopf die beiden Angebote "Menschenskind" und "Drachenherz" entwickelt.

Das Ende 2006 unter Federführung des Fachbereichs Gesundheit des Landkreises in Zusammenarbeit mit dem Kinderschutzbund, der Frühförderstelle, den Jugendämtern sowie der Baby- und Kleinkindambulanz ins Leben gerufene Projekt "Menschenskind" versteht sich als ein Hilfs- und Förderangebot im Bereich "Frühe Hilfen" und will Familien in besonders belasteten Lebenssituationen (u.a. junge Mütter unter 20 Jahren, niedriges Bildungsniveau der Eltern, psychische Erkrankung von Mutter und /oder Vater) mit Kindern von 0 bis 3 Jahren erreichen. Ziel ist es, dem Risiko von Misshandlung oder Vernachlässigung der Kinder entgegenzuwirken und die Bindung zwischen Eltern und ihrem neugeborenen Kind zu stärken. Zur Erreichung dieser Ziele sollen Ressourcen der Risikofamilien identifiziert und gestärkt werden.

Das Projekt "Drachenherz" wurde 2007 gestartet und zielt auf die Entwicklungsbegleitung und -förderung von Kindern (ab vier Jahren) und Jugendlichen aus suchtbelasteten Familien, die aufgrund der suchtspezifischen innerfamiliären Bedingungen wichtige elterliche Zuwendung nicht in vollem Umfang erfahren.

Vorgehen und Umsetzung

"Menschenskind"

Träger von "Menschenskind" ist der Fachbereich Gesundheit des Landkreises Marburg-Biedenkopf in enger Kooperation mit dem Fachbereich Familie, Jugend, Soziales beim Landkreis und dem Fachbereich Kinder, Jugend und Familie der Universitätsstadt Marburg.

Betroffene Familien werden insbesondere durch Hebammen, Ärzte, Klinikpersonal und Beratungsstellen über das Projekt informiert und können sich selbst an den Fachbereich Gesundheit wenden oder werden dorthin vermittelt. Die Familien werden im Tandem von einer Hebamme und einer sozialpädagogischen Fachkraft betreut. Gemeinsam mit den betreuten Familien werden Aufgaben und Ziele festgelegt, die spätestens nach Ablauf von sechs Monaten überprüft und neu definiert werden. Inhalte der Arbeit sind Fragen zur Säuglingspflege und -ernährung, Beratung der Familie zu finanziellen, organisatorischen und vielen anderen Problemen sowie die Begleitung zu Ärzten und Behörden. Es erfolgt eine regelmäßige (monatliche) Dokumentation zur Entwicklung der Familie. Die Projektarbeit wird dann beendet, wenn die familiäre Situation stabilisiert ist, ausreichend eigene Ressourcen vorhanden sind oder die Anbindung an örtliche Angebote erfolgt ist. Bei einem Teil der in "Menschenskind" betreuten Familien liegen Suchtprobleme vor, häufig beim Vater, die Mütter verhalten sich oftmals co-abhängig.

In 2009 wurden insgesamt 40 Familien, von denen 38 Sozialleistungen bezogen, durch das Projekt unterstützt; im Oktober 2010 befanden sich 32 Familien in der Betreuung. Der bisherige Projektstatus des Angebotes soll 2011 in eine Regelleistung umgewandelt werden.

Fotos aus den Projekt-Flyern

"Drachenherz"

Träger von "Drachenherz" ist die Suchtberatungsstelle Marburg des Blauen Kreuzes in Deutschland e.V. Es werden Einzel- und Gruppenberatungen sowie Begleitgruppen für die Kinder und Jugendlichen aus suchtbelasteten Familien sowie Elterngespräche und eine Familienspieltherapie angeboten. In der Arbeit mit Kindern steht die ganzheitliche Entwicklung der kindlichen Persönlichkeit im Mittelpunkt. Handlungsebene ist dabei in erster Linie das freie Spiel. Im Spiel sollen die mit der jeweiligen Situation einhergehenden Gefühle wiedererlebt und so einer Bearbeitung zugänglich gemacht werden; gleichzeitig werden im "Probehandeln" eigene Lösungen und Antworten gesucht. Bei der Beratung von Jugendlichen stehen Gesprächsangebote im Vordergrund; flankierend werden vielfältige Medien hinzugezogen, z.B. Modellieren, Malen, Verfassen von Texten, Imaginationsübungen. Die begleitend zur Beratung der Kinder turnusmäßig stattfindenden Elterngespräche dienen dazu, Entwicklungen und mögliche Problembereiche des Kindes zu thematisieren und die Eltern über Unterstützungsmöglichkeiten zu beraten. In der Familienspieltherapie sollen Eltern und Kinder sich vom "defizitorientierten Miteinander" lösen und wieder gemeinsam positive Erfahrungen machen.

Aus dem Flyer von "Drachenherz"

"Drachenherz" wurde die ersten drei Jahre aus Projektmitteln finanziert und ist seit Ende 2010 ein dauerhaftes Angebot der Suchtberatungsstelle. Die Beratungsmodule werden durch die Philipps-Universität Marburg, Fachbereich Erziehungswissenschaften, wissenschaftlich evaluiert.

Begründung der Prämierung

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf engagiert sich in hervorragender Weise für die Verbesserung der Lebensumstände von Kleinkindern aus Familien in schwierigen, oftmals auch durch eine Suchtproblematik gekennzeichneten Lebenslagen sowie für Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien.

Gesundheitsförderung (Fachbereich Gesundheit beim Landkreis, Hebammen) und Jugendsozialarbeit (Fachbereich Familie, Jugend, Soziales beim Landkreis, Fachbereich Kinder, Jugend und Familie der Universitätsstadt Marburg, Sozialpädagoginnen) arbeiten dabei - wie es der Titel des Beitrags zum Ausdruck bringt - "Hand in Hand".
Die Angebote sind niedrigschwellig ausgerichtet und gewährleisten auf diese Weise den erfolgreichen Zugang zur Zielgruppe.

Zu würdigen ist zudem die vorbildliche Ergänzung der präventiven Angebote, insbesondere durch die Orientierung auf unterschiedliche Altersgruppen ("Menschenskind": 0- bis 3-Jährige, "Drachenherz": 4- bis 18-Jährige).
Beide Einzelprojekte sind in die Konzepte des Landkreises zur Alkoholprävention und zum Kinderschutz sowie in das Leitbild "Soziale Klammer" eingebettet, auf das sich die Fachbereiche und Stabsstellen des Landkreises Marburg-Biedenkopf mit sozialen Aufgabenstellungen in einem konstruktiven Zielfindungsprozess verständigt haben.

Hervorzuheben ist schließlich die Überleitung der Angebote aus dem Projektstatus in den Regelbetrieb, die bei "Drachenherz" bereits erfolgt und bei "Menschenskind" für 2011 vorgesehen ist. Hiermit wird ein zentraler Beitrag zur Nachhaltigkeit der Suchtprävention im Landkreis Marburg-Biedenkopf geleistet.

 

Foto: Jugendliche

 

Zum Originalwettbewerbsbeitrag des Landkreises Marburg-Biedenkopf.