Stadt Magdeburg

Auszug aus der Wettbewerbsdokumentation

Kommune und Wettbewerbsbeitrag im Überblick

Einwohnerzahl 230.140 (Stand: 31.12.2007)
Bundesland Sachsen-Anhalt
Titel des Beitrags Szene zeigen
Schwerpunkt des Beitrags Stoffübergreifende Suchtprävention bei Jugendlichen in Verbindung mit Medienpädagogik
Einzelprojekte 1. Szene zeigen! (Pilotprojekt 2006 bis 2008)
2. blue line (Nachfolgeprojekt)
Kontakt Daniela Diestelberg
Landeshauptstadt Magdeburg
Jugendamt
Wilhelm-Höpfner-Ring 4
39116 Magdeburg
Tel.: 0391/540-3180
E-Mail: daniela.diestelberg@jga.magdeburg.de

Anlass und Ausgangssituation

Der Bedarf für suchtpräventive Maßnahmen insbesondere für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche wird von der Stadt Magdeburg schwerpunktmäßig aus Faktoren abgeleitet, die sich aus der sozialen und wirtschaftlichen Lage der Kommune ergeben (u.a. hohe Arbeitslosigkeit, Zunahme von Schulverweigerern bzw. von Jugendlichen ohne Schulabschluss). Zudem ist auch in Magdeburg eine Absenkung des Alters, in dem der Erstkonsum von Suchtstoffen eintritt, zu beobachten. Hinzu kommen häufig eine hohe Risikobereitschaft der Jugendlichen sowie eine geringe Kompetenz zur Einschätzung des Gefahrenpotenzials von Suchtmitteln.

Konzeption und Ziele

Vor diesem Hintergrund initiierte die Stadt Magdeburg im Jahr 2006 das Präventionsprojekt "Szene zeigen", das jugendnahe Medienpädagogik mit modernen Strategien der Suchtprävention verknüpft. Ziel des Projektes ist es, insbesondere bei sozial benachteiligten Jugendlichen im Alter von 15 bis 25 Jahren eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema Drogen zu erreichen sowie ihre sozialen Kompetenzen zu stärken. Hierfür wurde ein niedrigschwelliges suchtpräventives Angebot entwickelt, dem ein Peer-Ansatz nach dem Motto "Von Jugendlichen für Jugendliche" zugrunde liegt. Der Peer-Ansatz sollte gewährleisten, dass bedarfsgerechtes und von Jugendlichen entwickeltes und akzeptiertes Präventionsmaterial zu den Themen "Genuss, Konsum, Sucht" erarbeitet wird.

"Szene zeigen" ist ein Kooperationsprojekt, bei dem das Ministerium für Gesundheit und Soziales, die Magdeburger Drogenberatungsstelle DROBS des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, eine Krankenkasse sowie der Offene Kanal Magdeburg mitwirken.

Logo von Szene zeigen

Vorgehen und Umsetzung

Das Projekt "Szene zeigen" wurde im Zeitraum 2006 bis 2008 umgesetzt und gliedert sich in drei Teilprojekte:

  • Im Teilprojekt "Filmwettbewerb" drehten Jugendliche im Rahmen von Schulprojektwochen sowie außerschulischen Projektwochen Kurzfilme zum Themenfeld "Genuss - Konsum - Sucht", die auf einem Filmfestival als Wettbewerbsbeiträge vorgestellt und prämiert wurden. Die Durchführung der Projektwochen waren gekennzeichnet durch ein hohes Maß an Eigenverantwortung unter den Teilnehmern. Die Jugendlichen waren für die Themenfindung, Rollenbesetzung und -ausgestaltung, die Requisiten sowie für die technische Umsetzung selbst verantwortlich. Die fachliche Begleitung erfolgte durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Drogenberatungsstelle DROBS des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes sowie durch einen Medienpädagogen der Universität Magdeburg. An dem Filmprojekt beteiligten sich insgesamt 94 Jugendliche. Die Filmarbeit erfolgte in kleinen Gruppen. Eine geschlechtersensible Umsetzung der Projektarbeit wurde gewährleistet. So wurde z.B. ein Filmprojekt zum Thema Essstörungen nur mit Mädchen realisiert. Innerhalb eines Jahres entstanden auf diese Weise zwölf Filme von Jugendlichen für Jugendliche, die von Schulen für ihre Präventionsarbeit ausgeliehen werden können. Das Teilprojekt "Filmwettbewerb" wurde vom Wissenschaftszentrum Berlin evaluiert.
  • Im Teilprojekt "Postkartenwettbewerb" wurden von Jugendlichen entworfene Motive für Plakate und Citycards zum Themenfeld "Genuss - Konsum - Sucht" gesucht. Aus den über 400 eingereichten Entwürfen wurde ein Medienpaket zusamengestellt, das beispielsweise von Schulen und Jugendfreizeiteinrichtungen genutzt werden kann. Darüber hinaus wurden die besten Plakatentwürfe durch eine Medienfirma in ganz Magdeburg präsentiert.
  • Im Teilprojekt "Entwicklung einer Handreichung für Multiplikatoren" wurde von der Fachstelle Suchtprävention der Stadt Magdeburg gemeinsam mit der Drogenberatungsstelle DROBS eine Arbeitshilfe für die Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern sowie von Präventionsfachkräften zur Entwicklung und Umsetzung von Filmprojekten in der Präventionsarbeit bei Jugendlichen erarbeitet. Die Handreichung wird im Frühjahr 2009 allen Lehrerinnen und Lehrern der Sekundarschulen in Madgeburg und Sachsen-Anhalt zur Verfügung gestellt.

Seit 2009 findet das Projekt seine Fortsetzung im Projekt "blue line", einem Internetportal zum Thema Alkoholmissbrauch. Das Internet soll hierbei als "Türöffner" zu Jugendlichen dienen. Auch in diesem Projekt sind Jugendliche die "Macher". Sie erstellen Fotos, Comics, Collagen zum Thema Alkohol. Zum Mitmachen, d.h. zur Auseinandersetzung mit dem Thema Alkohol, soll ein Jugendwettbewerb motivieren. Die Ergebnisse der Arbeit der Jugendlichen werden nicht nur im Internet gemeinsam mit Informationen zum Download bereitgestellt, sondern auch in einer Galerie öffentlich ausgestellt.

Begründung der Prämierung

Der vom Jugendamt der Stadt Magdeburg eingereichte Wettbewerbsbeitrag knüpft an einer besonderen Bedarfslage für benachteiligte Jugendliche an. Der gewählte Peer-Ansatz "Jugendliche für Jugendliche" verspricht eine besondere Authentizität gegenüber dieser Zielgruppe. Die gewählten Medien Film, Plakate und Citycards entsprechen der Form nach sowohl dem Interesse der Jugendlichen als Produzenten als auch den Mediengewohnheiten dieser Zielgruppe. Die suchtpädagogische Arbeit geht hier eine gelungene Verbindung mit kreativer künstlerischer Arbeit unter Nutzung von für Jugendliche interessanten Medientechniken ein.

Das Projekt "Szene zeigen" hat wesentlich zur Netzwerkarbeit und Kooperation in der kommunalen Suchtprävention der Stadt Mageburg beigetragen, indem es unterschiedliche Akteure aus den Bereichen Suchtprävention, Gesundheitsförderung und Medienpädagogik mobilisiert und für eine Mitwirkung gewonnen hat. Eine Fortführung dieser Netzwerkarbeit verspricht das für die Zeit ab 2009 entwickelte Anschlussprojekt "blue line", in welches die entwickelten Arbeitsstrukturen übernommen werden.

Hervorzuheben ist auch die von der Stadt Mageburg mit der ortsansässigen Hochschule eingegangene Kooperation, die ihre medienpädagogische Kompetenz in das Projekt einbringt. Hier wurde ein Standortfaktor der Stadt erfolgreich für die Präventionsarbeit aktiviert.

Die Flächenwirkung in die 40 Stadtteile Magdeburgs wird auf mehreren Wegen erzielt: Die entwickelten Produkte (prämierte Filme, Plakate, Citycards) wurden allen Schulen der Stadt zur Verfügung gestellt. Zudem sind die prämierten Plakate in der gesamten Stadt verbreitet worden. Das für Lehrer und Multiplikatoren entwickelte "Handbuch" dient als Instrument dafür, die gewonnenen Erfahrungen über den begrenzten Rahmen des "Modellprojektes" hinaus fruchtbar zu machen. Die Verbreitung der Projektergebnisse erfolgt zudem landesweit sowie über das Internet. Durch diesen Magdeburger "Export" konnte auch das finanzielle Engagement des Landesministeriums am Projekt effizient werden.

Der erfolgreiche Ansatz des Projekts wird durch die vom Wissenschaftszentrum Berlin durchgeführte Evaluierung des Teilprojekts "Filmwettbewerb" bestätigt: Der Evaluationsbericht bescheinigt positive Präventionseffekte auf die am Modellprojekt mitwirkenden Jugendlichen.

Bilder aus dem Projekt blue line

Zum Originalwettbewerbsbeitrag der Stadt Magdeburg.