Landkreis Borken

Auszug aus der Wettbewerbsdokumentation

Kommune und Wettbewerbsbeitrag im Überblick

Einwohnerzahl 370.196 (Stand: 31.12.2007)
Bundesland Nordrhein-Westfalen
Titel des Beitrags Alkoholpräventionskampagne "Vollrausch … ohne mich!"
Schwerpunkt des Beitrags Verzögerung des Einstiegs in den Alkoholkonsum und Förderung eine frühzeitigen Ausstiegs aus riskanten Konsummustern bei Kindern und Jugendlichen
Einzelprojekte 1. Hip-Hop Workshop
2. KATERtALK
3. Kreativwettbewerb "Mach dir'n Kopp"
Kontakt Regina Kasteleiner
Landkreis Borken
Fachbereich Gesundheit
Burloer Straße 53
46325 Borken
Tel.: 02861/821154
E-Mail: r.kasteleiner@kreis-borken.de

Anlass und Ausgangssituation

Im Jahr 2003 beauftragte der Kreissozial- und Gesundheitsausschuss des Landkreises Borken die Verwaltung, einen Bericht zum missbräuchlichen Alkoholkonsum im Kreis zu verfassen. Dieser Suchtbericht sollte neben der allgemeinen Datenlage zum Ausmaß der Alkoholproblematik und zur Versorgungslage der Suchtkrankenhilfe vor allem die Konsumsituation bei Kindern und Jugendlichen darstellen. Da zu dieser Zielgruppe keine regionalen Daten vorlagen, wurde in Kooperation mit der Fachhochschule Bocholt eine repräsentative Schülerbefragung zum Thema "Freizeitverhalten und Suchtmittelkonsum Jugendlicher im Kreis Borken" durchgeführt. Die Befragungsergebnisse belegen, dass Binge-Drinking bei unter 16-Jährigen im Landkreis weit verbreitet ist, dass jeder sechste 13-Jährige schon einmal betrunken war und dass Alkohol - trotz Jugendschutzregelungen - leicht zugänglich ist.

Konzeption und Ziele

Angesichts der Problemlage wurde 2006 die Alkoholpräventionskampagne "Vollrausch … ohne mich!" entwickelt. Die Kampagne zielt auf die Sensibilisierung und Aufklärung über missbräuchlichen Alkoholkonsum insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, das Aufzeigen alternativer Verhaltensstrategien und -muster, die Einhaltung von Jugendschutzbestimmungen sowie die Unterstützung der Eltern bei der Vermittlung verantwortungsvollen Umgangs mit Alkohol. Langfristig soll die Kampagne zu einer Verzögerung des Einstiegs in den Alkoholkonsum führen und einen frühzeitigen Ausstieg aus riskanten Konsummustern fördern.

Logo des Kreises Borken

Die Kampagne ist langfristig und kontinuierlich angelegt und auf vier Zielgruppen ausgerichtet: 1. Handel, Gewerbe und Veranstalter, 2. Multiplikatoren und Multiplikatorinnen aus Schule, Sport und Jugendhilfe, 3. Kinder und Jugendliche, 4. Erziehungsberechtigte (Eltern und Erwachsene). Im Jahr 2008 erfolgte die Fokussierung auf die Zielgruppe Kinder und Jugendliche.

Vorgehen und Umsetzung

Für die Kampagne wurden viele Akteure und Kooperationspartner eingebunden. Dabei konnte an die bereits seit 2002 auf Kreisebene bestehende "Arbeitsgemeinschaft Sucht- und Gewaltprävention im Kreis Borken" angeknüpft werden. In ihr sind die Facheinheiten Jugendschutz/Jugendpflege einzelner Stadtjugendämter, der Fachbereich Jugend und Familie des Kreises, die Ordnungsämter, die Kreispolizeibehörde und die Fachstelle für Suchtvorbeugung des Kreises vertreten. Darüber hinaus wirken IHK, Hotel- und Gaststättenverband, Kreissportbund, Sportamt, Schulamt und Schulsozialarbeit mit.

Im Rahmen der Kampagne wurde eine Vielzahl von Maßnahmen und Modulen entwickelt. Einzelne Bausteine sind beispielsweise Infomaterial zum Thema Jugendschutzbestimmungen, Suchtpräventionswochen, Lehrerfortbildungen, Präsenz auf Festveranstaltungen, Zusammenarbeit mit Festveranstaltern, Aufführung des Theaterstücks "Alkohölle", Präsenz in Internet-Communities, die Ausstellung "Sucht hat immer eine Geschichte", ein Elterninformationsblatt, der Internetauftritt www.vollrausch-ohne-mich.de sowie die Entwicklung und Bereitstellung von Kampagnenmaterial wie Armbänder, Aufkleber, Buttons, Taschenkalender.

2007 wurde die Kampagne auf politischer Ebene und in der Fachöffentlichkeit vorgestellt (Fraktionen, Fachausschüsse, Schulleiter). Alle 17 Städte und Gemeinden des Kreises konnten als Kooperationspartner gewonnen werden.

Hip-Hop-Workshop

CD-Label von Vollrausch

Durchgeführt wird ein dreitägiger Workshop für Jugendliche unter dem Motto "Kinder stark machen - zu stark für Drogen". Im Zusammenhang mit der Erstellung einer HipHop-CD wird dort auch das Thema Alkohol behandelt.

"KATERtALK"

Bei dem Projekt handelt es sich um eine systematische psychosoziale Intervention nach Krankenhaus-Einlieferung wegen Alkohol-Intoxikation bei Jugendlichen. Den betroffenen Jugendlichen und ihren Eltern wird innerhalb von drei Werktagen ein Beratungsgespräch angeboten. Das Projekt zielt u.a. darauf, Hintergründe für riskanten Alkoholkonsum (Binge-Drinking) aufzudecken, Erfahrungen auszuwerten, Hilfsangebote zu unterbreiten und adäquate Angebote zu entwickeln. Kooperationspartner sind das St. Agnes-Hospital, die Fachstelle für Suchtvorbeugung des Kreises sowie die Beratungsstelle für Suchtkranke. Das Projekt wird 2009 evaluiert. Auf der Basis der Evaluation sollen neue adäquate Hilfsangebote entwickelt werden.

Kreativwettbewerb "Mach Dir'n Kopp"

Ein für 2009 geplanter Wettbewerb für Jugendliche und junge Erwachsene bis 21 Jahre will mittels verschiedener Methoden (Theaterstücke, Sketche, Gedichte, Geschichten, Songs, Musik, Filme, Videoclips, Plakate, Postkarten, Comics, Quiz) Jugendliche an Projekten der Suchtprävention zum Thema "Alkohol und Vollrausch" beteiligen.

Begründung der Prämierung

Bei "Vollrausch … ohne mich!" handelt es sich um eine systematische und umfassende Alkoholpräventionskampagne mit klarer Konzeption und genau benannten Zielen. Die Kampagne basiert auf einer wissenschaftlich aufbereiteten Ausgangs- und Bedarfsanalyse und wird professionell durch eine Werbeagentur begleitet.

Die Kampagne ist zielgruppenspezifisch und zielgenau ausgerichtet. Für jede der vier Zielgruppen gibt es ein eigenes Teilkonzept sowie spezifische Kooperationspartner. Auf diese Weise wird mit großer Zielgenauigkeit Alkoholprävention betrieben und auf das zunehmende Problem des Binge-Drinking reagiert. Die vielfältigen Einzelbausteine der Kampagne stellen eine gelungene Mischung aus Verhaltens- und Verhältnisprävention dar.

Zwar werden die Projekte grundsätzlich an allen weiterführenden Schulen durchgeführt, der Schwerpunkt liegt jedoch auf Hauptschulen. Hierdurch wird der Projektansatz soziallagensensibel ausgerichtet. Zudem wird mit dieser Ausrichtung einem Ergebnis der Schülerbefragung Rechnung getragen, nach dem vor allem Jugendliche an Hauptschulen ein problematisches Suchtverhalten aufweisen.

Mit der "Arbeitsgemeinschaft Sucht- und Gewaltprävention im Kreis Borken" hat der Kreis eine nachhaltige Struktur für Suchtprävention installiert. Darüber hinaus nutzt der Kreis Borken seine kommunalen Einflussmöglichkeiten sehr gut aus, indem er an eine Vielzahl von Settings anknüpft und eine große Zahl von Einrichtungen einbezieht - auch solche, die nicht originär mit Suchtprävention zu tun haben, wie Industrie- und Handelskammer, Gaststättenverband, Diskotheken, Kreissportbund.

Die kommunalpolitische Verankerung ist vorbildlich: Alle 17 Städte und Gemeinden des Kreises konnten auf der Basis persönlicher Gespräche mit Bürgermeistern sowie mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ordnungsämter als Kooperationspartner gewonnen werden. Dies unterstützt die Flächenwirkung der Kampagne in hervorragender Weise.

Fotos von projektbeteiligten Jugendlichen

Zum Originalwettbewerbsbeitrag des Landkreises Borken.