Landkreis Müritz

Auszug aus der Wettbewerbsdokumentation

Kommune und Wettbewerbsbeitrag im Überblick

Einwohnerzahl 66.503 (Stand: 31.12.2007)
Bundesland Mecklenburg-Vorpommern
Titel des Beitrags Kinder stark machen für die Zukunft
Schwerpunkt des Beitrags Flächendeckendes Präventionskonzept für frühzeitige, kontinuierliche und nachhaltige Sucht- und Gewaltprävention
Einzelprojekte

1. "Wir machen Zirkus"
2. Ausbildung von Selbstbehauptungstrainern und -trainerinnen

Kontakt Birgit Albrecht
Landkreis Müritz
Jugendamt
Zum Amtsbrink 2
17192 Waren (Müritz)
Tel.: 03991/782369
E-Mail: albrecht@landkreis-mueritz.de

Anlass und Ausgangssituation

Ergebnisse einer im Mai 2007 an allen weiterführenden Schulen der Klassen 5 bis 9 im Landkreis Müritz durchgeführten Befragung zum Thema "Legale und illegale Drogen" zeigten, dass fast die Hälfte der 15- bis 16-jährigen Jugendlichen mehrmals im Monat Alkohol trinkt; dabei waren kaum Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen festzustellen. Zudem machte die Umfrage deutlich, dass die Jugendlichen - ebenfalls geschlechtsunabhängig - immer früher mit dem Alkoholkonsum beginnen. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass Jugendliche, die sich in ihrer Freizeit sportlich oder musikalisch betätigen, weniger anfällig für den Konsum sowohl von Alkohol als auch von Nikotin sind.

Konzeption und Ziele

Vor diesem Hintergrund wurde im Landkreis Müritz vom Arbeitskreis "Jugend und Prävention" ein Mehrebenenkonzept für eine frühzeitige, kontinuierliche und nachhaltige Sucht- und Gewaltprävention erarbeitet. Oberstes Ziel ist es dabei, im Landkreis eine Suchtprävention zu verankern, die bereits im Kindergartenalter beginnt und bis in die weiterführenden Schulen andauert. Mit allen geeigneten Maßnahmen soll Suchtverhalten bei Kindern und Jugendlichen vorgebeugt werden. Dazu gehören Aufklärung und Beratung sowie Angebote, die Kinder und Jugendliche in ihrer Persönlichkeit stärken und das Bewusstsein für eigene Entscheidungen fördern sollen.

Vorgehen und Umsetzung

Zielgruppen des Konzeptes sind in erster Linie Kinder und Jugendliche und deren Familien, aber auch Multiplikatorinnen und Multiplikatoren wie Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer, Schulleitungen, Vereinssportlehrerinnen und -lehrer, Jugend- und Schulsozialarbeiterinnen und -arbeitern sowie Politik und Verwaltung.

Die Präventionsangebote sind sehr vielseitig und umfassen unter anderem:

  • Suchtprävention an Schulen: Unter dem Motto "Starke Kinder - keine Drogen" werden gemeinsam von der Suchtpräventionsstelle Waren, den Schulsozialarbeiterinnen und -arbeitern sowie der Polizeiinspektion Waren präventive Unterrichtseinheiten an den regionalen Schulen in den Klassen 5 bis 8 durchgeführt. Dabei variieren Inhalt und zeitlicher Umfang je nach Klassenstufe. Zudem werden speziell mit Schülerinnen und Schülern der 7. Klassen Ausstellungen zu Themen wie "Das Leben & der frühe Tod Prominenter durch Drogen" oder "Gesichter der Sucht" erarbeitet. Darüber hinaus werden an den Schulen in Projekttagen ein Quiz zum Thema Alkohol angeboten sowie ein Reaktionstest mit der Rauschbrille ermöglicht.
  • Zirkusprojekt: Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klassen, der Jugendeinrichtungen und Sportvereine üben verschiedene Zirkusstücke ein und präsentieren diese als ein zusammenhängendes Programm. Dabei steht die psychomotorische Entwicklung von Kindern im Mittelpunkt mit dem Ziel, die Eigentätigkeit der Kinder zu fördern, ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu stärken, sie zum selbständigen Handeln anzuregen und Kompetenzen im Umgang mit anderen zu erwerben.
  • Foto: Eltern mit Kindern

  • Veranstaltungen in Sportvereinen: Mit den haupt- und ehrenamtlichen Trainerinnen und Trainern werden ihre Vorbildfunktion diskutiert und Handlungsempfehlungen für die Sportvereine zum Umgang mit dem Thema Sucht erarbeitet.
  • Spezifische Angebote für Kinder suchtkranker Eltern: Um Ängste zu überwinden, die Persönlichkeit zu stärken und positive Gruppenerfahrungen zu machen, können die Kinder an erlebnispädagogischen Freizeiten im Kletterwald teilnehmen.
  • Fortbildung für Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter sowie interessierte Pädagoginnen und Pädagogen: Ziel dieser Aus- und Weiterbildung ist es, eine Einführung in die Methoden der Suchtprävention bei Kindern, Jugendlichen und Eltern zu geben und diese praktisch zu erproben.
  • Ausbildung von Selbstbehauptungstrainerinnen und -trainern: Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus den Bereichen Kindergarten, Schule, Jugendarbeit und Sportverein wird in Zusammenarbeit mit dem Institut für Gewaltprävention, Selbstbehauptung und Konflikttraining in einem fünftägigen Seminar theoretisches und praktisches Wissen zu den Themen Ich-Stärkung, Selbstbehauptung und Selbstverteidigung vermittelt. Viele der Fortgebildeten haben das erworbene Wissen bereits praktisch in Projekttagen mit Kindern und Jugendlichen angewendet.
  • Ausbildung von jungen Moderatorinnen und Moderatoren: Junge Leute werden animiert, sich ehrenamtlich zu engagieren und auf das Thema "Sucht" aufmerksam zu machen.

Begründung der Prämierung

Dem Arbeitskreis "Jugend und Prävention" des Landkreises Müritz ist es mit diesem Präventionskonzept erstmals gelungen, die punktuell vorhandenen Einzelansätze der verschiedenen mit Suchtprävention befassten Akteure im Landkreis flächendeckend zusammenzubringen und nachhaltig zu implementieren.

Der Arbeitskreis setzt sich aus sehr unterschiedlichen Akteuren zusammen, aus Vertreterinnen und Vertretern des Jugendamts Landkreis Müritz, der Stadt Waren (Müritz), der Polizeiinspektion Waren, der Evangelischen Suchtkrankenhilfe Mecklenburg, des Instituts für Gewaltprävention, Selbstbehauptung und Konflikttraining und des Kreisjugendrings Müritz e.V.

Das Gesamtkonzept, ein Mehrebenenkonzept für eine frühzeitige, kontinuierliche und nachhaltige Sucht- und Gewaltprävention, liegt schriftlich vor und überzeugt durch die fundierte Analyse der Vor-Ort-Situation (u.a. Umfrage bei den Zielgruppen), den umfassend angelegten Maßnahmenplan, die Breite der in den Blick genommenen Settings und Zielgruppen (Kinder und Jugendliche, Eltern, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus den Bereichen Jugendhilfe, Schule und Sport) sowie die vielfältigen konkreten Umsetzungsschritte.

Hervorzuheben ist zudem, dass bereits Maßnahmen zur Einbeziehung von Kindern im Kindergartenalter angeboten und Eltern, Vereine, Schulen sowie weitere Akteure aktiv in die Präventionsarbeit einbezogen werden.

Foto: Tanzende Kinder

Zum Originalwettbewerbsbeitrag des Landkreises Müritz.