Landkreis Lörrach
Auszug aus der Wettbewerbsdokumentation
Kommune und Wettbewerbsbeitrag im Überblick
| Einwohnerzahl |
222.528 (Stand: 31.12.2007) |
| Bundesland |
Baden-Württemberg |
| Titel des Beitrags |
Präventions-Netzwerk "LIFE goes on" |
| Schwerpunkt des Beitrags |
Tabak-, Alkohol-, Essstörungen-, Cannabis-, Gewaltprävention |
| Einzelprojekte |
1. KiSEL - Hilfen für Kinder suchtkranker Eltern
2. Midnight Sport Lörrach |
| Kontakt |
Brigitte Baumgartner
Landkreis Lörrach
Dezernat für Jugend und Soziales
Palmstraße 3
79539 Lörrach
Tel.: 07621/4105020
E-Mail: suchtbeauftragte@loerrach-landkreis.de |
Anlass und Ausgangssituation
Im Jahr 1997 starben im Landkreis Lörrach 14 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums. Damit nahm der Kreis einen unrühmlichen ersten Platz unter den Landkreisen in Baden-Württemberg ein. Fachleute gingen davon aus, dass zu diesem Zeitpunkt im Landkreis mehr als 1.000 Personen chronisch oder akut von harten Drogen abhängig waren.

Daraufhin wurde 1999 in enger Zusammenarbeit mit den im Bereich Drogenhilfe tätigen Verbänden sowie unter Einbindung der Polizei und der Stadt Lörrach eine Konzeption der Drogenhilfe für den Landkreis Lörrach erarbeitet und im Kreistag beschlossen. Im Jahr 2000 gründete sich dann "LIFE", die Lörracher Initiative für Engagement in der Suchtprävention, mit dem Ziel, gemeinsam Präventionsprojekte für Kinder und Jugendliche durchzuführen und in der breiten Öffentlichkeit zur Auseinandersetzung mit dem Thema Suchtprävention anzuregen. Über einen Zeitraum von fast einem Jahr wurde Kindern und Jugendlichen, aber auch Erwachsenen ein weit aufgefächertes Präventionsprogramm geboten. Die anschließende positive Bilanz führte 2002 zu dem Beschluss: LIFE goes on!
Konzeption und Ziele
Im Vorfeld der Entwicklung der Drogenkonzeption im Jahr 1999 erfolgten zunächst eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Angebote und darauf aufbauend eine Bedarfsanalyse sowie die Festlegung von zentralen Präventionszielen:
- Stärkung der Persönlichkeit, der Lebens- und Sozialkompetenzen vor allem bei Kindern und Jugendlichen sowie deren Bezugspersonen,
- Schaffung gesellschaftlicher und individueller Verhältnisse, die helfen, Suchtmittelmissbrauch zu vermeiden und der Entstehung von substanzbezogenen und nichtstofflichen Süchten vorzubeugen.
Die Bestandserhebung wurde in den Jahren 2004 bis 2006 aktualisiert. Für 2009 steht die Fortschreibung der Drogenkonzeption an.
Vorgehen und Umsetzung
Dem Netzwerk "LIFE" gehören eine Vielzahl unterschiedlicher Akteure an, unter anderen das Landratsamt Lörrach, der Landesverband für Prävention und Rehabilitation, der Arbeitskreis Rauschmittel, die Frauenberatungsstelle Lörrach, das Blaue Kreuz, die Polizeidirektion Lörrach, die Villa Schöpflin (Zentrum für Suchtprävention in Lörrach) sowie die Präventionsbeauftragte des Regierungspräsidiums Freiburg. Zudem kooperiert der Landkreis in der Präventionsarbeit mit den Grenznachbarn Schweiz und Frankreich. Die Koordinierung der Netzwerkarbeit obliegt der kommunalen Suchtbeauftragten des Kreises.
Die Kampagne "LIFE goes on" umfasst ein breites Maßnahmenbündel, das verschiedene Suchtstoffe (Alkohol, Cannabis, Tabak, Medikamente) und Settings (Kindergarten, Schule, Betrieb, Verein) in den Blick nimmt und sowohl auf Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern als auch auf Multiplikatorinnen und Multiplikatoren ausgerichtet ist. Zu den Aktivitäten gehören beispielsweise Beratungsangebote für jugendliche Cannabis-Konsumenten, eine Nichtrauchersprechstunde in Schulen, Nichtraucherkurse für Jugendliche, ein Schulprojekt zum Thema Essstörungen, sozialpädagogische Gruppenangebote, Elternseminare und -workshops, Multiplikatorenfortbildungen und Fachtagungen. Folgende Projekte werden im Beitrag besonders herausgestellt:
- HaLT: Das Bundesmodellprojekt "HaLT - Hart am Limit" fand 2002 im Landkreis Lörrach seinen Ursprung. Ausgelöst durch eine wachsende Zahl mit Alkoholintoxikationen in die Kinderklinik Lörrach eingelieferter Jugendlicher entwickelte die Villa Schöpflin dieses alkoholpräventive Projekt, das unter anderem mit einer Anschubfinanzierung von "LIFE goes on" gestartet und später mit Unterstützung des Bundes nach und nach ausgebaut und in viele andere Kommunen transferiert werden konnte.

- KiSEL - Hilfen für Kinder suchtkranker Eltern: 2002 gründete sich auf Initiative von LIFE-Mitgliedern eine Projektgruppe, die auf Basis der Ergebnisse einer Befragung (2003) sowie einer Fachtagung (2004) ein Betreuungskonzept für Kinder suchtkranker Eltern erarbeitete. Als Träger für das entwickelte Gruppenangebot konnte der Arbeitskreis Rauschmittel gewonnen werden, der in 2006 finanziert durch Spenden, Sponsoring und Stiftungsgelder die Arbeit aufnahm. Seit Herbst 2008 gibt es im Landkreis Gruppenangebote für drei verschiedene Altersstufen (6 bis 7 Jahre, 8 bis 10 Jahre, ab 11 Jahren). Zudem finden Informationsveranstaltungen, Aktionen zur Spendenakquise sowie Schulungen und Fachtagungen für Fachkräfte statt, und es wurde ein speziell entwickelter Fachordner allen Kindertageseinrichtungen des Landkreises kostenlos zur Verfügung gestellt.
- Midnight-Sport Lörrach: Das betreute Freizeitangebot in Sporthallen zweier Quartiere der Stadt Lörrach versteht sich als Präventions- und Integrationsprojekt für Jugendliche. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer - überwiegend Jugendliche mit Migrationshintergrund - übernehmen selbst Verantwortung im Projekt und werden zu Junior-Coaches ausgebildet. Der Konsum von alkoholischen Getränken und Tabak oder sonstigen berauschenden Mitteln ist in und außerhalb der Sporthalle untersagt.
"LIFE goes on" wird dauerhaft finanziell durch den Landkreis unterstützt; darüber hinaus werden Maßnahmen, Aktionen und Projekte des Netzwerks durch Spenden, Stiftungsgelder, Fördergelder des Landes und des Bundes sowie durch Kooperationen mit Krankenkassen, Versicherungen und Banken finanziert. Der Großteil der durchgeführten Projekte wird evaluiert. Eine eigene Homepage (www.life-loerrach.de) sowie der LIFE-Newsletter sind Kernelemente der aktiv betriebenen Öffentlichkeitsarbeit des Präventionsnetzwerkes.
Begründung der Prämierung
Im Rahmen einer seit 1999 kontinuierlich durchgeführten Netzwerkarbeit wird im Landkreis Lörrach auf Grundlage der Drogenkonzeption des Kreises und von Erkenntnissen der Präventionsforschung eine Vielzahl an suchtpräventiven Maßnahmen gebündelt und umgesetzt.
Dabei ist es gelungen, in die Netzwerkarbeit eine Vielzahl von Akteuren erfolgreich einzubinden, die ansonsten nicht unmittelbar mit der Suchtprävention befasst sind: beispielsweise Einrichtungen der Jugendhilfe und der Migrationsarbeit, Vereine sowie Unternehmen.
Die Präventionsarbeit des Landkreises ist ganzheitlich ausgerichtet: Es werden sowohl verschiedene Suchtformen (Alkohol, Cannabis, Tabak, Medikamente, Essstörungen) als auch unterschiedliche Settings (Kindergarten, Schule, Betrieb, Verein) und Zielgruppen (Kinder, Jugendliche, Eltern, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren) in den Blick genommen. Positiv hervorzuheben ist auch die sehr fundierte Präventionsarbeit mit Kindern aus suchtbelasteten Familien sowie die Ausrichtung einzelner Angebote auf Jugendliche mit Migrationshintergrund.
Zudem ist das Netzwerk zur Präventionsarbeit kommunal gut verankert. So hat der Landrat die Schirmherrschaft für das Netzwerk übernommen, und ein Link auf die Internetseite des Netzwerks ist auf der Startseite und damit an prominenter Stelle der Homepage des Landkreises platziert. Darüber hinaus werden Veranstaltungen und Aktionen von der Kommunalpolitik aktiv unterstützt.
Ein weiteres Qualitätsmerkmal des Beitrags ist die aktive und öffentlichkeitswirksame Akquise von Spenden und Sponsorengeldern.
Zum Originalwettbewerbsbeitrag des Landkreises Lörrach.