Auszug aus der Wettbewerbsdokumentation
Kommune und Wettbewerbsbeitrag im Überblick
| Einwohnerzahl |
107.794 (Stand: 30.09.2006) |
| Bundesland |
Bayern |
| Titel des Beitrags |
"Feste feiern - MfG Jugendschutz" |
| Schwerpunkt des Beitrags |
Alkoholprävention und Jugendschutz vor allem in der Festkultur |
| Kontakt |
Gerhard Fleischmann
Landkreis Amberg-Sulzbach
Gesundheitsamt
Hockermühlstraße 53
92224 Amberg
Tel.: 09621/39-657
E-Mail: gfleischmann@amberg-sulzbach.de |
Anlass und Ausgangssituation
Im Landkreis Amberg-Sulzbach finden pro Jahr ca. 250 Kirchweihen ("Kirwas") statt, darüber hinaus weitere Vereins- oder Verbandsfeste. Ausgangspunkt der alkoholpräventiven Maßnahmen war die Beobachtung und Erkenntnis des Suchtarbeitskreises Amberg, dass bei diesen Festen die gesetzlich vorgeschriebenen Altersgrenzen für die Anwesenheit von Kindern und Jugendlichen und die Altersgrenzen beim Alkoholausschank häufig nicht eingehalten werden und dass Kinder und Jugendliche in zunehmender Zahl und Häufigkeit große Mengen Alkohol - teilweise bis zur Bewusstlosigkeit - trinken. Außerdem fühlten sich Festveranstalter offenbar häufig über die Regelungen des Jugendschutzes nicht ausreichend informiert. Auch die meisten Eltern kennen die Jugendschutzvorschriften kaum oder unterschätzen die Problematik.
Konzeption und Ziele
Aus dieser Situation wurde im Landkreis konkreter Handlungsbedarf abgeleitet, die Jugendschutzbestimmungen bei Festen umzusetzen und damit vor allem den Zugang zum Alkoholkonsum für Kinder und Jugendliche zu erschweren oder zu verhindern. Darüber hinaus sollen - die hauptsächlich nicht gewerbsmäßigen - Veranstalter, die Sorgeberechtigten, die Kinder und Jugendlichen selbst, die Schulen sowie die Gemeinde- und Stadtverwaltungen des Kreises für das Thema sensibilisiert sowie die relevanten Fachstellen einbezogen und vernetzt werden. Die Gesamtaktion erhielt den Namen "Feste feiern - MfG Jugendschutz"; "MfG" steht dabei für "Mit freundlichen Grüßen".
Vorgehen und Umsetzung
Im Jahr 2005 richtete der Suchtarbeitskreis Amberg, dem auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Amberg angehören, die "Arbeitsgruppe Jugendschutz bei Festen" ein, die ein vielfältiges Maßnahmenbündel für die Umsetzung der gesetzten Präventionsziele entwickelte. Die Maßnahmen richten sich auf das Setting "Feste" und - zu einem kleineren Teil - auch auf das Setting "Schule"; sie sind eine Mischung aus Verhaltens- und Verhältnisprävention:
- Gemeinsam von Kreisjugendamt, Kommunaler Jugendpflege, Gesundheitsamt und Polizei werden für Veranstalter Informationsabende zum Thema Jugendschutz und Alkohol durchgeführt.
- Interessierte Veranstalter erhalten kostenlos Aufkleber und Plakate mit dem Logo der Aktion "Feste feiern - MfG Jugendschutz" zum Aushang auf Festplätzen, in Festzelten und Bars.
- 2006 erstellte die Arbeitsgruppe ein Infoblatt für Veranstalter, in dem die Gründe für die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes dargelegt und zudem gängige Gegenargumente entkräftet werden; darüber hinaus sind die wichtigsten Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes erläutert und es werden Empfehlungen zu seiner Umsetzung gegeben. 2007 wurden zwei weitere Infoblätter herausgegeben: eines, das speziell auf die Möglichkeit von Einlasskontrollen bei Festen abzielt, und ein weiteres für das Ausschankpersonal, in dem die wichtigsten Regelungen des Jugendschutzes übersichtlich und leicht verständlich zusammengefasst sind.
- In einem Elternbrief werden die Sorgeberechtigten zum Thema Alkoholmissbrauch Jugendlicher ("Was können wir Erwachsene tun?") aufgeklärt (wegen der großen Zahl von Aussiedlern auch in russischer Sprache). Bei der Entwicklung des Briefes wurde mit der im Landkreis ansässigen Fachhochschule kooperiert.
- Seit 2008 werden verschiedenfarbige Einlassbänder mit Altersaufdruck zum Selbstkostenpreis an die Festveranstalter verkauft; die Bänder sollen es den Veranstaltern erleichtern, die Jugendschutzbestimmungen in Bezug auf Altersgrenzen für Anwesenheit und Alkoholausschank einzuhalten.
Einbezogen in die Aktion "Feste feiern - MfG Jugendschutz" sind auch die kreisangehörigen Städte und Gemeinden, die als Genehmigungsbehörden der Feste eine wichtige Rolle spielen.
In die Aufklärungsarbeit werden die regionalen Medien (u.a. das Regionalradio "Ramasuri" und das Regionalfernsehen "OTV") eingebunden und die Internetplattform www.kirwa.net der Region Amberg-Sulzbach sowie die Homepage der Oberpfälzer Suchtarbeitskreise (www.suchtinfo-oberpfalz.de) eingebaut. Die dem Wettbewerbsbeitrag beigefügten zahlreichen Zeitungsartikel lassen zudem auf eine ausgezeichnete PR-Arbeit schließen und belegen im Kreis ein großes öffentliches Echo auf das Projekt.
Begründung der Prämierung
Der Beitrag zeigt beispielhaft auf, wie ein Landkreis auf Alkoholmissbrauch Jugendlicher und das sich verschärfende Problem des "Binge-Drinking" (vor allem im Kontext von Volksfesten) reagieren kann: durch ein breites und auf die Fläche zielendes Bündel verhaltens- und verhältnispräventiver Maßnahmen und den Einbezug der relevanten Akteure.
Vor allem die Flächenwirkung beeindruckt: Auf insgesamt 15 Informationsveranstaltungen wurden 550 Festveranstalter, Verbands- und Vereinsvertreterinnen und -vertreter erreicht. Der Elternbrief zum Thema Alkoholmissbrauch Jugendlicher wurde in einer Auflage von 15.000 Stück flächendeckend an Haupt- und weiterführenden Schulen im Kreis verteilt. Seit Beginn des Projekts wurden 6.000 Plakate ausgegeben und allein 2008 über 80.000 Einlassbänder an 61 Vereine und Verbände verkauft.
Die Bürgermeister aller kreisangehörigen Gemeinden sowie der "Kirwa-Beauftragte" des Kreises wurden frühzeitig in die Aktivitäten des Suchtarbeitskreises eingebunden. Durch Kooperation auch mit weiteren Akteuren (Kreisjugendamt, Stadtjugendamt, Kirche, Polizei, Suchtambulanz der Caritas, Schulamt, Präventionsfachkräfte an den Schulen, Fachhochschule) konnten das Projekt "breit aufgestellt" und kommunale Einflussmöglichkeiten gut ausgenutzt werden.
2007 wurde ein Jahresbilanzgespräch des Suchtarbeitskreises mit Festveranstaltern und Vertreterinnen und Vertretern von Vereinen durchgeführt - eine sinnvolle Art, das Erreichte zu prüfen und Verbesserungen anzuschieben. Für 2009 ist eine Ausweitung der suchtpräventiven Aktivitäten auf die Settings Handel/Tankstellen geplant.
Zum Originalwettbewerbsbeitrag des Landkreises Amberg-Sulzbach.