Landkreis Aichach-Friedberg

Auszug aus der Wettbewerbsdokumentation

Kommune und Wettbewerbsbeitrag im Überblick

Einwohnerzahl 127.713 (Stand: 30.09.2006)
Bundesland Bayern
Titel des Beitrags Präventionsprojekt "KliK" (Klar im Kopf)
Schwerpunkt des Beitrags Sucht- und Gewaltprävention für Schülerinnen und Schüler (7., 8. und 9. Klassen) unter Einbeziehung der Lehrer- und Elternschaft (Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz)
Kontakt Gerald Bell
Landkreis Aichach-Friedberg
Kreisjugendamt
Konradinstraße 4
86316 Friedberg
Tel.: 0821/6089823
E-Mail: gerald.bell@lra-aic-fdb.de

Anlass und Ausgangssituation

Prävention im Rahmen des Erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes stellt angesichts der hohen Gefährdungspotenziale, mit welchen die Kinder und Jugendlichen heute konfrontiert werden, eine wichtige Aufgabe der öffentlichen Jugendhilfe dar. Das Kreisjugendamt Aichach-Friedberg startete daher 2005 eine Präventionsoffensive an Schulen im Landkreis. In der Planungsphase wurde zunächst der Status quo im Präventionsbereich analysiert und dabei Folgendes festgestellt:

  • punktuelle Präventionsmaßnahmen zeigen meist nur mäßige Wirkung;
  • eine konzeptionelle Abstimmung der einzelnen involvierten freien Träger findet nicht statt;
  • fachliche Kompetenz wird nicht effektiv genug eingesetzt;
  • eigene Ressourcen der Institutionen (z.B. Lehrerinnen und Lehrer an Schulen) werden nicht oder nur ungenügend in Planung und Durchführung eingebunden;
  • Präventionskonzepte knüpfen häufig nicht oder nur ungenügend an die Bedingungen und die Gefährdungspotenziale der die Institution umgebenden Sozialräume an;
  • Präventionsprojekte werden häufig an der Schule vorbei durchgeführt und die Lehrerschaft nur ungenügend in die Idee und Durchführung der Projekte eingebunden.

Konzeption und Ziele

Foto eines Vortragenden

Auf dieser Basis wurde im Rahmen des Erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes ein neues Konzept für die Sucht- und Gewaltprävention an Schulen entwickelt: Kinder und Jugendliche sollen befähigt werden, sich vor gefährdenden Einflüssen im Bereich Sucht zu schützen. Im Fokus stehen dabei die Steigerung des Selbstwertgefühls, die Motivation zur befriedigenden Freizeitgestaltung, die Kenntnis von Suchtformen und Ursachen der Sucht sowie der rechtlichen Folgen bei Missbrauch von legalen und illegalen Drogen, die Steigerung der Erziehungskompetenz der Eltern sowie die Sensibilisierung der Lehrkräfte.

Zur Konzeption des unter der Schirmherrschaft des Landrats stehenden Projekts "Klar im Kopf - Klik" gehört die Zusammenarbeit mit den vier tragenden Säulen des Projekts: den Lehrkräften, den Eltern, den Schülerinnen und Schüler sowie den (zurzeit 32) Referentinnen und Referenten. Kooperierende Partner sind u.a. das Schulamt, die Drogenhilfe Schwaben e.V., "Brücke Augsburg e.V.", der Fußballclub FC Augsburg, der Kreisjugendring, die Landeszentrale für Gesundheit, die Polizei Aichach und Friedberg sowie die "Futhuk Abenteuerschule".

Vorgehen und Umsetzung

Für die Umsetzung des Projekts "Klar im Kopf - Klik" in den einzelnen Schulklassen wurden Mindeststandards festgesetzt:

  • Alle drei Wochen wird von einer externen Fachkraft ein Workshop durchgeführt, der durch eine von den Lehrkräften geleitete Vor- und Nachbereitung flankiert wird;
  • ein Vortrag und ein Elternkurs werden angeboten;
  • für die Lehrer erfolgen zwei Supervisionen;
  • eine erlebnispädagogische Einheit mit abschließendem Theaterstück bzw. einer Schlussaktion (z.B. "Discofieber") wird durchgeführt.

Pro Schuljahr entfallen damit 30 bis 40 Schulstunden der teilnehmenden Schulklassen auf die Präventionsarbeit.

Seit Projektstart vor drei Jahren fanden an acht Haupt- und Realschulen insgesamt über 500 Workshops, Lehrerfortbildungen, Vorträge und Elternkurse mit einem Aufwand von mehr als 2.000 Unterrichtseinheiten statt, wobei zwei Drittel auf die Sucht- und ein Drittel auf die Gewaltprävention entfielen.

In der Hälfte der teilnehmenden Schulen wurde eine umfassende Evaluation durchgeführt (Befragung der Schülerinnen und Schüler, Auswertungsgespräche mit Lehrkräften und Eltern). Zusätzlich kontrollieren aktuell nach drei Jahren Projektdurchführung weitere Befragungen der Schülerschaft die Langzeitwirkung des Projekts.

Über 50 Prozent der Schulen des Landkreises haben sich mittlerweile um die Teilnahme am Projekt beworben. In 2009 und 2010 soll das Projekt auf Kindergärten sowie weitere Kommunen im Kreis ausgeweitet werden.

Die Finanzierung des Projekts erfolgt aus Mitteln des Landkreises, die durch Eigenbeiträge der beteiligten Institutionen ergänzt werden.

Begründung der Prämierung

Der Beitrag überzeugt zunächst durch die im Vorfeld der Projektentwicklung durchgeführte Schwächeanalyse der bis dahin praktizierten Prävention sowie durch die Konsequenz, mit der aus den Ergebnissen dieser Analyse Veränderungen für die Präventionsarbeit abgeleitet wurden.

Gegenüber vereinzelten Projekttagen oder -wochen erhält die schulische Präventionsarbeit mit dem kontinuierlich über ein gesamtes Schuljahr durchgeführten Projekt "Klar im Kopf - Klik" ein sehr viel höheres Gewicht. Geschlechtspezifische Differenzierungen erfolgen über einzelne Lehreinheiten (z.B. Essverhalten), in denen der Fokus auf die unterschiedlichen suchtfördernden Verhaltensmuster von Jungen und Mädchen gerichtet wird. Mit der Einbeziehung von Spielern der regionalen Fußballmannschaft in die Projektumsetzung gelingt es, auch ansonsten schwer erreichbare Jugendliche erfolgreich anzusprechen.

Der Evaluation und Qualitätssicherung wird bei der Umsetzung von "Klar im Kopf - Klik" hohe Bedeutung beigemessen: Die Wirkung auf die Schülerinnen und Schüler wird nicht nur mittels direkter Ex-post-Befragungen kontrolliert, sondern es werden darüber hinaus auch die Langzeitwirkungen mithilfe einer nach drei Jahren durchgeführten Wiederholungsbefragung der Schülerschaft erkundet.

Die erforderlichen Ressourcen werden durch eine auf Effizienz angelegte Projektstruktur erschlossen (zentrale Bündelung der Angebote der freien Träger beim Jugendamt des Kreises, Konzept zur Erschließung der Mitwirkung der Lehrerschaft, Einbeziehung der Eltern).

Die Schirmherrschaft des Landrats für das Projekt bekräftigt den hohen Stellenwert von "KliK" im Landkreis. Zudem trägt die laufende projektbegleitende Berichterstattung der örtlichen Presse zur Wahrnehmung des Projektes, seines Verlaufs und seiner Erfolge in der Öffentlichkeit bei.

Die hohen Anmeldezahlen von Schulen belegen eindrucksvoll die Flächenwirkung des Projekts. Durch die geplante Ausweitung des Projekts auf das Setting Kindertagesstätten wird diese zukünftig noch erhöht werden.

Fotos aus der Projektarbeit

Zum Originalwettbewerbsbeitrag des Landkreises Aichach-Friedberg.