Gemeinde Strullendorf

Auszug aus der Wettbewerbsdokumentation

Kommune und Wettbewerbsbeitrag im Überblick

Einwohnerzahl 7.805 (Stand: 31.12.2007)
Landkreis Bamberg
Bundesland Bayern
Titel des Beitrags Schau hin, mach mit! Bärenstark ohne Alkohol!
Schwerpunkt des Beitrags Kampagne zur Alkoholprävention bei Jugendlichen von 12 bis 18 Jahren, insbesondere Duchführung alkoholfreier Veranstaltungen und Feste
Kontakt Andreas Schwarz
Gemeinde Strullendorf
Bürgermeister
Forchheimer Straße 32
96129 Strullendorf
Tel.: 09543/822611
E-Mail: andreas.schwarz@strullendorf.de

Anlass und Ausgangssituation

Die Idee für eine Kampagne zur Alkoholprävention entstand im Elternbeirat der Volksschule Strullendorf. Besorgte Eltern von Schulkindern sahen Bedarf an alkoholpräventiven Maßnahmen, da auch in der kleinen Gemeinde Alkohol gesellschaftlich anerkannt, in den Alltag integriert und einfach sowie billig zu beschaffen sei und zudem öffentliche Grenzüberschreitungen im Alkoholkonsum teilweise amüsiert toleriert oder bewusst übersehen würden. Der Elternbeiratsvorsitzende nahm daraufhin Kontakt mit dem Bürgermeister auf und konnte diesen für die Präventionsidee der Eltern gewinnen. Parallel ergab auch die von einem Lehrer unter Schülerinnen und Schülern sowie Vereinsjugendlichen zum Thema Alkoholkonsum durchgeführte Befragung, dass Handlungsbedarf besteht. So gaben deutlich mehr als die Hälfte der befragten Jugendlichen an, gerne Alkohol zu trinken und Parties ohne Alkohol, langweilig zu finden.

Konzeption und Ziele

Vor diesem Hintergrund wurde in der Gemeinde Strullendorf gemeinsam von Elternbeirat, Schule und Bürgermeister 2006 ein Arbeitskreis zur Alkoholprävention initiiert, dem Schulleitung, Elternbeirat sowie Vertreterinnen und Vertreter von Jugendarbeit, Politik, Kirche, Vereinen sowie des örtlichen "Jugendparlaments" angehören und der im engen Kontakt mit dem Gesundheitsamt des Landkreises Bamberg sowie mit der Polizei steht. Der Arbeitskreis initiierte eine Kampagne zur Alkoholprävention "Schau hin, mach mit! Bärenstark ohne Alkohol" mit dem Schwerpunkt alkoholfreier Veranstaltungen und Feste.

Vorgehen und Umsetzung

Gäste verewigten sich auf einer Plakatwand zur Kampagne

Den Auftakt der Kampagne bildete der alkoholfreie Neujahrsempfang des Bürgermeisters 2007, bei dem auch das (aus einem Wettbewerb hervorgegangene) Logo der Kampagne und das für Vereine kostenlose Veranstaltungspaket (Jugendschutzgesetz, Plakate, Infowand, Flyer) vorgestellt wurden. Polizei und das Kreisgesundheitsamt flankierten den Empfang mit Informationen rund um das Thema Alkoholmissbrauch durch Jugendliche. Das Jugendparlament verwöhnte die Gäste mit alkoholfreien Cocktails und alle Gäste "verewigten" sich auf einer Plakatwand zur Kampagne.

Insbesondere die Vereine und andere Festveranstalter, aber auch Handel/Gastronomie/Tankstellen in der Gemeinde wurden in die Kampagne einbezogen. In Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt des Landkreises und der Polizei wurden ihnen in mehreren Veranstaltungen die rechtliche Situation erläutert und Empfehlungen für ihre Feste gegeben. Zudem erhielten sie bei Veranstaltungen das o.g. Paket mit Plakaten usw.

Des Weiteren wurde für Veranstaltungen im Gemeindegebiet ein verbindlicher Kriterienkatalog entwickelt, z.B.:

  • für jede Veranstaltung wird ein "Alkoholbeauftragter" benannt, der Ansprechpartner für Fragen und Probleme vor Ort ist,
  • mindestens ein attraktives alkoholfreies Getränk wird billiger als das günstigste alkoholische angeboten,
  • das Jugendschutzgesetz wird während der Veranstaltung ausgehängt,
  • alle Helfer der Veranstaltung wissen über das Jugendschutzgesetz Bescheid,
  • der Veranstalter verzichtet auf alle Werbemaßnahmen für Alkohol und weist auf die Teilnahme an der Aktion "Schau hin, mach mit! Bärenstark ohne Alkohol!" hin.

Feste und Veranstaltungen, die unter dem Kampagnen-Motto laufen, sind quasi "zertifiziert" und werden im Vorfeld im Gemeindeblatt mit dem Logo der Kampagne beworben.

Das örtliche "Jugendparlament" ist eng in die Umsetzung der Kampagne einbezogen (u.a. Mitglied in der Steuerungsgruppe "Arbeitskreis") und auch selbst Veranstalter von Festen unter dem Label der Kampagne. So organisierte das Jugendparlament bereits mehrere "promillefreie" Rockkonzerte in der Gemeinde Strullendorf.

Im Herbst 2008 schließlich unterzeichnete der Bürgermeister einen Kooperationsvertrag mit dem Landkreis Bamberg zur Übernahme des Projekts HaLT in der Gemeinde.

Begründung der Prämierung

Der Gemeinde Strullendorf mit knapp 8.000 Einwohnern ist es gelungen, eine von verschiedensten lokalen Akteuren und der kommunalpolitischen Spitze getragene Kampagne zur Alkoholprävention bei Jugendlichen erfolgreich zu etablieren - und noch dazu ein Leitbild zu entwickeln, wie die "Wegschau-Mentalität" vor Ort bekämpft werden kann.

Die relevanten Settings und Einrichtungen (Schulen, Vereine, Einzelhandel, Gastronomie) sind in die Präventionsarbeit eingebunden. Besonders hervorzuheben ist die gelungene Einbeziehung der örtlichen Vereine in die Kampagne, denen für ihre Veranstaltungen kostenlos ein Paket zur Alkoholprävention zur Verfügung gestellt wird, die aber auch konkrete Unterstützung durch Behörden und Polizei bei der Alkoholprävention erfahren.

Unter dem Aspekt der partizipativen Entwicklung und Umsetzung von Projekten und Maßnahmen als einem Erfolgsfaktor von Suchtprävention ist insbesondere die aktive Mitwirkung des gemeindlichen Jugendparlaments an der Kampagne positiv herauszustellen.

Die "Zertifizierung" von Veranstaltungen, die sich den Kampagnen-Kriterien unterwerfen und dafür im Vorfeld im Gemeindeblatt beworben werden, ist als innovativ zu loben.

Die recht vielfältigen Maßnahmen und Aktivitäten sind sowohl verhaltens- als auch verhältnispräventiv ausgerichtet.

Die langfristig angelegte Kampagne hat im Landkreis Vorbildcharakter und wurde von anderen Gemeinden bereits adaptiert.

Zum Originalwettbewerbsbeitrag der Gemeinde Strullendorf.